Caritas im Ruhrbistum übt neuen Pflege-TÜV ein

Essen.   Die Caritas im Ruhrbistum Essen gibt einen Vorgeschmack darauf, wie künftig in Deutschland die Qualität stationärer Altenpflege kontrolliert werden könnte. Die Essener Wohlfahrtsorganisation startet im März ein Modellprojekt, bei dem in zunächst neun Einrichtungen in Essen und Oberhausen nicht mehr nur das reine Dokumentieren, sondern die tatsächlich erbrachte Pflegeleistung überprüft wird. Dazu gehören Bewohner-Interviews, Personal-Fragebögen und externe Kontrollen.

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Die Caritas im Ruhrbistum Essen gibt einen Vorgeschmack darauf, wie künftig in Deutschland die Qualität stationärer Altenpflege kontrolliert werden könnte. Die Essener Wohlfahrtsorganisation startet im März ein Modellprojekt, bei dem in zunächst neun Einrichtungen in Essen und Oberhausen nicht mehr nur das reine Dokumentieren, sondern die tatsächlich erbrachte Pflegeleistung überprüft wird. Dazu gehören Bewohner-Interviews, Personal-Fragebögen und externe Kontrollen.

Das Konzept geht auf ein Modell des renommierten Bielefelder Pflege-Experten Klaus Wingenfeld zurück. Er arbeitet derzeit an der Reform der umstrittenen Pflegenoten – das Caritas-Modell gibt somit einen Eindruck, was künftig bundesweit Standard in der Pflege sein könnte.

„Die derzeitigen Überprüfungen spiegeln nicht die tatsächliche Pflegequalität wider“, erklärte Caritas-Gesundheitswissenschaftler Frank Krursel den Hintergrund des Modellprojektes. Einmal im Jahr besucht derzeit der Medizinische Dienst der Krankenkassen die Pflegeheime und bewertet ihre Arbeit. Dieser sogenannte Pflege-TÜV steht seit Längerem in der Kritik, weil er vor allem das ordnungsgemäße Aufschreiben der Pflegeleistungen berücksichtigt, Mängel zudem nicht gewichtet – gut lesbare Speisepläne könnten so eine schlechte Wundversorgung ausgleichen. Nach Auffassung von Experten erreicht der Pflege-TÜV damit nicht das Ziel, Pflegebedürftigen bei der Suche nach einer stationären Einrichtung zu helfen.

Beim Caritas-Modell nun sollen Bewohner und Angehörige zweimal im Jahr befragt werden. Wie mobil ist ein Bewohner noch? Wie kommunikativ ist er geblieben? Konnte verhindert werden, dass er sich wund liegt? Mitarbeiter werden geschult, damit sie Pflegeerfolge zudem selbst bewerten. Per Stichprobe überprüfen externe Fachkräfte die Angaben in der Praxis. Damit seien Leistungen und Entwicklungen besser zu vergleichen, sagte Stephan Reitz, Referent für die stationäre Pflege der Caritas. „Das schafft Transparenz.“ Allerdings mit Einschränkung: Die Ergebnisse sollen zunächst nur intern verfügbar sein – Angehörige können sie nicht einsehen.

Seinen Ursprung hat das Essener Modell im Caritas-Verband Münster. Er setzte die Ideen des Pflegefachmanns Wingenfeld 2012 als erster Träger in NRW um. Laut Caritas haben sich aktuell bis zu 100 Einrichtungen angeschlossen.

Derzeit entwickelt Wingenfeld gemeinsam mit dem Göttinger Aqua-Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung die Pflegenoten weiter. Das Pflegeversicherungsgesetz sieht vor, dass diese Richtlinien zur Pflegequalität für die stationären Altenhilfeeinrichtungen bis zum 31. Oktober neu zu fassen und als bundesweite Standards zu beschließen sind. 2018 sollen sie in Kraft treten. Der ambulante Bereich soll ein Jahr später folgen.

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