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Wie Heuchler mit dem Fall Mirco Geschäfte machen

Mirco wird seit 28 Tagen vermisst.

Mirco wird seit 28 Tagen vermisst.

Foto: WP

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Mönchengladbach. Die Anteilnahme für die Angehörigen des vermissten Mirco ist groß. Doch im Internet tummeln sich auch zahlreiche Heuchler. Sie wollen sich einfach produzieren oder nutzen den Vermissten-Fall gar, um eigene Geschäfte voranzutreiben.

Sie nennen sich nerojustin, ExtremeDion oder Basschaot. Sie firmieren im Internet unter IslamTube, IslamTheWayToAllah oder AllahVergebeMirAmin. Und sie haben alle eins gemeinsam: Sie beklagen das mögliche Verbrechen an Mirco S. aus Grefrath.

Vor 28 Tagen ist der elfjährige Junge auf dem Nachhauseweg spurlos verschwunden. Alle Suchaktionen der Polizei waren bisher ergebnislos. Selbst ein Aufruf von Mircos Eltern im Fernsehen, der sich an den oder die möglichen Täter wandte, blieb ohne Antwort.

Umso mehr nimmt die Zahl der freiwilligen „Helferinnen“ und „Helfer“ zu, die sich im Internet auf der YouTube-Plattform in das Geschehen einmischen. Unter anonymen Decknamen setzen sie Suchaufrufe nach Mirco oder Appelle an die Täter ins Netz.

Eine spektakuläre Geschichte

Warum diese Menschen sich berufen fühlen, die Arbeit der Polizei durch ihre Medienveröffentlichungen zu begleiten, kann nur spekuliert werden. „Das ist eine spektakuläre Geschichte“, meint Mönchengladbachs Polizei-Pressesprecher Willi Theveßen, „einige Leute wollen wirklich Anteil nehmen. Andere wollen sich selbst in der Öffentlichkeit wiederfinden.“

Doch damit nicht genug. Unter dem Deckmäntelchen des Mitleids gibt es weitere Einzelpersonen oder ganze Gruppe, die die öffentliche Aufregung um das Verschwinden des elfjährigen Jungen nutzen, um auf ihre eigene Sache aufmerksam zu machen oder sogar, um die eigenen Geschäfte voranzutreiben.

Da meldet sich zum Beispiel „Muslimtube“ unter verschiedenen User-Namen zu Wort. Ob „IslamInRegensburg“ oder „EinladungzumParadies“. Mehrere bärtige Männer sitzen vor der Kamera und beklagen, dass Mirco verschwunden ist. „Wir sind alle Familienväter“, stellen sie fest, „die Religion ist in so einem Fall sekundär. Wir wollen uns aber nicht einschleimen.“ Wenig später heißt es: „Wir rufen die Menschen zur wahren Religion auf“.

Das Mitleid und die Werbebanderole

Natürlich verbunden mit dem entsprechenden Hinweis auf die einschlägige Internetseite und einer unter dem Appell mitlaufenden Werbebanderole für verschiedene Bücher wie „Göttliche Lebenshilfe“ oder „Jenseits der Grenze“.

Noch dreister treibt es Denny Schönemann. Dieser wenig schöne Mann, der nach dem Abschied von Wolfgang Petry aus dem Show-Business als dessen Double durch die Welt tingelt, hat ein Lied für Mirco geschrieben.

„Ich musste meine Gefühle verarbeiten“, erklärt der Petry-Verschnitt in einem Interview. Und als er diesen Song seinen Freunden vorspielte hätten sie gesagt: „Die Leute müssen das hören. Die Leute müssen das sehen. Dazu musst Du ein Video drehen.“

Also ging Denny Schönemann in die St. Petri-Kirche von Bernburg und drehte dort mit einem Kinderchor die Mitleids-Schmonzette „Wir zünden eine Kerze an“. Zu sehen auf youtube unter „Das Lied für Mirco“.

„Ersparen Sie mir einen Kommentar“

Schriftlich hält der mitfühlende Denny Schönemann unter www.petryrevival.de fest: „Zur Anteilnahme des Verschwindens vom kleinen Mirco schrieb ich einen Song, der Hoffnung geben soll. Die Hoffnung auf ein glückliches Ende. Aufgrund der großen Nachfrage gibt es die CD dazu auf www.amazon.de.“

Polizeipressesprecher Willi Theveßen, der allen Bürgerinnen und Bürgern für ihre Mithilfe, ihre Hinweise und ihre aufmunternden Worte im Fall Mirco dankt, ist angesichts dieser Unverfrorenheit einfach sprachlos: „Ersparen Sie mir, dass ich dazu einen Kommentar abgebe.“

Ungeachtet des Geschehens im Internet, geht im realen Leben die Arbeit der Polizei weiter. Die 55-köpfige „Soko Mirco“ wird heute das Flüsschen Niers nochmals genauer nachsuchen. Polizeitaucher sollen neben den Uferböschungen speziell Wehre und so genannte Krautfänger überprüfen. Dazu werden auch Boote und Suchhunde eingesetzt.

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