Kommentar

Annexion: Putins rücksichtsloser Weg zur alten Sowjetmacht

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Russland will vier ukrainische Regionen am Freitag annektieren

Russland will vier ukrainische Regionen am Freitag annektieren

Russlands Staatschef Wladimir Putin will am Freitag die Annexion der vier russisch kontrollierten Gebiete in der Ukraine bei einer Zeremonie im Kreml formell vollziehen.

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Berlin.  Mit Schein-Referenden und Annexion von Teilen der Ukraine setzt Russland die Eskalation fort – und ignoriert das Grundrecht der Völker.

Es gibt ein Sprichwort: Geschichte ist nicht das, was passiert ist. Geschichte ist das, was man über die Vergangenheit erzählt. Wladimir Putin will die Geschichte der Ukraine neu schreiben. Er nutzt dabei nicht nur einen brutalen Angriffskrieg. Russlands Präsident lässt Schein-Referenden im Osten und Süden der Ukraine durchführen, er hat die Gebiete annektiert und zu russischem Staatsgebiet erklärt.

Wladimir Putin will die Ukraine am liebsten von der Landkarte tilgen. Er hat daraus nie einen großen Hehl gemacht. Die Annexion mehrerer Provinzen ist ein erster Schritt, weitere werden folgen. Der Herrscher lehnt sich nicht zurück. Putin hat eine gefährliche Mission.

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Und die Kreml-Führung in Moskau beruft sich dabei auf ein krudes Geschichtsverständnis. Mit Propaganda und Verklärung der Vergangenheit hat Putin der Ukraine in mehreren Reden das Existenzrecht abgesprochen. Er beruft sich dabei auf weit zurückliegende Zeiten, in denen das Zarenreich einen Teil der heutigen Ukraine kontrollierte.

Er beruft sich auf Besetzungen des Landes in den ersten Jahren der Sowjetzeit. Die Ukraine sei eigentlich russisch, meint Putin. Ihr Territorium nur ein Geschenk Stalins, Lenins, Chruschtschows.

Annexion durch Russland: Die Geschichte der Ukraine ist blutig, oft war das Land besetzt

Diese Erzählung ist Kern der Putin-Propaganda. Die historische Logik ist ungefähr so blutig, als würde die Bundesrepublik Teile Polen zu eigentlich deutschem Staatsgebiet erklären. Schließlich war es mal von deutschen Soldaten besetzt. Irgendwelche kulturellen Wurzeln ließen sich auch noch dazudichten.

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Putins Krieg in der Ukraine basiert auf einer Konstruktion: Mit aller Macht will er Vergangenes wiederbeleben – das alte Sowjetreich. Die alte Macht. Die Auswirkungen dieser Ideologie bekommt die Ukraine am stärksten zu spüren. Aber auch das Baltikum trifft es seit Jahren. Staaten wie Georgien, Serbien und Armenien gehören zu Putins Machtsphäre.

Die Geschichte der Ukraine ist von Gewalt getränkt, oft war das Land besetzt. Von den Osmanen, der Zarin, der Wehrmacht. Heute aber ist die Ukraine ein souveräner Staat. Die Grenzen sind international anerkannt. Und das Land hat ein Recht gegen Schein-Referenden und Annexion anzukämpfen – auch mit Waffen aus Deutschland.

Dieser Artikel erschien zuerst bei morgenpost.de.

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