Unwetter

Tief "Ignatz": Wetterdienst warnt vor "kurzlebigen Tornados"

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Sturm Ignatz: In NRW knickte der Wind erste Bäume um. Weil manche auf Bahnstrecken fielen, kam es zu weitreichenden Störungen.

Sturm Ignatz: In NRW knickte der Wind erste Bäume um. Weil manche auf Bahnstrecken fielen, kam es zu weitreichenden Störungen.

Foto: Kay-Helge Hercher/dpa

Berlin.  Heute wird Tief Ignatz die Küste erreichen. Es bringt ordentlich Wind mit. In höher gelegenen Gebieten kann es zu Orkanböen kommen.

  • Es stürmt in Deutschland - Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hat eine Warnung ausgesprochen
  • Tief "Ignatz" wird wohl auch für orkanartige Böen in Gebirgslagen sorgen, auch "kurzlebige Tornados" sind möglich
  • Die Bahn stellt am Donnerstag den Fernverkehr in Nordrhein-Westfalen ein
  • Wo Sie mit Sturm und Unwettern in Deutschland rechnen müssen, lesen Sie hier

Der erste Herbststurm ist in Deutschland angekommen. Am Donnerstagmorgen sorgte das Tief "Ignatz" vor allem im Westen für heftige Böen und brachte Gewitter und Regen mit sich. Größere Schäden lagen dem Lagezentrum der Polizei in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag zwar nicht vor, eine Entwarnung will der Deutsche Wetterdienst (DWD) allerdings noch nicht aussprechen.

In Nordrhein-Westfalen sorgte der Sturm am Donnerstag für Einschränkungen im Regional- und Fernverkehr. Auf Twitter informierte die Deutsche Bahn über mehrere gesperrte Strecken. Vor allem Fernreisende aus NRW sind betroffen: Alle Fernverbindungen, die durch NRW führen, wurden eingestellt. Auch in Rheinland-Pfalz, Nordbaden und dem Saarland kommt es zu starken Einschränkungen im Bahnverkehr.

Größere Einsätze habe es bislang aber noch nicht gegeben: "Außer umgekippten Mülltonnen haben wir nichts", sagte ein Sprecher der Polizei Bielefeld der dpa. In Hessen verzeichnet die Polizei dagegen viele Einsätze, vor allem der Kreis Fulda ist betroffen. Schwere Schäden habe es auch hier nicht gegeben - verschiedene Sprecher der Polizei berichteten von umgestürzten Bäumen, herumfliegenden Sonnenschirmen und einem weggeflogenen Trampolin.

Sturm "Ignatz": Dramatische Szenen auf dem Brocken

Polizei und Nationalpark Harz warnten angesichts des Sturmes davor, Wälder in der Region zu betreten. Es bestehe Lebensgefahr durch abbrechende Äste und umstürzende Bäume. Diese Warnung sei insbesondere auch an Wanderer und Freizeitsportler gerichtet, sagte der Polizeisprecher. Zurzeit sind in Niedersachsen und Bremen Herbstferien. An der Nordseeküste werden kleinere Sturmfluten erwartet.

Am Mittwoch wollten einige Wanderer der Sturmwarnung trotzen und machten sich in den Harz auf – darunter auch Familien mit Kinderwagen. Wegen des starken Windes mussten sie teilweise hinter Steinen in Deckung gehen, es kam zu dramatischen Szenen.

Im niedersächsischen Delmenhorst wurde am Mittwochabend ein Mann von einem herabstürzenden Ast getroffen. Er sei dabei aber nur leicht verletzt worden, teilte die Polizei mit.

Tief "Ignatz": So könnte der Sturm Deutschland treffen

Am Donnerstag zieht "Ignatz" dann über ganz Deutschland - vor allem aber über der Mitte Deutschlands und an den Küsten wird es ungemütlich. Der DWD rechnet damit, dass der Sturm am Donnerstagmorgen Niedersachsen im Südwesten erreicht und dann weiter gen Osten zieht. Verbreitet müsse mit Sturmböen der Stärke 8 und 9 gerechnet werden - auch im Binnenland.

Vor allem an der Nordsee und westlich der Weser sind demnach einzelne Gewitter möglich, die Starkregen bringen können. Und sogar vor "kurzlebigen Tornados" warnt der DWD - diese können örtlich auftreten und starke Regenfälle mit sich bringen.

Auch über Berlin und Brandenburg soll am Donnerstag und Freitag der Sturm hinwegfegen. Bis zu 95 Kilometer pro Stunde könnten die Windgeschwindigkeiten nach den Angaben vom Donnerstagmorgen erreichen. Ausflüge in den Park sollten die Menschen in dieser Region wegen des Unwetters am Donnerstag besser nicht unternehmen. Der DWD warnte wegen "Ignatz" ausdrücklich vor der Gefahr herabstürzender Äste und empfahl, das Haus am besten nicht zu verlassen. Der Zoo und der Tierpark Berlin kündigten an, am Donnerstag nicht zu öffnen.

Im Laufe des Nachmittags lässt der Wind den DWD-Angaben zufolge von Westen her wieder nach. Nur im Norden bleibt es bis in den Freitag hinein stürmisch. Dazu regnet es am Freitag in der Nordhälfte und am Alpenrand - ansonsten kommt häufig die Sonne heraus.

Das Sturmzentrum wird wohl erst einmal im Südwesten liegen, doch auch flache Regionen in Mitteldeutschland dürften vom Herbststurm betroffen sein. In Gipfellagen sind sogar schwere Sturmböen, auf dem Brocken im Harz und im Erzgebirge werden Orkanböen mit über 120 km/h Geschwindigkeit erwartet.

Diese Wind-Geschwindigkeiten erwarten Wetterexperten in den einzelnen Regionen:

  • Flachland: Regenschauer und Sturmböen von 70 bis 90 km/h
  • Bergland: Sturmböen mit einer Geschwindigkeit von 90 bis 110 km/h
  • Gipfellagen: Orkanböen zwischen 120 und 150 km/h

Zum Wochenende: Weniger Wind, dafür mehr Regen

Am Freitag wird sich Tief "Ignatz" wieder beruhigen. Doch das Wetter bleibt ungemütlich. Viele Wolken bedecken den Himmel und gebietsweise regnet es. An den Küsten kann es zu kräftigen Schauer kommen, teils mit Graupel, Blitz und Donner. Die Temperaturen sinken ebenfalls. Die Höchstwerte liegen nur noch bei 6 bis 13 Grad. Der milde Herbst verabschiedet sich mit "Ignatz" also vorerst. (lgr/bml/te/dpa)

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