Islam

Auspeitschen und Steinigung – Brunei führt Scharia ein

Bruneis Sultan Hassanal Bolkiah bei der offiziellen Zeremonie zur Einführung der Scharia.

Bruneis Sultan Hassanal Bolkiah bei der offiziellen Zeremonie zur Einführung der Scharia.

Foto: AFP

Bandar Seri Begawan.  Das Sultanat Brunei in Südostasien will von Mai an das Strafrecht nach islamischer Rechtslehre, die Scharia, einsetzen. Das verkündete Sultan Hassanal Bolkiah am Mittwoch in Bandar Seri Begawan. UN-Menschenrechtler befürchten, dass vor allem Frauen den drakonischen Strafen zum Opfer fallen werden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Als erster ostasiatischer Staat führt das Sultanat Brunei von diesem Donnerstag an das islamische Strafrecht schrittweise ein. Das kündigte Sultan Hassanal Bolkiah laut der Zeitung „Brunei Times“ am Mittwoch an. Nach der endgültigen Umsetzung der Scharia sollen unter anderem außereheliche sexuelle Beziehungen von Muslimen, Ehebruch, Schmähung des Korans und öffentlicher Abfall vom Islam mit Auspeitschen oder durch Tod bestraft werden.

Die jetzige erste Phase der Strafrechtsreform sieht laut „Brunei Times“ vor, dass allgemeine Verstöße wie die Nichtbeachtung des Fastenmonats Ramadan oder die Nichtteilnahme am Freitagsgebet mit Geld- oder Haftstrafen geahndet werden. Körperliche Strafen wie Auspeitschen und Amputation von Gliedmaßen würden in einem zweiten Schritt eingeführt, die Todesstrafe in einer dritten Phase.

Die bereits im Oktober beschlossene Strafrechtsreform sollte eigentlich bereits am 22. April in Kraft gesetzt werden, wurde aber kurzfristig verschoben. Das Sultanat nannte „unvermeidbare Umstände“ als Grund. Die Moscheen des Landes wurden angewiesen, Feiern zur Einführung der Scharia am 30. April abzuhalten.

Kritik der Vereinten Nationen

Die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen (UNHCR) hatte die Pläne und die vorgesehene Hinrichtungsart der Steinigung als einen Widerspruch zu internationalem Recht kritisiert. UN-Studien zeigten, dass überdurchschnittlich häufig Frauen zu Steinigungen verurteilt würden. Mit dem neuen Strafrecht bestehe die Gefahr, dass sich Gewalt und Diskriminierung gegenüber Frauen und Homosexuellen verstärke, erklärte das UN-Büro dazu.

Das Sultanat müsse sein Strafrecht internationalen Menschenrechtsstandards angleichen, sein seit 1957 geltendes Moratorium zur Aussetzung von Hinrichtungen verlängern und auf eine generelle Abschaffung der Todesstrafe hinarbeiten, verlangte die UN-Kommission. Sie bemängelte weiter die Strafbarkeit der Einfuhr, Herstellung und Verbreitung von Veröffentlichungen „gegen die Ordnung der Scharia“. Dies stelle eine Einschränkung der Religions- und Meinungsfreiheit dar.

Die absolute Monarchie Brunei liegt auf der Insel Borneo im südchinesischen Meer. Der sunnitische Islam ist Staatsreligion. Zwei Drittel der rund 420 000 Einwohner sind Muslime, etwa zehn Prozent Christen. Sultan Bolkiah herrscht seit 1967 in dem Land.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (6) Kommentar schreiben