Bundestagswahl

Laschet bei Junger Union: So beeindruckte er seine Kritiker

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"Den Wahlkampf, die Kampagne habe ich zu verantworten und sonst niemand": CDU-Chef Armin Laschet.

"Den Wahlkampf, die Kampagne habe ich zu verantworten und sonst niemand": CDU-Chef Armin Laschet.

Foto: dpa

Münster  Die Union leckt ihre Wunden: Beim Deutschlandtag der JU gibt es Respekt für die Ampel und Klagen über die eigene Zerrissenheit.

Sie haben Armin Laschet nicht gewollt, nicht als CDU-Parteichef und schon gar nicht als Kanzlerkandidat. Aber jetzt feiert die Junge Union den Wahlverlierer mit einem langen Beifallssturm, die Delegierten sprechen von „großem Respekt“ für Laschet und seinen „starken Charakter“, und der 60-Jährige ringt einen Moment lang gerührt um Fassung.

Drei Wochen nach der krachend verlorenen Wahl hat Laschet gerade hier beim JU-Deutschlandtag in Münster eine ungewöhnliche Rede gehalten – selbstbewusst, kämpferisch, mit sich im Reinen stellt er sich seinen schärfsten innerparteilichen Kritikern. Mit Erfolg. „Chapeau“, sagt später auch Gesundheitsminister Jens Spahn zu dem Auftritt.

„Wir haben ein bitteres Ergebnis erzielt“, sagt Laschet gleich am Anfang zum Ausgang der Bundestagswahl. „Nichts lässt sich schönreden. Die Verantwortung trage ich als Vorsitzender und Kanzlerkandidat. Den Wahlkampf und die Kampagne habe ich zu verantworten und sonst niemand.“ Das sitzt. Schärfer kann es auch die Nachwuchstruppe nicht formulieren, die in ihrer Wahlanalyse schonungslos mit dem Kandidaten abgerechnet hat: „Armin Laschet konnte die Herzen der Menschen nicht erreichen. Ganz im Gegenteil: Viele Wähler haben der Union wegen des Personalangebots die Stimme nicht gegeben.“

Wahlniederlage der Union: Laschet beklagt zu geringe Vorbereitungszeit

Laschet geht darauf im Detail nicht ein. Der Noch-Vorsitzende verweist eher auf widrige Umstände: „Der Wahlkampf war von vorne bis hinten schwierig“. Erst habe voriges Jahr die Corona-Pandemie den Wechsel im CDU-Vorsitz verzögert, dann sei der Kanzlerkandidat viel zu spät nominiert worden. Er habe ja nur 160 Tage Zeit für seine Kampagne gehabt, unterbrochen noch von der Flutkatastrophe, sagt Laschet. „Mehr Vorbereitungszeit und ein faires Verfahren für Kanzlerkandidaten“, das seien Lehren aus seinem Wahlkampf. Aber erstmal sieht er nun schwierige Oppositionszeiten für CDU und CSU voraus.

Das Sondierungspapier der drei Ampel-Parteien „ist in Ordnung“, meint der CDU-Chef. „Wir hätten manches mitmachen können.“ Die Union dürfe das Ampel-Ergebnis nicht gleich für schlecht erklären, es seien „viele gute Sachen drin“, allerdings oft noch vage wie der womöglich auf 2030 vorgezogene Kohleausstieg. Die Opposition gegen die Ampel-Koalition werde nicht leicht, warnt Laschet, die Union dürfe sich nicht zu Populismus verleiten lassen, nicht schrill und plump werden oder in einen Überbietungswettbewerb mit der AfD treten.

Am Programm lag Wahldebakel nicht, meint Laschet

Ähnlich hatte sich beim Deutschlandtag am Vorabend schon Friedrich Merz geäußert, einer der möglichen Nachfolger von Laschet in der Parteiführung. Merz nannte das Ampel-Sondierungspapier „beachtlich“ und warnte: „Wenn das so bleibt, dann stehen uns ziemlich schwere Zeiten bevor“." Laschet widerspricht allerdings ausdrücklich der bitteren Bemerkung von Merz, die Union sei ein „schwerer Sanierungsfall“. Diese Analyse teile er nicht: „Wir haben ein gutes Programm gehabt und Positionen, für die wir weiter stehen“, meint der glücklose Kanzlerkandidat.

Laschet übernimmt alleinige Verantwortung für Wahlschlappe
Laschet übernimmt alleinige Verantwortung für Wahlschlappe

Das sieht aber auch die Junge Union anders, die in ihrer Wahlanalyse inhaltliche Defizite bei vielen Themen wie Klimaschutz, steigende Wohnkosten, Rente oder Migration ausmacht. Die Nachwuchsorganisation war gegen Laschets Kandidatur, er hatte hier nie Rückhalt. Bei einer JU-Mitgliederbefragung voriges Jahr sprachen sich nur 20 Prozent für Laschet als Parteichef aus, 52 Prozent für Merz. Nachdem Laschet trotzdem Vorsitzender wurde, stellte sich die JU-Spitze klar hinter CSU-Chef Markus Söder als Kanzlerkandidat.

Deutschlandtag der JU: Verärgerung über Söders Absage

Aber das ist Geschichte. Jetzt herrscht Verärgerung auch über Söder. Der muss sich aus der großen Schwesterpartei viele Vorwürfe anhören, dass seine ständigen Sticheleien gegen Laschet auch noch im Wahlkampf zur krachenden Niederlage beigetragen haben. Dass Söder seinen für Samstag geplanten Auftritt bei der Jungen Union abgesagt hat, nehmen sie ihm übel, JU-Chef Tilman Kuban nennt das „enttäuschend“.

Umso mehr loben sie Laschet, dass er sich der Kritik stellt: „Laschet zeigt starken Charakter“, sagt Kuban, „die JU hätte sich das Gleiche von Söder gewünscht.“ Söder meldet sich dann aus der Ferne per Interview mit der „Welt am Sonntag“ zu Wort, in dem er für ein „neues Miteinander“ der Unionsparteien wirbt.

Laschet geht auf Söders frühere Attacken nicht ein, beklagt aber die fehlende Geschlossenheit der Union als großes Defizit: „Die SPD hat vorgemacht, wie man trotz Gegensätzen geschlossen Wahlkampf macht – das war mal Stärke der Union und muss es wieder sein.“ Die ständigen Durchstechereien aus der Parteiführung hätten seine Kampagne geschwächt. Umso wichtiger sei es, in der Opposition gemeinsam und geschlossen aufzutreten und die Gegensätze in der Partei zu versöhnen.

Jens Spahn beklagt „Klima des Misstrauens“ in der CDU

Die Sehnsucht danach wird größer in der Union: JU-Chef Kuban beklagt bitter, die CDU sei bereits seit 2015 – dem Jahr der Flüchtlingskrise – „eine gespaltene Partei“. Und Gesundheitsminister Jens Spahn sagt später vor dem Parteinachwuchs, die Union sei „an vielen Stellen zerrissen.“ Es gebe ein „Klima des Misstrauens“, eine Krise des Zusammenhalts, die Entscheidung zur Kanzlerkandidatur habe dann für manche den Bruch bedeutet.

Spahns Rede aber ist kämpferisch angelegt. Das JU-Treffen ist auch ein Schaulauf möglicher Bewerber für den Parteivorsitz, Spahn zählt dazu und nutzt die Gelegenheit, um seine Ambitionen auf eine wichtige Rolle zu bekräftigen: „Ich habe Lust darauf, diese neue CDU zu gestalten“. Es sei Zeit für den Generationswechsel, sagt der 41-Jährige, die „Generation nach Merkel“ müsse jetzt in die Verantwortung. Lesen Sie auch: CDU stellt ihre Führung komplett neu auf - Ohne Frauen?

Auch der 44-jährige Chef der Mittelstandsvereinigung, Carsten Linnemann, gehört zu dieser Generation, auch er wird als möglicher Vorsitzender gehandelt und vom Parteinachwuchs bejubelt. Linnemann fordert einen Mitgliederentscheid über den CDU-Vorsitz und warnt, die Union stehe an einer Weggabelung - es sei die Frage, ob sie Volkspartei bleibe oder weiter absteige.

Spahn zeigt sich da zuversichtlicher. „Die CDU ist nicht erledigt“, sagt der amtierende Vize-Vorsitzende. „Wir rappeln uns wieder auf.“ Selbst die SPD, meint Spahn, habe es ja geschafft, sich „aus dem Mist“ wieder herauszuarbeiten.

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