Technologie

Wie Roboter künftig private Haushalte erobern werden

Pepper, der Roboter aus Japan, wurde als sozialer Gefährte im Alltag entwickelt. Er kann aber auch Aufgaben erledigen.

Pepper, der Roboter aus Japan, wurde als sozialer Gefährte im Alltag entwickelt. Er kann aber auch Aufgaben erledigen.

Foto: Getty Images / Bloomberg/Getty Images

Berlin  Forscher sind sicher: Roboter werden die Haushalte erobern – und den Alltag umkrempeln. Was Hilfe bringen soll, birgt auch Gefahren.

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„Schau mir in die Augen, bis ich dir dein Alter verrate“, sagt Pepper zu dem älteren Herrn. „70!“, ruft Pepper kurz darauf. Dem Herrn scheint die Einschätzung zu schmeicheln. Pepper ist ein Roboter, 1,20 groß. Er wirkt wie einem alten Science-Fiction-Film entsprungen, und er spricht auch so. Ins Seniorencafé in Netphen (Nordrhein-Westfalen) ist er gekommen, um mit den Gästen Musik zu spielen, Rätsel zu lösen, kurz, um sie zu unterhalten. Das gelingt, die Stimmung ist bestens.

Roboter, die Senioren aufmuntern – das ist jedoch erst der Anfang. An der Technischen Universität Toyohashi werden derzeit Roboter entwickelt, die handfeste Pflegeaufgaben übernehmen sollen. Aber warum nur den Seniorenhaushalt schmeißen, wenn die mobilen Maschinen uns alle lästigen Arbeiten abnehmen können?

Experten: In 15 Jahren werden Roboter den PC ersetzt haben

„Die Invasion der Roboter in die privaten Haushalte wird kommen“, sagt Zukunftsforscher Lars Thomsen, der weltweit Vorträge zum Thema Künstliche Intelligenz hält. In zehn bis 15 Jahren werde es so weit sein, dass der Roboter in den meisten Haushalten den PC ersetzt hat. „Die Preise könnten dann bis circa 10.000 Euro heruntergehen. Das klingt immer noch teuer, aber es ist preiswerter als ein Gebrauchtwagen.“

Den Menschen werde der Roboter das wert sein, denn: „Er befreit uns von lästigen Routinen.“ Tom Ederveen sieht die Roboter-Revolution sogar schon für 2022 voraus.

Soziale Roboter werden Alltag der Menschen umkrempeln

Sein Unternehmen RobotXperience im niederländischen Almere verleiht die mehr oder weniger menschlich aussehenden Maschinen – laut Website „attraktive Humanoide, die sich mit Ihnen anfreunden und als Moderator Ihrer Veranstaltung auftreten können“. So wie der frisch auf den Markt gekommene Jibo. Er soll bis zu 16 verschiedene Personen unterscheiden, Emotionen erkennen und entsprechend reagieren.

200 Roboter verleiht Everdeeen europaweit im Jahr, noch meist an Unternehmen. Doch er ist sich sicher: Soziale Roboter werden auch unseren privaten Alltag umkrempeln, und zwar mit einer Wucht wie einst Heimcomputer, später das Internet und zuletzt das Smartphone.

Roboter folgen dem Kindchenschema

Roboter, so sagt der IT-Fachmann, werden dabei die Rolle eines persönlichen Assistenten übernehmen, an Termine erinnern, E-Mails beantworten. Das zweite Tätigkeitsgebiet: der „smarte“, vernetzte Haushalt. Die Butler von morgen wie der gerade auf der Messe CES in Las Vegas vorgestellte CLOi räumen die Waschmaschine aus, füllen den Kühlschrank.

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Nützlich sind sie, aber eben auch sozial. Everdeen: „Die Roboter werden kommunizieren, dabei Muster erkennen, lernen und sich an ihre Besitzer anpassen.“ Zudem folgen viele mit ihrem überproportionalen Kopf und den bambiartigen Kameraaugen dem Kindchenschema.

Wer Gefühle auslöst, gewinnt an Macht

Eine emotionale Beziehung zu einem Roboter – ist das möglich? Durchaus, sagt Roboterforscherin Astrid Rosenthal-von der Pütten von der Uni Duisburg. Ihr Team fand heraus: Wird ein niedlich aussehender Roboter gequält, lassen sich bei den Zuschauern körperliche Mitleid-Reaktionen feststellen.

Genau darin liegt die Gefahr: Wer Gefühle auslöst, gewinnt an Macht. Jeder, der sich schon einmal von seinem Hund oder seiner Katze manipuliert fühlte, kann das bestätigen. Im Unterschied zu Tieren aber ist die Maschine potenziell unendlich lernfähig und intelligent.

Menschliche Entfremdung durch Sexroboter?

Auch vor dem Privatesten machen Roboter nicht Halt: Die Firma True Companion entwickelte bereits die Sexroboter „Roxxxy“ und „Rocky“. Jeder fünfte Deutsche, ermittelte das Fraunhofer-Institut, würde Maschinensex probieren. Für Kathleen Richardson, Forscherin für Roboter-Ethik in Leicester, eine bedrohliche Vorstellung: Sie rief eine „Kampagne gegen Sexroboter“ aus, warnt vor einer Entfremdung der Menschen voneinander.

Ganz sicher werden Roboter ihre Schöpfer verändern. „Technik wird immer mehr als Teil des Ichs empfunden. Die Grenzen zwischen Mensch und Maschine verschmelzen“, sagt Experte Thomsen.

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