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Toni Kroos bei Lanz: „Die Familie ist die Nummer eins“

Toni Kroos mit einem Fan bei der Premiere eines Dokumentarfilms über den Fußballer.

Toni Kroos mit einem Fan bei der Premiere eines Dokumentarfilms über den Fußballer.

Foto: Henning Kaiser / dpa

Berlin.  Er ist Weltmeister und vierfacher Champions-League-Sieger: Toni Kroos. Bei Lanz geht es aber um Gefühle und Grillabende bei Ronaldo.

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Manche sagen, er hat die Gabe von Gott persönlich bekommen. Doch wie er da sitzt, bei Markus Lanz, könnte es auch der nette Nachbar sein, der mit Fußball gar nichts zu tun hat.

Apropos Nachbar: Sein Nachbar in Spanien war lange CR7. Christiano Ronaldo, damals noch verpflichtet wie Kroos bei Real Madrid. Ob die beiden mal zusammen gegrillt haben, will Lanz wissen. So, wie Kroos reagiert, scheint das durchaus der Fall gewesen zu sein.

Toni Kroos spricht bei Lanz über seinen Ex-Nachbarn Christiano Ronaldo

Aber darüber spricht man nicht so wirklich. Doch eins muss mal gesagt werden: Bei den Ronaldos ging es grilltechnisch vor allem laut zu. Für den Familienvater Kroos nicht so ganz das Richtige. Da sei „von unserer Seite“ schon mal der Hinweis

gekommen, „jetzt mal Ruhe da drüben“.Typisch deutsch? Typisch Kroos eben, freundlich, aber ein wenig der Normalo, der nicht über die Stränge schlägt.

Er sei immer der Coolere in der Familie gewesen, erzählt er. In einer Familie, in der Gefühle keine Rolle spielen durften. Und man wundert sich, dass er überhaupt ein bisschen in sein Kroos-Kosmos blicken lässt. Nicht verschlossen aus Arroganz ist er, wie es ja sein könnte bei einem Fußballstar der absoluten Extraklasse wie ihm. Nein, er wirkt eher vein wenig schüchtern als arrogant.

Sein jüngerer Bruder, Felix Kroos – auch er Fußballprofi (bei Union Berlin), ist es, der Toni dazu bringt, sich nach und nach immer ein Stückchen weiter zu öffnen. Und wenn er dann was preisgibt, gibt es nur zwei Dinge, die ihn bewegen:

Fußball und Familie.

Warum für Toni Kroos Familie das Wichtigste ist

Wie er seine Frau kennengelernt hat, da war er 18. Er mit den Bayern auf Fuerte Ventura. Sie war dort Kindermädchen. „Da hab ich sie mitgenommen.“ Sie wurde der „Grundstein für alles“, sagt er. Durch sie habe er gemerkt, „dass Fußball nicht die Nummer eins im Leben ist“, so wie er es von Kind an hat eingetrichtert bekommen. Sie wurde der Grund dafür, dass er auf die Frage, was das Wichtigste in seinem Leben ist, ganz klar sagt: „Familie.“

Es klingt fast ein wenig klischeehaft, dieses Beschwören der heilen kleinen Welt. Das, was man eben so sagt. Doch das Besondere ist, dass seine Frau und die mittlerweile drei Kinder ihm etwas geben, was er als Kind selbst massiv vermisst hat, ohne es zum Zeitpunkt gewusst zu haben.

Der Vater war ja zugleich der Trainer der Jungs. „Es wurde nur über Fußball geredet“, sagt Felix Kroos. „Es war bei uns nicht an der Tagesordnung, über Gefühle zu reden. Auch heutzutage ist das noch schwer.“ Auf einmal sind sie ganz ernst, die Brüder. „Ja“, sagt Toni Kroos, „im Nachhinein betrachtet, wäre es schön gewesen, mal über etwas anderes als über Fußball zu sprechen. Aber es ist damals gar nicht so aufgefallen, und dann haben wir den Moment wohl einfach verpasst.“

Die Kroos-Brüder sehen sich nur selten

Gefühle sind erst einmal die Sache von Felix. Als Toni Kroos mit 16 Jahren das Elternhaus Richtung FC Bayern verließ, war es für ihn ein extremer Einschnitt. „Es war sehr schwer“, sagt Felix. „Und es ist weiterhin sehr schwer.“

Die Brüder sitzen fast ein bisschen bedröppelt da. Erzählen, dass sie sich nur zwei, drei Mal im Jahr sehen. Anderen Brüdern würde das reichen oder zumindest nicht dazu führen, dass es wie eine Traumatisierung klingt. Aber für die beiden ist es ein Drama, auch dass sie durch die vielen Termine nicht an Geburtstagen von Oma, Opa oder anderen Anverwandten teilnehmen können.

„Fußball ist nicht so wichtig“

Seit Jahren würden sie sich sagen, dass nach den Karrieren alles anders wird, sagt Toni Kroos. Doch noch ist er auf dem Höhepunkt seiner Karriere. Sowas hört er so gern gar nicht. Sobald es den Anschein hat, dass Fußball eine zu dominante Rolle einnimmt, schwächt Toni Kroos ab: „Fußball ist nicht so wichtig, wie er manchmal angesehen wird, meine ich.“ Wenn das jetzt seine Oma gesagt hätte, gut – aber ein Megastar?

Kroos will sich nicht so präsentieren, vielleicht, weil er wirklich nicht so tickt wie die, die sich als Megastar mit einer Luxus-Aura umgeben. „Wenn ich nach Hause komme, ist es meinen Kindern egal, ob ich fünf zu Null gewonnen oder verloren habe.“

Wie es ist, mit einem Superstar verheiratet zu sein

Das ist wieder so ein Satz, der ein bisschen gestanzt wirkt. Erst, als Lanz den Einspieler aus dem Dokumentarfilm „Kroos“, der jetzt im Kino läuft, zeigt, wird es deutlich, wie sehr es stimmt: Nicht nur, weil man Toni Kroos mit seinen Kindern im Pool spielen sieht. Nein, es liegt vor allem an seiner Frau, die abseits von jeder Schönfärbereri deutlich macht, dass ein Zuhause für einen Superstar wie Kroos existenziell ist. „Es ist schwer, mit Toni rauszugehen“, sagt sie. Und in dem Moment wird klar, dass seine Familie nicht nur Kraftzentrum für ihn ist, sondern auch Schutz.

Das, was ihm als Kind gefehlt hat, ohne dass er es da wirklich bemerkt hat, holt er nun nach: Hat den Namen des Bruders auf seinem linken Arm tätowiert, dann die Namen der Kinder. Der Großvater spricht im Film mit einer gewissen Distanz von den „Stempeln“, also den Tattoos. Aber Familie hält das auch noch aus.

Es ist auf eine stille Weise berührend, wie diese Großeltern da im eingespielten Film über ihre Enkel reden. Über den Toni, der sich immer eher über die anderen amüsiert hat. Woher er denn dieses Talent eigentlich habe, fragt Lanz ihn. Da wird Kroos auch mal entschieden: „Talent braucht man. Aber nur mit Arbeit kannst Du es schaffen.“

Vom Versagen an der Bratpfanne

Arbeit! Dieses Wort ist – neben Familie – das Wort des Abends. Mit Arbeit hat er es geschafft. Er will das nicht weiter ausführen. Er mag nicht so gerne über Fußball reden, was schon verrückt ist. Ist doch schließlich sein Job. Gut, er sagt, er könne es eben. Besser als anderes. Zuhause „an der Bratpfanne“ zum Beispiel versage er.

Wann er gemerkt habe, dass er diese Gabe besitzt? Weiß er nicht so genau. Aber er weiß, dass er gut ist. Immer wieder verblüffend, dieses Selbstbewusstsein, das er hat - ganz ohne arrogant zu wirken. Ein Beispiel: Als er als junger Spieler bei den Bayern nicht aufgestellt

wurde, habe er nie an sich gezweifelt, sondern sich gesagt: „Ich bin viel besser als ihr denkt. Ich habe einfach gewusst, dass ich gut bin. Ich habe es mir immer wieder selbst gesagt.“

Er kann solche Situationen aushalten, wenn andere nicht erkennen, was in ihm steckt. Ja, er sei auf eine Weise cool. Lanz fragt ihn, wie cool er gewesen sei, bei der WM, als er den entscheidenden Freistoß gegen Schweden machen sollte. Vorher den Ball verloren, was zum 0:1 führte, dann die Freistoßmöglichkeit. „Was hast Du da gedacht?“ Toni Kroos: „Ich wusste, es ist spät im Spiel. Mir war klar, wenn das schief geht, bin ich der Sündenbock.“ Aber es ging nicht schief. Er machte das Tor.

Felix Kroos: „Das in dem Moment zu machen, das ist eben die Kunst.“ Er ist nervenstark, das haben schon Oma und Opa im Film gesagt. Selbst wenn er verschossen hätte, wäre er damit klar gekommen. „Meinem Sohn wäre es egal gewesen“, so Toni Kroos.

Was er aber schwer aushalten kann, ist, Abschied von seinen Kindern zu nehmen. Bald müsse er mit Real wieder für ein paar Wochen verreisen. Da kriegt er jetzt schon Beklemmungen. „Den Kindern Tschüss sagen, schon bei dem Gedanken geht’s mir schlecht.“

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