Naturschutz

Umweltschützer sichten Wildkatzen erstmals auch im Raum Bonn

Wildkatzen breiten sich in Deutschlands Wäldern aus.

Wildkatzen breiten sich in Deutschlands Wäldern aus.

Foto: dapd

Bonn.   Wildkatzen breiten sich in Deutschland offenbar aus. Das zeigen erste Ergebnisse der bundesweiten "Wildkatzeninventur" von Bund für Umwelt- und Naturschutz und dem Bundesamt für Naturschutz. Noch immer aber sei der Bestand von Wildkatzen in Deutschland in Gefahr.

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Wildtiere erobern sich in Deutschland offensichtlich die Naturräume zurück. Als in diesem Frühjahr ein Jäger im Westerwald vermeintlich einen Hund erschoss, ergab die Untersuchung, dass es sich dabei um einen Wolf handelte, der offenbar aus den Alpen stammte. Das bundesweite Projekt "Wildkatzensprung" des Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (Bund) und des Bundesamts für Naturschutz zeigt jetzt , dass sich auch Wildkatzen weiter ausbreiten.

"Die bedrohte Europäische Wildkatze breitet sich in Deutschland weiter aus", gab am Montag der Bund bekannt. Hintergrund dazu ist die bundesweite "Wildkatzeninventur". Dabei hätten genetische Untersuchungen erstmals Vorkommen in Wäldern nachgewiesen, "die zuvor lange als unbesiedelt galten", teilt der Bund mit.

Fast 1400 Haarproben von Katzen gesammelt

So fanden Naturschützer Belege dafür, dass Wildkatzen mittlerweile auch im Bonner Kottenforst zuhause sind. Insgesamt elf Wildkatzen seien dort nachgewiesen. Auch im Odenwald, der bis dato ebenfalls als Wildkatzenfreie Zone galt, leben mittlerweile Tiere. Das hatten Untersuchungen aus dem Sommer gezeigt.

Im Auftrag des Bund hat das Forschungsinstitut Senckenberg bisher über 600 Haarproben von Tieren in bis dato 14 deutschen Waldregionen ausgewertet. Insgesamt wurden im vergangenen Winterhalbjahr 1372 Haarproben gesammelt; die meisten stammten von streunenden Hauskatzen. Allerdings sind sich die Forscher sicher, anhand von insgesamt 380 Proben auch Wildkatzen nachgewiesen zu haben. Um an die Haare zu gelangen waren spezielle Holzpflöcke in Wäldern aufgestellt worden, die die Wildkatzen anlocken sollten. "Die Tiere reiben sich am rauen Holz und hinterlassen dabei Haarproben, die abgesammelt werden können", teilte der Bund mit.

„Die Wiederbesiedelung ehemaliger Lebensräume ist ein erster Erfolg der intensiven Bemühungen zum Schutz der Wildkatzen, die darüber hinaus auch vielen anderen auf großräumige Laub- und Mischwälder angewiesenen Arten zugutekommen", sagt Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamts für Naturschutz. Allerdings würde den Wildkatzen die Eroberung neuer Lebensräume sehr schwer gemacht.

"Waldkorridore" sollen Wildkatzen helfen

Durch zersiedelte Landschaften seien sie nach wie vor in isolierte Waldgebiete zurückgedrängt und nach wie vor in ihrem Bestand gefährdet. Durch intensive Landwirtschaft, Siedlungen und Straßenverkehr würde nicht nur die Ausbreitung behindert, sagte Jessel: "Mögliche Folgen der Zerschneidung sind kleine Teilpopulationen sowie Inzucht und damit eine Gefährdung der Art." Das Schwerpunkt des Monitorings liege dabei auf genetischen Untersuchungen, teilte der Bund mit.

Um Wildkatzen die Ausbreitung zu erleichtern, würden in den kommenden Jahren bundesweit Wälter "aufgewertet", erklärte der Bund-Vorsitzende Hubert Weiger. Dabei würden Mischwälder durch Pflanzungen besser verbunden. Sechs große "Korridore" seien bundesweit geplant, um den "genetischen Austausch" zwischen den Regionen zu fördern. Ziel sei "ein Waldverbund von insgesamt 20.000 Kilometern Länge", sagte Weiger. Nur durch solche Nachhilfe könne der Bestand der Wildkatzen erhalten bleiben. Weiger: "Dafür setzen wir weiter auf Unterstützung durch Politik, Land- und Forstwirtschaft und andere Partner.“ (dae/WE)

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