Was geschah wirklich im U-Boot?

Kopenhagen.   Aufregung spricht aus ihrer SMS, Vorfreude auf ihre neue Reportage – Kim Wall, eine engagierte junge Journalistin, hatte den Tüftler Peter Madsen auf seinem selbst geschweißten U-Boot im Hafen von Kopenhagen besucht, das größte, das je von einem Amateur gebaut wurde. „Ich lebe übrigens noch, aber wir gehen runter“, schrieb die Schwedin am Abend des 10. August an ihren Freund. „Ich liebe dich!!! Er hat Kaffee und Kekse mitgebracht.“ Es war die letzte Nachricht im Leben der 30-Jährigen.

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Aufregung spricht aus ihrer SMS, Vorfreude auf ihre neue Reportage – Kim Wall, eine engagierte junge Journalistin, hatte den Tüftler Peter Madsen auf seinem selbst geschweißten U-Boot im Hafen von Kopenhagen besucht, das größte, das je von einem Amateur gebaut wurde. „Ich lebe übrigens noch, aber wir gehen runter“, schrieb die Schwedin am Abend des 10. August an ihren Freund. „Ich liebe dich!!! Er hat Kaffee und Kekse mitgebracht.“ Es war die letzte Nachricht im Leben der 30-Jährigen.

Die SMS wird zum Auftakt des Prozesses gezeigt. Der Gerichtssaal 60 im Kopenhagener Amtsgericht ist am Donnerstagmorgen bis auf den letzten Platz gefüllt, als der Angeklagte Madsen, lange ein Nationalheld in Dänemark, Platz nimmt. Er soll die Journalistin noch am selben Abend auf seinem U-Boot ermordet haben. Mit einem vagen Lächeln sieht er sich im Raum um. Die Eltern der Verstorbenen betrachten ihn mit leeren Gesichtern. Dann erteilt die Richterin das Wort an Staatsanwalt Jakob Buch-Jepsen. Was aus Sicht der Staatsanwaltschaft während der Tauchfahrt auf dem U-Boot vor dem Hafen der dänischen Hauptstadt geschah, liest sich wie der düsterste Skandinavien-Krimi: Madsen, der exzen­trische Erfinder und Abenteurer, soll Kim Wall auf sein Boot eingeladen haben, um sie zu ermorden.

Darauf habe der 47-jährige Däne sich präzise vorbereitet und Säge, Messer und spitze Schraubenzieher mit an Bord genommen. Dann habe er die junge Frau gefesselt, gefoltert, sexuell missbraucht, auf sie eingestochen, sie schwer am Unterleib verletzt. Die Leiche habe er zerteilt und ins Meer geworfen.

U-Boot-Bauer Madsen leugnet die Tat

Aber warum? Bei der Frage nach dem Motiv bleibt auch die Staatsanwaltschaft ratlos. War es Sadismus? Die Tat eines Mannes, der keine Grenzen für sich gelten lässt, weder im Genie noch im Wahnsinn? Er sei „sexuell stark abweichend“, ist Buch-Jepsen sich sicher. Stunden vor Walls Tod hatte Madsen im Internet nach Qual-Videos gesucht. Sein Verhalten habe „narzisstische und psychopathische Züge“. Madsen, der verheiratet ist, aber offen promiskuitiv lebt, sei ein pathologischer Lügner mit „oberflächlichem Charme“. Der Staatsanwalt fordert lebenslängliche Haft mit anschließender Sicherheitsverwahrung.

Madsen bestreitet, Wall getötet zu haben. Er habe die Leiche tatsächlich zerstückelt und ins Meer geworfen, gibt er zu. Die junge Frau aber sei an Bord an Kohlenmonoxid erstickt. Alles andere seien falsche Anschuldigungen. „Für jemanden wie mich gibt es nichts Schlimmeres, als zu zweit auf See zu fahren und allein heimzukommen. Also die eigene Besatzung nicht heimzubringen.“ Er habe gar versucht, sie wiederzubeleben, behauptet er.

Technische Gutachter hielten es zwar für möglich, dass sich plötzlich Kohlenmonoxid gebildet habe. Doch zugleich hätte sich das U-Boot dann gewaltig aufgewärmt, was an der Leiche Spuren hinterlassen hätte. Dass er die Leiche entsorgt habe, sei eine Kurzschlussreaktion gewesen, so Madsen: „Ich dachte, dann kann ich einfach heim zu meiner Frau und unserer Katze.“

DNA-Spuren von Madsen fand man an Walls Leichnam nicht. Doch ihr Slip lag im U-Boot, außerdem Haarsträhnen. Woran die Journalistin letztlich starb, können die Rechtsmediziner nicht mehr sagen. Es gebe keinen Beweis dafür, dass Madsen sie vorsätzlich tötete, sagt seine Anwältin. Mit einem Urteilsspruch wird am 25. April gerechnet.

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