Kommentar

Warum Naidoos Abkehr von der Hetze nicht glaubwürdig ist

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Xavier Naidoo: Kehrtwende nach Verschwörungsmythen?

Xavier Naidoo: Kehrtwende nach Verschwörungsmythen?

Sänger Xavier Naidoo verbreitete in den letzten Jahren vermehrt Verschwörungsmythen. Auch seine antisemitischen Aussagen führten zu heftiger Kritik. Jetzt veröffentlicht er ein Video, in dem zugibt, sich "verrannt zu haben."

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Berlin.  Der Sänger gibt sich nach Jahren der Hetze geläutert. Doch die Radikalisierung lässt sich nicht in einem kurzen Video abschütteln.

Xavier Naidoo war ganz oben, schrieb einen Song, den die deutschen Fußballer vom „Sommermärchen“ 2006 zu ihrer ganz persönlichen Hymne machten. Und Hunderttausende johlten mit dem Popstar mit. „Dieser Weg“, hieß das Lied.

Xavier Naidoo ist seinen Weg gegangen. Schon lange, viele Jahre. Und er hat sich dabei radikalisiert, hetzte mit üblen Verschwörungsideologien, verbreitete ein antisemitisches Weltbild. Xavier Naidoo ist Extremist.

Nur will er sich angeblich lossagen von seinem Weg. Ein kurzes, ein paar Minuten langes Video, das der Musiker veröffentlicht, soll seine Abkehr von dem rechtsextremen Spektrum belegen. Er habe „Dinge getan“, die er heute bereue. Er habe sich „instrumentalisieren lassen“. Naidoo wolle sich „ohne Wenn und Aber“ von rechtsextremen Gruppen „lossagen“.

Naidoo verbreitete viele Jahre lang radikale Parolen über seine Social-Media-Kanäle

Es ist gut und richtig, wenn sich Menschen aus extremistischen Gruppen lösen. Doch Naidoos inszeniertes Video wirkt nicht glaubwürdig. Distanzierung ist wie der Weg in die Hetze mühsam, mit Widersprüchen und inneren Kämpfen verbunden.

Naidoo aber wirkt wenig bewegt in seiner Distanzierung. Sein Video scheint eher der Versuch, wieder anzudocken an die Mehrheitsgesellschaft, in der er einst so erfolgreiche Shows hatte. Zuletzt aber hatten selbst die letzten Eventmanager gemerkt, dass Naidoo mit seiner kein Popstar mehr ist. Sondern wie ein gefährlicher Ideologe.

Radikalisierung: Naidoo muss Akteure der Szene klar benennen

Glaubwürdig wäre es, würde Naidoo sich nicht mit Platituden vom rechten Milieu und der Corona-Leugner-Szene lossagen – sondern: Naidoo muss Strukturen der Szenen klar benennen, Akteure entlarven, mit denen er Verschwörungsmythen verbreitet hat. Naidoo wurde nicht instrumentalisiert.

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Das klingt viel zu hilflos, viel zu sehr danach, dass er Verantwortung abschiebt. Naidoo aber hat selbst den Weg in diese Szenen gewählt, war einer ihrer führenden Figuren, wurde zum Gesicht von Querdenkern und Corona-Leugnern. Eine jahrelange Radikalisierung kann Naidoo nicht mit einem kurzen Video-Clip einfach abschütteln.

Dieser Artikel erschien zuerst auf morgenpost.de.

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