Sturmflut

Elf Tote bei Unwetter in Italien – Lage bleibt angespannt

Venedig/Rom/Bozen  In Italien haben heftige Unwetter für Überschwemmungen und Chaos gesorgt. Mehrere Menschen starben. Entspannung ist nicht in Sicht.

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Italien ist wie gelähmt: Heftige Unwetter haben weite Teile des Landes getroffen und mindestens elf Menschen das Leben gekostet. Tote gab es Medienberichten zufolge unter anderem im Umland von Rom und Neapel, in Südtirol, im Adria-Badeort Rimini und nahe den Dolomiten.

Der Flughafen von Genua musste vorübergehend geschlossen werden und konnte erst wieder am späten Dienstagnachmittag öffnen. Angespannt blieb die Lage vor allem weiterhin in den Regionen Venetien um die Lagunenstadt Venedig und in Trentino im Norden Italiens, wie der Zivilschutz mitteilte. In beiden Gebieten galt auch für Mittwoch die höchste Alarmstufe. In Südtirol besserte sich demnach die Wetterlage etwas.

Venedig stand unter Wasser

Der berühmte Markusdom in Venedig blieb nicht von dem schlimmsten Hochwasser seit zehn Jahren verschont, das die Lagunenstadt am Montag heimgesucht hatte. In dem Gotteshaus habe das Wasser 16 Stunden lang bis zu 90 Zentimeter hoch gestanden, zitierte die Nachrichtenagentur Ansa Verwaltungschef Carlo Alberto Tesserin am Dienstag. „An einem einzigen Tag ist die Basilika um 20 Jahre gealtert, und das ist noch eine optimistische Einschätzung“, sagte er demnach.

Bürgermeister Luigi Brugnaro teilte auf Twitter ein Video sowie Fotos von der dramatischen Situation.

Pizzeria in Venedig schließt nicht wegen dem bisschen Wasser

Auf Facebook sorgte ein Video aus einer Pizzeria für Erstaunen, die sich offensichtlich in Venedig befindet. Die Aufnahmen zeigen, wie das Wasser mehr als knöchelhoch in dem Restaurant steht.

Doch die Kellner und Köche denken gar nicht daran, den Betrieb einzustellen – auch die Gäste scheinen sich nur wenig durch die Umstände beeindrucken zu lassen. Und so wird mit Plastiktüten über den Schuhen Pizzen serviert und in Gummistiefeln gegessen.

Auch der Venedig-Marathon hatte am Sonntag stattgefunden, obwohl die Stadt bereits überschwemmt war.

In der Lagunenstadt war am Montag das Hochwasser auf 156 Zentimeter über dem Meeresspiegel gestiegen, 70 Prozent der Altstadt standen unter Wasser. Am Dienstag besserte sich die Lage dort etwas.

In Ligurien wurden alle Häfen geschlossen

Wegen der Unwetter hatten in der nordwestlichen Region Ligurien alle Häfen geschlossen werden müssen. Ankommende Schiffe sollten vor der Küste auf ein Ende des Sturmes warten, hatte Regionalpräsident Giovanni Toti am Montagabend in der Regionalhauptstadt Genua mitgeteilt.

Acht bis zehn Meter hohe Wellen brachen sich an der Küste der italienischen Riviera. Der berühmte Luxus-Badeort Portofino war am Dienstag von der Außenwelt abgeschnitten: Heftiger Sturm hatte die Zufahrtsstraße beschädigt. Zu den dort gestrandeten Menschen gehöre auch ein Sohn von Ex-Ministerpräsident Silvio Berlusconi, hieß es.

Unwetter in Italien – das Wichtigste in Kürze:

  • Weite Teile Italiens werden von Unwettern heimgesucht
  • Mehrere Menschen kamen ums Leben
  • Starke Regenfälle und Sturmböen sorgen für Überschwemmungen und schwere Schäden
  • Venedig ist überflutet

Im nördlich von Portofino gelegenen Küstenort Rapallo, rund 30 Kilometer südöstlich von Genua, hatte der Sturm Luxusjachten aus ihren Vertäuungen gerissen und ans Ufer gschleudert.

Fast 200 Jachten wurden durch die bis zu zehn Meter hohen Wellen zerstört, darunter auch die des Berlusconi-Sohnes Pier Silvio, meldete die Zeitung „Corrierre della Sera“. In ganz Ligurien waren 22.000 Haushalte ohne Strom.

Eine Google-Maps-Karte zeigt Orte, an denen der Sturm besonders wütete.

In Rom waren zahlreiche Bäume im Zentrum umgeknickt, Autos wurden zerquetscht, Straßen gesperrt. Das Kolosseum, der Palatin-Hügel und die Kaiserforen wurden für Besucher gesperrt.

Zu den bisher elf Toten gehören ein freiwilliger Feuerwehrmann, der in St. Martin in Thurn in Südtirol am Montagabend von einem Baum erschlagen wurde. In der Region Trentino kam eine Frau ums Leben, als ein Erdrutsch ihr Haus begrub. Ein Fischer wurde dort zudem tot auf einem See geborgen. Nahe dem Adria-Ort Rimini starb ein Kite-Surfer.

In Südtirol rief der Zivilschutz die höchste Alarmstufe Rot aus, das bedeute, dass ein „Katastrophenfall“ möglich sei. „Der Boden kann nur mehr wenig Wasser aufnehmen“, erklärte die Feuerwehr. Damit steige die Gefahr für weitere Erdrutsche. Auch die Flüsse dürften weiter anschwellen.

In Dimaro in der Provinz Trient trat ein Wildbach über die Ufer, 200 Menschen wurden in Sicherheit gebracht. Eine Sprecherin der Europäischen Kommission sprach Italien in Brüssel ihre Anteilnahme aus. Die EU sei „bereit, jede erdenkliche Unterstützung und Hilfe zu bieten“.

Brenner-Autobahn ist zeitweise dicht, ADAC warnt

Die Brenner-Autobahn war zeitweise gesperrt, wurde am Montagmorgen aber wieder geöffnet. Sie sei wieder in beiden Richtungen befahrbar, sagte ein Sprecher des Autobahnbetreibers. Der ADAC riet aber dazu, den Brennerpass aktuell großräumig zu umfahren, zum Beispiel über die Tauernautobahn (A10). Die Umfahrung hänge jedoch von Start und Ziel der Reise ab, erklärte ein ADAC-Sprecher.

Die wichtige Verkehrsachse war zwischen Brenner und Sterzing auf italienischer Seite gesperrt, nachdem am Sonntag nach einem Unwetter Erdmassen auf die Fahrbahn gerutscht waren. Mehrere Autos wurden erfasst und steckten fest, wie auf Videos der Feuerwehr zu sehen war. Laut lokalen Medien gab es einen Leichtverletzten. Auch die Zugstrecke wurde vorübergehend gesperrt.

Auch Kroatien ist betroffen. Der staatliche Wetterdienst erließ am Montagmorgen für die gesamte kroatische Küstenregion die höchste Warnstufe.

Die Autobahnen rund um die nördliche Hafenstadt Rijeka wurden nach Medienberichten wegen Starkregens vorerst für den Verkehr gesperrt. Wegen Sturms mit Orkanböen fielen zwischen Dubrovnik und Rijeka zahlreiche Fährverbindungen vom Festland zu den Inseln aus.

Meldungen zum Wetter gab es auch aus der Schweiz: Wegen starken Schneefalls waren mehrere Alpenpässe gesperrt. Darunter ist auch der Gotthardpass.

In Österreich sollten angesichts von Hochwasser und drohender weiterer Regenfälle die Schulen in Teilen Kärntens und in Osttirol am Dienstag geschlossen bleiben, so die Behörden. Sorgen bereitet auch der Sturm.

Forscher warnen vor Klimawandel

Zuletzt kam es rund ums Mittelmeer immer wieder zur heftigen Unwettern.

Forscher glauben: Der

macht Wetterkapriolen extremer. „Die Temperatur der Meeresoberflächen hat sich durch die globale Erwärmung verändert“, sagt Peter Hoffmann, Meteorologe am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK). „Im Mittelmeer weist sie in diesem Jahr fast wieder einen Rekord auf.“

Dadurch habe sich die Dynamik des Wetters verändert. „Es muss nicht unbedingt sein, dass die Häufigkeit von diesen Wetterextremen zunimmt, aber es ist wahrscheinlich, dass die Intensität zunimmt.“ Starke Regenfälle werden also extremer, die Gefahr von Überschwemmungen steigt.

(dpa/jha/ba)

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