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Bahn frei für E-Scooter – aber die Sorgen ernst nehmen

Eine Frau testet einen E-Roller.

Eine Frau testet einen E-Roller.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin  Am Freitag berät der Bundesrat über die Zulassung von E-Scootern. Die Roller stellen eine verkehrs- und klimapolitische Chance dar.

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Kräftig Anschwung nehmen, sich abstoßen und bequem bis zum nächsten Bahnhof rollen. Dort das handliche Vehikel zusammenklappen, es mit in den Zug nehmen und in der Stadt die letzten Meter zum Arbeitsplatz erneut rollend zurücklegen: E-Scooter können für viele Berufspendler eine Erleichterung im Alltag darstellen.

Aber nicht nur für Städter sind die E-Tretroller interessant. Auch für kürzere Distanzen in ländlichen Gebieten, in denen gerne das Auto genutzt wird, beispielsweise für die Fahrt zum Bäcker, eignen sich die Roller.

E-Scooter: Sicherheit muss gewährleistet werden

Jeder verkaufte E-Tretroller ist ein kleiner Schritt für die Verkehrswende in Deutschland, hin zu einer umweltfreundlicheren und staufreieren Verkehrssituation. Mit der

ist es aber nicht getan. Jetzt geht es um die konkrete Ausgestaltung der Sicherheit.

Denn klar ist auch: Die Sorgen müssen ernst genommen werden. Genauso wie Fahrräder haben E-Scooter auf Gehwegen nichts verloren, Roller gehören auf Radwege. Rad- und E-Tretrollerfahrer werden sich aneinander gewöhnen. Daher wäre es auch absurd, allein aus Angst die Scooter nicht zuzulassen. Redakteurin testet Elektro-Roller

Verbot wäre ein fatales Signal

Die Bereitschaft der Deutschen zur Verkehrswende ist hoch. Das Fahrrad gewinnt immer mehr an Beliebtheit und einer jüngsten Verivox-Umfrage zufolge könnte sich jeder Vierte vorstellen, einen E-Tretroller zu kaufen. Umweltbewusster Verkehr wird unterstützt.

Dieser Unterstützung von staatlicher Seite einen Dämpfer zu verpassen, wäre ein fatales Signal – besonders im Hinblick auf das Verfehlen der Klimaziele.

Hintergrund:

Verkehrsexperte:

Kopenhagen als Vorbild

Bund und Länder sollten sich nun schleunigst damit beschäftigen, wie sie Rad- und Rollerfahrern sichere Verkehrswege gewährleisten können. 25 Millionen erhalten die Länder jährlich vom Bund an Finanzhilfen für den Bau von Radschnellwegen. Zum Vergleich: Allein die dänische Hauptstadt Kopenhagen investierte

Mittlerweile ist in Kopenhagen die Hälfte der Pendler mit dem Fahrrad unterwegs. Auch niederländische Städte wie Amsterdam und Utrecht oder die norwegische Hauptstadt Oslo haben hohe Summen in den Ausbau ihrer Radnetze investiert. In Deutschland sind die finanziellen Bemühungen dagegen bislang vielerorts ungenügend.

Aus den Fehlern der anderen lernen

Die Zahlen zeigen: Es braucht einen finanziellen Kraftakt – einerseits bei den Radwegen, andererseits aber auch im öffentlichen Nahverkehr, der reibungsfrei funktionieren muss. Der Bund und die Länder müssen dies deutlich mehr fördern.

Auch braucht es klare Regeln, wie mit den Rollern nach der Benutzung umgegangen wird. Hier hat Deutschland ausnahmsweise einen Vorteil darin, dass es in puncto Verkehrswende abgeschlagen ist, denn so kann es aus den Fehlern der anderen lernen.

In Paris musste beispielsweise jüngst ein Verhaltenskodex geschaffen werden, da die E-Tretroller kreuz und quer geparkt worden sind. Solche Probleme kann Deutschland regeln, bevor sie auftreten.

Skandinavien:

Geschichte des Mini-Klapprollers soll sich nicht wiederholen

Wirklich neu ist der Roller-Hype übrigens nicht. Schon nach der Weltausstellung 2000 in Hannover gab es einen Ansturm auf Mini-Klapproller, damals noch ohne Elektroantrieb. Der Hype war allerdings schnell wieder vorbei, zwei Jahre nach der Expo waren die Roller weitestgehend aus dem Straßenbild verschwunden.

Bund und Länder sind gefordert, damit die E-Tretroller nicht dasselbe Schicksal ereilt. Förderung der Infrastruktur ist dafür ein zentraler Schritt – der sowohl Rad- als auch Rollerfahrern hilft.

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