US-Präsident

Abrechnung mit Medien – Trump liegen die Nerven blank

US-Präsident Donald Trump bei seiner Pressekonferenz im East Room des Weißen Hauses.

Foto: Pablo Martinez Monsivais / dpa

US-Präsident Donald Trump bei seiner Pressekonferenz im East Room des Weißen Hauses. Foto: Pablo Martinez Monsivais / dpa

Washington  Der US-Präsident startet eine beispiellose Attacke gegen Medien und Kritiker. Trump: „Regierung läuft wie eine gut geölte Maschine.“

Selbst seit Jahrzehnten im Washingtoner Politik-Getriebe tätige Maschinisten wie CNN-Senior Wolf Blitzer benötigten Donnerstagmittag einige Minuten, um wieder Fassung zu erlangen: Donald Trump hatte nach 77 Minuten im Weißen Haus eine Pressekonferenz beendet, die „in die Geschichtsbücher eingehen wird“, wie es kurz danach in US-Medien hieß.

Was als Plattform gedacht war, um einen Ersatz-Kandidaten für den Posten des Arbeitsministers zu verkünden (die erste Wahl, Andrew Puzder, war Trump mangels Erfolgsaussichten bei der Bestätigung im Senat kurzfristig stiften gegangen), geriet zu einem Rundumschlag des Präsidenten gegen die „unehrlichen Medien“, die Demokraten, „die nur Verzögerung können“ und alle jene kritischen Stimmen in den USA, die vier Wochen nach Amtsantritt des New Yorker Geschäftsmanns unzufrieden bis tief enttäuscht sind.

Trump verstrickte sich in Widersprüche

Trumps argumentatives Basislager: „Ich habe ein totales Fiasko geerbt. Zu Hause. Wie im Ausland.“ Arbeitsplätze, Militär, Infrastruktur, Finanzen, der Nahe Osten – überall „nur Desaster“. Trotzdem würdige man nicht seine Anstrengungen. Mehrfach überschlug sich Trumps Stimme. Er wirkte fahrig, verstrickte sich in Widersprüche („Ich habe nichts gegen negative Geschichten, ich kann das besser handhaben als jeder andere“). Streckenweise schien der Präsident kurz vor einem Wutausbruch zu stehen.

Ausführlich nahm sich Trump, und zwar bis in persönliche Beleidigungen einzelner Zeitungen, Sender und Journalisten, die Medien vor. Sie seien es, die jeden Tag die Wahrheit verdrehten. CNN warf er sogar „Wut“ und „Hass“ gegen ihn vor. Dagegen seien die Leute des konservativen Senders „Fox News“ prima – „ehrliche Leute“.

„Diese Regierung läuft wie eine gut geölte Maschine“

Alle Berichte über Verbindungen seiner Wahlkampagne und seiner engsten Zirkel zu Russland seien „Fake News“, also erfunden. Er selber habe mit Russland gar nichts zu tun. „Ich habe da keinen Besitz, keine Darlehen, keine Geschäfte.“ Mit Putin und dessen Leuten will er „nie“ gesprochen haben.

Dass er seinen Sicherheitsberater Michael Flynn rauswarf , eben wegen einer dubiosen Russland-Connection, wollte Trump nur im Licht eines internen Kommunikationsfehlers verstanden wissen. Zur Erinnerung: Flynn hatte Vizepräsident Mike Pence über den Inhalt von Telefonaten mit dem russische US-Botschafter belogen. Für Trump eher eine lässliche Sünde. Hätte der ehemalige General nicht selbsttätig mit Moskau telefoniert, so Trump, „dann hätte ich ihn angewiesen“.

Dass es im Weißen Haus Machtkämpfe und Intrigen gibt – seit Tagen werden die Anzeichen gut dokumentiert – ist laut Trump ebenfalls eine Medien-Erfindung. „Diese Regierung läuft wie eine gut geölte Maschine.“ Einziges Problem: Die Demokraten würden ihm Knüppel zwischen die Beine werfen. Sie seien der Grund, „warum ich noch kein vollzähliges Kabinett habe“.

Impeachment: So kann man Trump aus dem Amt kicken

Kaum im Amt, wollen vielen Menschen Trump schon jetzt loswerden. Doch wie setzt man einen Präsidenten ab? Die US-Verfassung bietet tatsächlich zwei Möglichkeiten dafür. Wir erklären, wie eine Amtsenthebung funktionieren könnte.
Impeachment: So kann man Trump aus dem Amt kicken

Trump kündigt neuen Erlass zum Einreise-Verbot an

In Trumps Welt war die Einführung des von vielen Ungereimtheiten begleiteten Einreise-Verbots für Ausländer aus sieben vorwiegend muslimischen Ländern kein Fehltritt – sondern „sehr geschmeidig“. Bis eine „falsche Gerichtsentscheidung“ kam . Aber kein Problem: „Wir werden den Erlass neu zuschneiden und kriegen am Ende mehr durch als vorher.“ Nächste Woche soll der neue Erlass kommen.

Beim Frage-Antwort-Spiel legte der Präsident, der in fast allen relevanten Umfragen historisch schlechte Zustimmungswerte verbucht, noch eine Schüppe drauf. Die meisten Journalisten arbeiteten nicht „im Interesse des amerikanischen Volkes“. Die Medien seien „völlig außer Kontrolle“. Wäre es anders, müssten sie anerkennen, dass in der amerikanischen Geschichte noch nie eine Regierung „in so kurzer Zeit so viel bewegt hat“.

Trump wirft Medien indirekt Landesverrat vor

Indirekt warf er der vierten Gewalt Landesverrat vor. Allein die Berichterstattung über die „erlogene“ Russland-Verbindung werde dazu führen, dass er mit Putin wahrscheinlichen keinen „Deal“ hinbekommen werde. Trump gab den Medien einen Rat: Berichtet positiv, dann werde ich euer größter Fan.

Jenen, die die Medien mit kompromittierenden Regierungsinterna versorgen („Leaks“), drohte Trump mit Verfolgung. „Das sind kriminelle Akte. Wir werden hart dagegen vorgehen.“

Seite
Auch interessant
Leserkommentare (16) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik