Bundeskanzlerin

Beerdigung von Herlind Kasner – Mutter von Merkel beigesetzt

Herlind Kasner, die Mutter von Angela Merkel, zusammen mit Regierungssprecher Steffen Seibert. Sie starb Anfang April.

Herlind Kasner, die Mutter von Angela Merkel, zusammen mit Regierungssprecher Steffen Seibert. Sie starb Anfang April.

Foto: Annegret Hilse / SVEN SIMON / ddp images/Sven Simon

Berlin  Die Mutter von Angela Merkel ist am 6. April mit 90 Jahren gestorben. Sie wurde am Donnerstag in ihrer Heimatstadt Templin beigesetzt.

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Anfang April starb die Mutter von Angela Merkel. Herlind Kasner wurde 90 Jahre alt. An diesem Donnerstag wurde sie in ihrer Heimatstadt Templin in Nordbrandenburg beigesetzt.

Im Altarraum der Maria-Magdalenen-Kirche stand ein schlichter heller Holzsarg, geschmückt nur mit einem Frühlingsstrauß aus lilafarbenen Blüten und Schleierkraut. Ein Foto auf einer Staffelei zeigte Kasner mit dem Anflug eines verschmitzten Lächelns und fröhlichen Augen.

Viele der Trauergäste gingen zunächst zu dem Sarg, verharrten kurz und verneigten sich dann in stillem Gedenken. Etwa zwei Dutzend langstielige gelbe und weiße Rosen wurden niedergelegt. Manch einer verabschiedete sich mit einer zarten Berührung des Holzes.

Herlind Kasner begleitete Tochter Angela Merkel oft

Meist waren es ältere Menschen, die gekommen waren. Der Kirchenraum füllte sich fast bis auf den letzten Platz. Langjährige Weggefährten, Freunde, aber auch Templiner Bürger wollten die bekannte Einwohnerin der Stadt ein Stück auf dem letzten Weg begleiten.

Die sichtlich bewegte Angela Merkel, ihr Ehemann Joachim Sauer und ihre Geschwister Marcus und Irene sowie weitere Familienangehörige und engste Vertraute kamen abgeschirmt durch einen Nebeneingang hinein. Sie betraten als letzte den nahezu voll besetzten Kirchenraum und nahmen in der ersten Reihe Platz.

Die „Superillu“ hatte zuerst über den Tod von Herlind Kasner berichtet, Regierungssprecher Steffen Seibert bestätigte den Todesfall später gegenüber der „Bild“-Zeitung. Zugleich bat er, die Privatsphäre der Bundeskanzlerin und ihrer Familie zu achten.

Merkel erhielt Ehrenbürgerwürde

Das Ehepaar Kastner lebte jeweils bis zum Tod in Templin in Brandenburg, wo auch Angela Merkel immer wieder zu Gast war. Im Februar war Kasner an der Seite von Angela Merkel zum Jahresempfang der Stadt Templin erschienen. Angela Merkel erhielt in diesem Rahmen die Ehrenbürgerwürde des Ortes.

In Berlin ist bekannt, dass die Kanzlerin ein sehr enges Verhältnis zu ihrer Mutter pflegte. Auch als ihre Tochter Angela am 14. März 2018 zum vierten Mal zur Kanzlerin gewählt wurde, saß Herlind Kasner auf der Besuchertribüne des Bundestages.

Familie bittet um Spenden für Kirchen-Förderverein

In der Maria-Magdalenen-Kirche wurde Merkel auch konfirmiert, 2011 nahm sie dort Abschied von ihrem Vater. Zum 500. Jahrestag der Reformation 2017 trat Merkel vor die Kanzel und redete über die Bedeutung, Christ und Politiker zu sein.

Die Familie hatte im Vorfeld gebeten, auf Blumen und Kränze in Gedenken an die Verstorbene zu verzichten. Stattdessen wurden um Spenden für den Förderverein „Kirchlein im Grünen“ in Alt Placht vor den Toren Templins gebeten. Merkels Vater hatte sich für den Wiederaufbau des Bauwerks inmitten alter Bäume eingesetzt.

Herlind Kasner – Das Wichtigste zu Angela Merkels Mutter:

• Helind Kasner wurde 1928 geboren

• Im 1954 wurde Tochter Angela Kasner – später Angela Merkel – geboren

• Kasner war Latein- und Englischlehrerin

• Zeitweise war sie in der SPD aktiv

• Sie starb am 6. April im Alter von 90 Jahren

Herlind Kasner war bis ins hohe Alter als Englischlehrerin aktiv

Herlind Kasner wurde am 8. Juni 1928 in Danzig geboren.

Im Jahr 1954 war die Familie Kasner – inklusive der neugeborenen Tochter Angela – von Hamburg in die DDR übergesiedelt. Im Jahr 1957 baute Horst Kasner in Templin ein Pastoralkolleg auf. Im gleichen Jahr wurde Marcus, das zweite Kind von Horst und Herlind Kasner geboren. Im August 1964 kam mit Irene Kasner das dritte Kind der Familie zur Welt.

Die Biografie von Herlind und Horst Kasner hatten auch großen Einfluss auf ihre Tochter Angela:

Herlind Kasner wurde eine Arbeit im Schuldienst der DDR untersagt – wohl auch wegen der Tätigkeit ihres Mannes als Pfarrer und der West-Orientierung des Pastoralkollegs. Kasner war Latein- und Englischlehrerin.

Die Bildung blieb aber immer das Thema Kasners. Bis ins hohe Alter unterrichtete sie an der Volkshochschule Englisch.

Bis ins hohe Alter war Kasner in der Weiterbildung tätig - die frühere Englisch und Latein-Lehrerin unterrichtete an der Volkshochschule Templin Englisch. Im Alter von 80 Jahren wurde sie von der damaligen Volkshochschul-Präsidentin Rita Süssmuth als „Vorbild der Weiterbildung 2008“ geehrt. Der Hintergrund: Seit 34 Jahren hatte sie damals Fremdsprachen in Templin unterrichtet – Kasner war bundesweit eine der wenigen, die in diesem Alter noch ein so großes Pensum bewältigten.

Nach der Wende war Herlind Kasner für kurze Zeit in der SPD aktiv, berichtete im Jahr 2008 jedoch, länger schon nicht mehr Mitglied zu sein. Auf dem

dennoch bis zuletzt zu sehen – ander Seite ihre Tochter. (ac/dpa)

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