Katastrophen

Forscher warnen: Supervulkane bedrohen die Zivilisation

| Lesedauer: 3 Minuten
Tonga liegt unter dicker Ascheschicht

Tonga liegt unter dicker Ascheschicht

Erste Bilder aus Tongas Hauptstadt Nuku'alofa zeigen eine mit einer dicken Ascheschicht bedeckte Welt. Die Inselguppe im Pazifik wurde schwer von einem Vulkanausbruch und einem darauf folgenden Tsunami getroffen.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Vulkanologen schlagen Alarm: Gefahr eines massiven Ausbruchs werde dramatisch unterschätzt. Eruption könnte die Zivilisation bedrohen.

Sie gehören zu den katastrophalsten Ereignissen der Erdgeschichte: Eruptionen von Supervulkanen haben das Potenzial, die Menschheit in eine existenzielle Krise zu stürzen. Die Auswirkungen früherer Ausbrüche auf das globale Klima waren in früheren Jahrhunderten so stark, dass auf der ganzen Welt ein „vulkanischer Winter“ begann – eine ungewöhnlich kalte Periode, die wiederum zu weit verbreiteten Hungersnöten führte.

Britische Wissenschaftler schlagen nun Alarm: Obwohl solche massiven Eruptionen extrem selten sind, warnen sie vor einem womöglich bevorstehenden Ausbruch eines Supervulkans in den kommenden Jahrzehnten. Die Folgen für die gesamte Erdbevölkerung wären gravierend.

Fachleuten vom Centre for the Study of Existential Risk (CSER) an der Universität Cambridge und von der Uni Birmingham zufolge liegt die Wahrscheinlichkeit für einen Ausbruch der Stärke sieben – der zweithöchsten Stufe auf dem sogenannten Vulkanexplosivitätsindex – oder größer in den nächsten 100 Jahren bei eins zu sechs. „Das ist ein Würfelwurf“, mahnt die CSER-Forscherin Lara Mani.

Mehr über Vulkane: Warum der Klimawandel Vulkane schneller ausbrechen lässt

Vulkanausbruch hätte verheerende Folgen

Sie will die Gesellschaft aufrütteln: Die Welt sei „kläglich unzureichend“ auf einen massiven Vulkanausbruch und die wahrscheinlichen Folgen fürs Klima, für globale Lieferketten und die Nahrungsmittelproduktion vorbereitet, schreiben die Wissenschaftler in einem Artikel, den sie in der Fachzeitschrift „Nature“ veröffentlich haben.

Eruptionen dieses Ausmaßes hätten in der Vergangenheit abrupte Klimaveränderungen und den Kollaps ganzer Zivilisationen ausgelöst, so Risikoexpertin Mani.

Es gibt Dutzende bekannte Supervulkane: die Phlegräischen Felder bei Neapel in Italien, der Yellowstone in den USA oder der Tambora auf der indonesischen Insel Sumbawa. Die Forscher warnen, es könne noch Dutzende weitere gefährliche Vulkane geben, von denen die Menschheit nichts wisse – besonders in bisher von der Wissenschaft vernachlässigten Regionen wie Südostasien.

Vulkan-Experten fordern bessere Überwachung

Der letzte Ausbruch der Stärke sieben ereignete sich im Jahr 1815 in Indonesien. Die Temperaturen sanken damals weltweit im Durchschnitt um ein Grad. Die plötzliche Kälte sorgte in Mitteleuropa für verheerende Ernteausfälle, schwere Unwetter und Überschwemmungen. „Wir leben jetzt in einer Welt mit der achtfachen Bevölkerung und dem vierzigfachen Handel von damals. Unsere komplexen Netzwerke könnten uns noch empfindlicher machen für die Erschütterungen eines großen Ausbruchs“, sagt Co-Autor Mike Cassidy, Vulkanologe von der Universität Birmingham.

Als Weckruf solle der Vulkanausbruch auf der Südseeinsel Tonga im Januar dieses Jahres dienen. Hätte er länger angedauert oder sich in einer Region mit mehr kritischer Infrastruktur – etwa am Mittelmeer – ereignet, wären die Folgen wohl verheerend gewesen, so die Wissenschaftler. Wie häufig es zu großen Eruptionen kommt, lässt sich durch die Analyse von Spuren von Schwefelspitzen in alten Eisproben nachweisen. Demnach ereignet sich eine Eruption, die zehn- bis hundertmal größer ist als die Tonga-Explosion, alle 625 Jahre. Das sei doppelt so häufig wie lange angenommen, heißt es in dem Artikel.

Lara Mani vergleicht die klimatischen Folgen eines massiven Vulkanausbruchs mit dem Einschlag eines Asteroiden von einem Kilometer Durchmesser auf der Erde. Obwohl das Risiko einer Asteroiden- oder Kometenkollision mit der Erde nur ein Hundertstel der eines massiven Vulkanausbruchs betrage, werde sehr viel mehr Geld in die Beobachtung von Asteroiden gesteckt als in die Erforschung von Vulkanen, bemängelt sie.

Das sei „einfach verantwortungslos“ und „muss sich dringend ändern“, fordert Mani. „Wir unterschätzen das Risiko für unsere Gesellschaften durch Vulkane massiv.“

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Panorama