Studie

AfD-Erfolg zeigt neue Konfliktlinien der Demokratie

Die AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland und Alice Weidel mit ihren neugewählten stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD Bundestagsfraktion, Tino Chrupalla, Beatrix von Storch, Roland Hartwig, Leif-Erik Holm und Peter Felser (v.l.).

Foto: Michael Kappeler / dpa

Die AfD-Fraktionsvorsitzenden Alexander Gauland und Alice Weidel mit ihren neugewählten stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der AfD Bundestagsfraktion, Tino Chrupalla, Beatrix von Storch, Roland Hartwig, Leif-Erik Holm und Peter Felser (v.l.). Foto: Michael Kappeler / dpa

Berlin/Gütersloh  Bei der Bundestagswahl schnitt die AfD besonders gut ab. Für die Demokratie ergeben sich laut einer Studie dadurch neue Konfliktlinien.

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Das Bundestagswahlergebnis 2017 hat einer Studie zufolge eine neue gesellschaftliche Konfliktlinie zutage gefördert. Statt der herkömmlichen Links-Rechts-Kategorien gebe es in Deutschland eine „neue Konfliktlinie der Demokratie zwischen Modernisierungsskeptikern und Modernisierungsbefürwortern“, heißt es in einer am Freitag veröffentlichten Studie der Bertelsmann-Stiftung. Zugleich sei durch die gestiegene Wahlbeteiligung die soziale Spreizung der Wählerschaft besser repräsentiert.

Für die repräsentative Studie mit dem Titel „Populäre Wahlen – Mobilisierung und Gegenmobilisierung der sozialen Milieus bei der Bundestagswahl 2017“ befragte das Institut YouGov im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung nach der Wahl 10.000 Bundesbürger. Zudem basiert die Studie auf Wahlkreisdaten von infratest dimap.

AfD-Wahlerfolg nicht vorrangig ostdeutsches Phänomen

Studienautor Robert Vehrkamp betonte, dass insbesondere der Wahlerfolg der AfD nicht vorrangig als ostdeutsches Phänomen interpretiert werden dürfe. Statt einer regionalen Spaltung gebe es eine neue Konfliktlinie zwischen verschiedenen sozialen Milieus, begründete der Leiter des Programms „Zukunft der Demokratie“ der Bertelsmann-Stiftung und Gastwissenschaftler am Wissenschaftszentrum Berlin (WZB).

Auch bisherige Links-Rechts-Zuschreibungen hätten für die Erklärung des Wahlverhaltens und für das Parteienspektrum ausgedient. Die neue Spaltung der Wählerschaft in Modernisierungsskeptiker und -befürworter könne auch in Zukunft die politischen Auseinandersetzungen und Wahlergebnisse prägen, sagte Vehrkamp. Ähnliche Entwicklungen gebe es etwa in Frankreich, Österreich, den Niederlanden und den USA.

AfD-Wähler oft aus modernisierungsskeptischen Milieus

In der Bertelsmann-Studie wurde den Angaben zufolge erstmals das Wahlverhalten von sozialen Milieus bei einer Bundestagswahl analysiert. Die sogenannten zehn Sinus-Milieus werden von Forschern zunehmend für die Erklärung gesellschaftlicher Entwicklungen genutzt, weil sozialökonomische Faktoren wie Einkommen und Bildung nicht mehr ausreichend seien. Hinzu kommen nun auch Werteorientierungen. Unterteilt wird die Wählerschaft danach in gesellschaftliche Gruppen wie etwa „Prekäres Milieu“, „Traditionelles Milieu“, „Bürgerliche Mitte“, „Liberal-Intellektuelles Milieu“ oder „Milieu der Performer“.

In modernisierungsskeptischen Milieus identifizieren sich der Studie zufolge die Menschen mit Begriffen wie „Tradition“ oder „Besitzstandswahrung“. Für modernisierungsoffene Milieus seien dagegen „Grenzüberwindungen“ und „Beschleunigung“ prägende Begriffe. Knapp zwei Drittel aller AfD-Wähler (65 Prozent) kämen aus Milieus, die eher modernisierungsskeptisch sind. Dabei habe die AfD im Parteienspektrum ein Alleinstellungsmerkmal, sagte Vehrkamp.

Wieder mit Lebensrealität der Wähler befassen

Zugleich habe die AfD wie keine andere Partei vor allem sozial prekäre Nichtwähler mobilisieren können. Durch diesen „AfD-Effekt“ sei die soziale Spaltung der Wählerschaft 2017 zum ersten Mal seit 1998 wieder spürbar gesunken. Zudem betonte Vehrkamp, dass sich etablierte Parteien künftig „wieder stärker mit der Lebensrealität der Wähler in verschiedenen sozialen Milieus“ befassen müssten. (epd)

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