Geländewagen

SUV-Unfall mit vier Toten: Porsche unterstützt die Ermittler

Bei dem tödlichen SUV-Unfall mit einem Porsche Macan sind vier Menschen gestorben. Der Autobauer will die Ermittler nun unterstützen.

Bei dem tödlichen SUV-Unfall mit einem Porsche Macan sind vier Menschen gestorben. Der Autobauer will die Ermittler nun unterstützen.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Berlin.  Nach dem verheerenden Unfall mit einem SUV von Porsche bietet auch der Autobauer seine Hilfe an. Ermittlungen gehen in zwei Richtungen.

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Experten des Automobilkonzerns Porsche unterstützen die Berliner Ermittler bei den Untersuchungen zu dem schweren SUV-Unfall an der Invalidenstraße in Berlin-Mitte. Wie die Staatsanwaltschaft am Mittwoch mitteilte, würden die Ermittlungen zur Unfallursache „mit Hilfe der Firma Porsche fortgesetzt“.

Nach wie vor sei offen, ob ein technischer Defekt an dem Porsche Macan vorliege, hieß es am Mittwoch beim Kurznachrichtendienst Twitter. Noch am Dienstag hatte Martin Steltner, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, gegenüber der Deutschen Presse-Agentur gesagt: „Es gibt keine Hinweise auf einen technischen Defekt“.

SUV-Unfall in Berlin – Weiterhin Verdacht auf Epilepsie des Fahrers

Weiterhin steht im Raum, dass die Ursache für den Unfall ein medizinischer Notfall gewesen sein soll. „Die Hinweise und Spekulationen, wie sie von Anfang an bestanden, haben sich derzeit weiter konkretisiert“, sagte Steltner in der RBB-Abendschau am Dienstag. „Wir reden über eine akute gesundheitliche Problematik.“

Diese Hinweise sollen der Staatsanwaltschaft auch schriftlich vorliegen. Steltner: „Der Rechtsanwalt des beschuldigten Fahrers des Unfallfahrzeugs hat eine erste Stellungnahme abgegeben und hat in der Tat bestätigt, dass eine akute gesundheitliche Problematik Ursache des Unfall gewesen sein könnte.“

Ob es sich um Krämpfe oder einen epileptischen Anfall gehandelt haben könnte, sagte Steltner nicht. Er sagte weiter, die Frage sei, ob gesundheitliche Probleme oder eine Grunderkrankung vorhersehbar gewesen seien. Dann wäre der SUV-Unfall von strafrechtlicher Relevanz.

„Wenn vorhersehbar ist, dass jemand beispielsweise Krampfanfälle bekommt, sollte er nicht Auto fahren.“ Zugleich betonte er aber: „Das kann jedem passieren.“ Die Befragung von Zeugen und die Auswertung des Bordcomputers dauern laut Staatsanwaltschaft an. Zuletzt wurden nach dem SUV-Unfall auch Hinweise auf Gesundheitsprobleme konkreter.

Ermittler durchsuchen Wohnung des SUV-Fahrers

Die Staatsanwaltschaft ließ am Freitagabend (13. September) die Wohnung des Unfallfahrers in Mitte durchsuchen. Das bestätigte Mona Lorenz von der Berliner Staatsanwaltschaft der „Berliner Morgenpost“. Es seien auch Beweismittel gesichert worden, die nun ausgewertet werden. Um was für Beweismittel es sich handelt, wollte die Staatsanwaltschaft mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht sagen.

Nach Informationen der „Berliner Morgenpost“ wollen die Ermittler herausfinden, ob es bei dem Fahrer tatsächlich eine Vorerkrankung gibt. Bereits kurz nach der Fahrt war bekanntgeworden, dass der 42-jährige Fahrer Michael M. an Epilepsie leiden soll. Das hatte die Mitfahrerin (67) des Unfallwagens ausgesagt.

Allerdings unterliegt die Patientenakte des Fahrers einem Beschlagnahmeverbot. Das heißt: Entbindet der Fahrer seinen Arzt nicht von der Schweigepflicht, kommen die Ermittler nicht an die Akte heran. Mit der Hausdurchsuchung spielen die Ermittler „über Bande“ und hoffen so, Beweise sicherstellen zu können. Leidet der Fahrer tatsächlich an Epilepsie, wird es in seinem Haus Medikamente, Rezepte oder entsprechende Aufzeichnungen geben.

Nach Unfall mit vier Toten- Keine Ampel an der Invalidenstraße

Polizei prüft auch technisches Versagen des Geländewagens

Die Polizei ermittelt unterdessen weiter in alle Richtungen. Das heißt: Neben einem menschlichen wird auch technisches Versagen geprüft.

Am vergangenen Freitagabend war erneut der vier Todesopfer gedacht geworden. In einer Kirche direkt am Unfallort an der Invalidenstraße versammelten sich rund 100 Menschen, darunter auch Kinder. Noch immer lagen Blumen am Straßenrand, an der Unfallstelle standen brennende Kerzen.

Auf dem Gehweg der Invalidenstraße war bei dem Unfall außer dem Kleinkind auch die 64 Jahre alte Großmutter des Jungen ums Leben gekommen. Zudem wurden ein Spanier (28) und ein Brite (29), vermutlich Touristen, getötet. Die Mutter des Dreijährigen, die ihren älteren Sohn dabei hatte, überlebte nach Feuerwehrangaben. Die Polizei machte zu Verwandtschaftsverhältnissen keine Angaben, teilte aber mit, eine 38-Jährige und ihr neunjähriger Junge hätten Schocks erlitten.

Cambridge-Universität bestätigt Tod ihres Doktoranden

Bei dem getöteten 28 Jahre alten Spanier handelt es sich um einen Doktoranden der britischen Cambridge-Universität. Das Darwin College, eine Fakultät der Elite-Universität, bestätigte den Tod des Doktoranden in der vergangenen Woche.

Bei Facebook hieß es: „Leider müssen wir den Tod eines unserer Studenten mitteilen. Aleix und sein Partner sind Opfer eines Verkehrsunfalls in Berlin.“ Der 28-Jährige habe kurz vor dem Abschluss seiner Promotion gestanden und sei ein sehr aktives und beliebtes Mitglied der Uni gewesen.

Am vergangenen Donnerstag hatte ein Anwohner und dreifacher Familienvater eine Onlinepetition gestartet. Darin fordert er Konsequenzen aus dem Porsche-Unfall. Petitions-Starter Julian Kopmann fordert von Verkehrssenatorin Regine Günther (Grüne), „die bestehende Tempo 30 Zone unverzüglich auf die Invalidenstraße zwischen Brunnenstraße und Nordbahnhof auszuweiten und somit das gesamte Gebiet zwischen Bernauer und Torstraße abzudecken und zeitnah durch weitere Maßnahmen den Verkehr auf der Invalidenstraße zu beruhigen.“

Kritiker sehen Porsche-Unfall als „Weckruf“

Kopmann: „Der Verkehr auf der Invalidenstraße zwischen Chaussee- und Brunnenstraße hat sich zu einer Gefahr für alle Verkehrsteilnehmer entwickelt. Ich möchte nicht mehr tatenlos zusehen, sondern gemeinsam mit allen Betroffenen an einer Verbesserung der Lage arbeiten.“ Für ihn sei der Unfall ein „Weckruf“ gewesen. Bis zuletzt hatten rund 10.000 Menschen unterschrieben.

Bei dem Unfall war am vorvergangenen Freitagabend an der Invalidenstraße in Mitte ein Porsche SUV von der Straße abgekommen und hatte vier Fußgänger tödlich verletzt, darunter einen dreijährigen Jungen.

Nach Anwohnerangaben hatte der Fahrer des Porsche Macan mit hoher Geschwindigkeit auf der Gegenfahrspur den stehenden Verkehr an der Ampel überholt und war auf den Gehweg geraten. Der SUV knickte einen Ampelmast und mehrere Poller um, durchbrach einen Bauzaun und kam erst auf einem Baugrundstück zum Stehen.

Der genaue Hergang des Unfalls ist weiterhin unklar

In dem Video einer Dashcam – eine Videokamera an der Frontscheibe eines Autos, die die Fahrt aufzeichnet –, das der Sender ntv veröffentlichte, ist ebenfalls zu sehen, wie plötzlich ein dunkler SUV wartende Autos vor der Ampelkreuzung Invaliden- und Ackerstraße auf der Gegenfahrbahn überholt. Wie schnell der Porsche Macan unterwegs ist, lässt sich in der kurzen Szene kaum einschätzen. Der Unfall selbst ist nicht zu sehen, das Video bricht vorher ab.

Da der genaue Unfallhergang weiterhin unklar ist, sucht die Polizei weiter nach Zeugen. Wer den Unfall beobachtet hat, Hinweise geben kann oder wem Videoaufzeichnungen vom Unfallhergang vorliegen, wird gebeten, sich bei der „Ermittlungsgruppe Invalidenstraße“ zu melden.

SUV stehen derzeit auch immer wieder in der Kritik, weil sie Menge CO2 ausstoßen. Grünen-Chefin Annalena Baerbock forderte zehn Cent mehr pro Liter Benzin. (mit dpa)

  • Dieser Text erschien zuerst auf www.morgenpost.de

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