Kino

TV-Ermittler Timo Jacobs: Ein Cowboy für alle Fälle

Foto: imago stock / imago/APP-Photo

Berlin   Timo Jacobs („Der Kriminalist“) hat seinen zweiten Kinofilm als Regisseur gedreht. „Mann im Spagat“ ist seiner Mutter gewidmet.

Er verfügt über natürlichen Charme, wie es nur sehr wenigen vergönnt ist – das muss man ihm lassen. Ohne den wäre Timo Jacobs (42) vermutlich nie dahin gekommen, wo er heute ist. Heute, das ist der Tag, an dem der Schauspieler, der dem TV-Zuschauer aus der ZDF-Serie „Der Kriminalist“ als Ermittler bekannt sein dürfte, seinen zweiten Film in die Kinos bringt.

„Mann im Spagat“ heißt der Streifen, in dem sich für einen unabhängigen Film auffällig viele deutsche Bekanntheiten tummeln. Da wäre „Tatort“-Kommissarin Meret Becker in der Rolle der „Lenker-Gabi“. Clemens Schick als der Schrottplatzbesitzer „Tschicki McQueen“, Rolf Zacher, der als Alt-Dealer „Sweet Pepper“ „abgelaufenes Hasch“ vertickt, und Claude-Oliver Rudolph als der „Teufel vom Herrmannplatz“.

Nachbar von Olli Schulz und Friedrich Liechtenstein

Ferner noch Comedian Olli Schulz, die Band Bonaparte und der Werbestar aus dem Edeka-Kult-Spot, Friedrich Liechtenstein. „Die wohnen alle in meiner Nachbarschaft hier in Berlin-Kreuzberg“, erzählt Timo Jacobs. „Mit vielen habe ich auch gedreht, da habe ich sie am Set gefragt, ob sie in meinem Film sein möchten.“ Eine Bitte, die ihm kein Schauspieler abschlug.

Mit unerschütterlichem Ehrgeiz und Energie hat sich der Junge aus dem norddeutschen Itzehoe in wenigen Jahren zu einer ernst zu nehmenden Persönlichkeit des unabhängigen Films hochgearbeitet. Seinen Erstkontakt mit der Branche hatte er im Jahre 2003 auf St. Pauli in Form des Kult-Filmemachers Klaus Lemke (76).

Dieser drehte gerade in einem Club auf der Reeperbahn, in dem Jacobs als DJ auflegte. „Lemke sagte mir, ich sollte die Musik runterdrehen, obwohl die Leute tanzten. Da habe ich ihm gesagt, er soll erst einmal die Karos an seiner Jacke sortieren“, erzählt er. Klaus Lemke gefiel die Antwort, die er nicht gewohnt war. Er engagierte ihn schon am nächsten Tag für seinen Film „Drei Minuten Heroes“. Und drei weitere Filme folgten.

„Mann im Spagat“ widmete er seiner Mutter

Danach war Timo Jacobs bereit für die große weite Welt. Er zog von Hamburg nach Berlin, belegte Schauspielkurse, drehte gefühlt aus dem Stand heraus seinen ersten Film „Klappe Cowboy“. Darin spielt Jacobs den erfolglosen Jung-Regisseur namens Cowboy und nimmt sich dabei gehörig selbst auf die Schippe. Cowboy, das ist Jacobs Alter Ego. „Das bin ich unter den Umständen der Geschichte, die ich zu erzählen habe“, sagt er.

In seinem neuen Film „Mann im Spagat“ mit besagter Starbesetzung kehrt Cowboy jetzt zurück. Diesmal schlägt sich sein Charakter im vor Profilneurosen überhitzten Berlin mit sehr realen Problemen rum. Die pflegebedürftige Mutter des Helden muss in ein Heim. Die edle Residenz „Soho-Savoy-Ritz“ soll es werden. Und dafür muss Geld her, das Cowboy hauptsächlich mit seiner neuen Erfindung, seinem „Freischwinger-Wasser“, auftreiben will.

Inhalt ist autobiografisch

„Der Film ist eine Gesellschaftsgroteske“, sagt Timo Jacobs, „die Geschichte voller autobiografischer Elemente.“ Vor einigen Jahren holte der Regisseur seine Mutter nach Berlin in ein Heim, besuchte sie dort regelmäßig. „Von den Zuständen im Heim war ich oft überfordert und auch schockiert“, erinnert er sich. Bis seine Mutter im vergangenen Jahr an Multipler Sklerose starb, begleitete er sie. Ihr ist sein Film „Mann im Spagat“ gewidmet.

Vielleicht ist es die persönliche Note, die dieser 90-minütigen Abenteuerfahrt durch das hippe Berlin die Tiefe geben, nach der sich die deutsche Komödie oft sehnt. Vielleicht ist es auch Timo Jacobs Figur Cowboy, die unermüdlich mit nie enden wollender Euphorie und Angriffslust gegen die Tristesse des Alltags kämpft. Als ewiger Optimist formuliert Cowboy Sprüche wie „Kämpfer gehen gegen andere vor, Meister gegen sich selbst“.

Nächster Film bereits geplant

In Zukunft wird auch Timo Jacobs weiter sein eigener Meister bleiben. Er plant bereits den nächsten Film, in dem er einen Stand-up-Comedian namens Charlie Schwarzer spielen will. „Vielleicht wird es mal eine Liebesgeschichte“, sagt er und lächelt charmant.

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