Shell-Jugendstudie

Umweltverschmutzung bereitet Jugendlichen die größte Angst

Der Demonstrationszug von Fridays for Future zieht durch die Berliner Innenstadt. Ziel der Bewegung ist es, auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen, die laut der neusten Shell-Studie eine große Angst unter den Jugendlichen auslöst.

Der Demonstrationszug von Fridays for Future zieht durch die Berliner Innenstadt. Ziel der Bewegung ist es, auf klimapolitische Missstände aufmerksam zu machen, die laut der neusten Shell-Studie eine große Angst unter den Jugendlichen auslöst.

Foto: Fabian Sommer / dpa

Berlin.  Die neue Shell-Jugendstudie zeigt, welche Ängste junge Menschen umtreiben. Die Ergebnisse erklären den Erfolg von Fridays for Future.

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Kein Thema beschäftigt einer neuen Studie zufolge so vielen jungen Menschen in Deutschland wie die Verschmutzung der Umwelt. 71 Prozent der 12- bis 25-Jährigen gaben in einer Befragung an, das Thema mache ihnen Angst, so das Ergebnis der am Dienstag in Berlin veröffentlichten Shell-Jugendstudie.

Insgesamt blickt jedoch die Mehrheit der jungen Menschen positiv in die Zukunft. Besonders ihre Zufriedenheit mit der Demokratie und der Europäischen Union hat zugenommen. Nur acht Prozent der Jugendlichen äußerten sich über die Staatengemeinschaft negativ. Die anderen Befragten sehen Vorteile in der Freizügigkeit und kulturellen Vielfalt.

„Junge Menschen wissen, dass Entscheidungen von heute die Zukunft beeinflussen und sie wollen daran beteiligt sein“, sagt Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). „Die aktuelle Shell Jugendstudie zeigt, dass junge Menschen sich einbringen wollen und dass viele auf die Demokratie, eine offene Gesellschaft und ein geeintes Europa setzen. Dieses Vertrauen dürfen wir nicht verspielen. Es geht nur gemeinsam mit den Jugendlichen.“

Shell-Jugendstudie: Angst vor Terror noch vor Angst vor Klimawandel

In der vergangenen Studie aus dem Jahr 2015 hatte noch die Angst vor Terroranschlägen vorn gelegen. Dieses Thema ängstigt nach der jüngsten Befragung heute noch zwei Drittel der jungen Menschen. Die Angst vor dem Klimawandel landet auf Platz drei (65 Prozent). Ein ähnliches Bild ergibt sich europaweit: Umwelt und Migration – das sind die Sorgen junger Europäer.

Umweltängste hätten laut der Shell-Studie vor allem höher Gebildete geäußert. Auf der anderen Seite gaben Jugendliche aus niedrigeren Bildungsschichten häufiger an, Angst vor Zuwanderung zu haben. Die Debatten um Flucht- und Migration drehten sich in der Mehrheit jedoch eher um die gestiegene Angst vor Ausländerfeindlichkeiten und nur am Rande um Zuwanderung.

Bestimmte rechtspopulistische Äußerungen stoßen jedoch bei allen Jugendlichen auf Zustimmung. So sind sich zwei Drittel der Befragten einig, dass man nichts Negatives über Ausländer sagen darf, ohne selbst als Rassist zu gelten.

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Jugendliche legen Wert auf umweltbewusstes Leben und Familie

Auch bei der Frage nach Werten, die jungen Menschen wichtig sind, zeigt sich die Bedeutung von Umweltthemen: Die Autoren der Studie betonen, dass im Vergleich zum Jahr 2002 besonders der Wert umweltbewusstes Leben an Bedeutung gewonnen habe. Während 2002 noch 60 Prozent bewusster leben wollten, waren es 2019 schon 71 Prozent.

Wichtig sind den Jugendlichen zudem Freunde, eine vertrauensvolle Partnerschaft, ein familiärer Rückhalt und ein hoher Lebensstandard. Dazu gehört auch das Streben nach einem hohen Bildungsabschluss. Entsprechend ist das Abitur der mit Abstand am häufigsten angestrebte Schulabschluss. Die große Mehrheit der Jugendlichen ist außerdem immer noch Mitglied einer Religionsgemeinschaft.

Besonders der Islam und andere nicht-christliche Religionen hätten an Bedeutung gewonnen. Der Anteil der Konfessionslosen stagniert. Der Anteil der Jugendlichen, für die der Glaube an Gott tatsächlich wichtig ist, liegt mit fast einem Drittel allerdings deutlich niedriger und hat seit 2002 sogar leicht abgenommen.

Mehrheit der Jugendlichen ist mit der Demokratie in Deutschland zufrieden

Einen ähnlichen Bedeutungszuwachs hat demnach der Wert politisches Engagement erfahren. Waren es 2002 noch 22 Prozent, würden sich in diesem Jahr 34 Prozent als engagiert bezeichnet. Trotzdem bezeichnet sich weniger als die Hälfte der Befragten als politisch interessiert oder stark interessiert.

Fast vier von fünf Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Alter von 15 bis 25 Jahren sind zudem mit der Demokratie in Deutschland zufrieden. Besonders in Ostdeutschland habe sich die Zufriedenheit stark erhöht: Während sie 2015 noch bei gut 50 Prozent lag, stieg sie nun auf zwei Drittel.

„Bereits im Jahr 2015 hatten viele Jugendliche ein größeres Engagement für politische und gesellschaftliche Themen gezeigt. Dieses Engagement verstärken sie inzwischen durch ein zunehmendes Umwelt- und Klimabewusstsein“, sagt Studienleiter Mathias Albert von der Universität Bielefeld gegenüber ots. Die Botschaft der Jugend an ältere Generationen sei: „Wir bleiben zuversichtlich, aber hört auf uns, und achtet jetzt auf unsere Zukunft!“

Für die Shell-Jugendstudie werden seit 1953 alle drei bis fünf Jahre junge Menschen zu ihren Einstellungen befragt. Der Untertitel der diesjährigen Studie lautet: „Eine Generation meldet sich zu Wort“. Für die 18. Auflage wurden 2.572 Jugendlichen im Alter von 12 bis 25 Jahren mithilfe eines Fragebogen interviewt.

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(mir/dpa)

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