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Keira Knightley: „Kein Heiliger wird in die Politik gehen“

Keira Knightley im Februar in London.

Keira Knightley im Februar in London.

Foto: Andrew Parsons / i-Images / imago/i Images

London.  Hollywoodstar Keira Knightley über ihren neuen Film „Official Secrets“, über Mut und darüber, warum sie nicht immer die Wahrheit sagt.

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Beim letzten Interview legte Keira Knightley (34) sehr viel Wert darauf, „ab jetzt nur noch in wichtigen und relevanten Filmen mitzuspielen“. Diesen Vorsatz hat sie mit dem Politthriller „Official Secrets“ (ab 21. November im Kino) auf hohem Niveau eingelöst.

Sie spielt die britische Whistleblowerin Katharine Gun, die 2003 – als Übersetzerin für den britischen Secret Intelligence Service – ein streng geheimes Dokument entdeckte, aus dem hervorging, dass der US-Geheimdienst NSA den britischen Geheimdienst dazu benutzte, einige Mitgliedstaaten des UN-Sicherheitsrats auszuspionieren.

Mrs. Knightley, sind Sie sehr mutig?

Keira Knightley: Schwierige Frage. Ich würde mich im Zweifelsfall fürs Überleben entscheiden. Jeder denkt ja von sich, dass er immer die Wahrheit sagt. Ich würde das vielleicht nicht immer tun. Ist das nicht gerade auch die Tragik der Menschheit? Zurzeit stehen die Menschen, die die Wahrheit sagen, jedenfalls nicht gerade sehr hoch im Kurs. Und trotzdem sage ich meinen Kindern, sie sollen immer die Wahrheit sagen. Und ich erzähle ihnen, dass das Gute immer das Böse besiegen wird. Wenn ich mir allerdings die Realität anschaue, in der wir alle leben, ist das eine ziemlich komplexe Angelegenheit.

Definieren Sie doch bitte einmal, was das ist: Mut.

Knightley: Wenn einem bewusst ist, dass man etwas sehr Wesentliches aufs Spiel setzt – und durchaus verlieren kann – und man es trotzdem tut. Katharine Gun wusste genau, was sie tat, und dass es für sie sehr ernste Konsequenzen haben könnte. Und sie tat es trotzdem – aus Gewissensgründen. Sie hat daran geglaubt, das Richtige zu tun. Und das finde ich sehr mutig.

War Ihnen die britische Whistleblowerin Katharine Gun ein Begriff?

Knightley: Bevor ich mich mit dem Film „Official Secrets“ beschäftigt habe, hatte ich absolut keine Ahnung, wer Katharine Gun ist – geschweige denn, was sie 2003 getan hat. Als die Invasion in Irak stattfand, war ich 18 Jahre alt und hielt mich durchaus für politisch interessiert. Die äußeren Umstände waren mir also durchaus bekannt, nicht aber, was sich hinter den Kulissen abspielte. Und auch nicht, welch wichtige Rolle Katharine Gun dabei spielte. Immerhin hat sie fast im Alleingang verhindern können, dass es zu der von den USA gewünschten UN-Resolution kam.

Sie haben Katharine Gun getroffen.

Knightley: Sie ist unglaublich nett. Ich habe sie ein paar Mal zur Vorbereitung des Films getroffen und sie hat mich dann auch noch mit ihrer Familie bei den Dreharbeiten besucht. Natürlich hatte ich jede Menge Fragen. Aber die meisten davon konnte sie mir – aus rechtlichen Gründen – nicht beantworten. Denn sie unterliegt immer noch dem offiziellen Geheimhaltungsabkommen. Wir haben uns also bei den Treffen mehr über ihre Gefühle unterhalten und über die Beweggründe, warum sie damals so gehandelt hat, wie sie es tat. Sie sagte mir ohne zu zögern, dass sie das wieder tun würde.

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Dass England die USA in diesem Krieg aktiv unterstützte, daran war Tony Blair nicht ganz unschuldig. Was halten Sie von Ihrem ehemaligen Premierminister?

Knightley: Ich komme aus einer Familie, die politisch ziemlich links eingestellt war, und ich erinnere mich noch sehr gut daran, als er zum Premierminister gewählt wurde. Da liefen die Leute – inklusive meiner Eltern – auf die Straße, um diesen Sieg lautstark zu feiern. Nach 17 Jahren Tory-Regierung gab es plötzlich eine wunderbare Aufbruchsstimmung. Da lag so viel Hoffnung in der Luft! Anfangs haben Tony Blair und die Labour-Partei ja auch sehr gute Arbeit geleistet. Doch dann kam 2003 die Tragödie mit dem Irak-Krieg. Danach waren wir alle brutal desillusioniert. Gerade weil Blair auch zu einem Hoffnungsträger stilisiert worden war. Es ist immer ein Problem, wenn man so einer vermeintlichen Lichtgestalt blind vertraut. Die Frage, die mich auch heute noch wirklich beschäftigt, ist: Wer war tatsächlich für diesen Völkermord verantwortlich? Irgendjemand muss doch endlich Verantwortung dafür übernehmen!

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Kennen Sie einen Politiker, der kein Narzisst, kein Egomane ist?

Knightley: Nein. Aber ich kenne keinen persönlich. Hoffentlich gibt es darunter auch welche, die ehrlich und integer sind. Das hoffe ich zumindest. Andererseits wird kein Heiliger jemals in die Politik gehen. Im Grunde genommen wählen wir doch Leute, die unser Zusammenleben in der Gesellschaft organisieren. Das ist ihr Job. Und dafür kriegt man selten die Besten. Ehrlich gesagt habe ich viel Verständnis für Politiker und für die Art und Weise, wie sie sich öffentlich äußern. Da wird doch oft jeder Satz zerpflückt und sinnentstellt…

Und was lernen wir aus diesem Film? Traue nie einer Regierung!

Knightley: Das wäre ja schlimm. Wie wär’s mit: Vertraue deiner Regierung – aber nie blind!

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