Corona-Pandemie

Christian Drosten – so hart greifen ihn Corona-Kritiker an

Das ist der Coronavirus-Experte Christian Drosten

Der Virologe Christian Drosten hat damals schon SARS mit entdeckt. Nun ist er der führende Experte für das neuartige Coronavirus. Von der Berliner Charité aus berät er Politiker und klärt die Bürger auf.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Auch der Antisemitismusbeauftragte reagiert bestürzt auf NS-Vergleiche und die Verunglimpfung des Berliner Virologen Christian Drosten.

In der hitzig geführten Debatte über die Corona-Maßnahmen der Bundesregierung vergreift sich so mancher Gegner, Demonstrant, Kritiker oder Anhänger von Verschwörungstheorien im Ton und in der historischen Einordnung. Vergleiche mit Nationalsozialisten, SS-Verbrechern und Holocaust-Opfern werden in sozialen Medien und auf Demonstrationen von Corona-Kritikern bunt durcheinandergeworfen.

Jetzt springt der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, dem Berliner Virologen Christian Drosten zur Seite. Drosten, der in den vergangenen Wochen der Corona-Pandemie zum bekanntesten wissenschaftlichen Gesicht in Deutschland aufgestiegen ist, wird immer wieder beschimpft und verbal äußerst hart angegriffen.

Zuletzt kursierten in den sozialen Medien und real in der Münchner Innenstadt Aufkleber, die den Virologen Christian Drosten neben dem SS-Arzt Josef Mengele zeigen. Beide in Schwarz-Weiß gedruckt, darunter die zynischen Worte: „Trust me, I’m a doctor.“ Auf Deutsch heißt das so viel wie: „Vertrauen Sie mir, ich bin Arzt.“ Der Berliner Forscher der Charité wird mit einem nationalsozialistischem Kriegsverbrecher verglichen. Josef Mengele hat im deutschen Konzentrationslager Auschwitz tödliche Experimente an Menschen durchgeführt. Der SS-Arzt hat über Leben und Tod entschieden, hat seine Rassentheorien an Zwillingspaaren und Kindern ausprobiert, hat Gift injiziert und Körper wie Gegenstände vermessen.

Drosten wird in der Corona-Pandemie mit SS-Arzt Mengele verglichen

Der Antisemitismusbeauftragte der Bundesregierung, Felix Klein, reagierte mit Bestürzung auf die Anfeindungen gegen Christian Drosten. „Diese Dämonisierung eines äußerst verdienten Wissenschaftlers, dessen Arbeit und besonnener Rat in der Corona-Krise vielen Menschen das Leben gerettet hat, zeigt in ihrer Absurdität vor allem eines: wie vollkommen fernab jedes ernstzunehmenden Diskurses sich Verschwörungsmystiker bewegen“, sagte Klein unserer Redaktion.

Er betonte: „Wer solch zynische Rhetorik und Bildsprache bemüht, um seiner Haltung Ausdruck zu verleihen, hat sich für jede weitere Diskussion disqualifiziert.“ Er könne nur hoffen, dass dies viele Menschen erkennen.

Mehr Informationen zum Virologen Christian Drosten und seinen Kritikern:

Doch der Mengele-Drosten-Vergleich ist kein Einzelfall dieser Art: Auf einer Demonstration in Halle von Kritikern der Corona-Maßnahmen trugen Demonstranten T-Shirts mit einem Davidstern, darauf der Schriftzug „Ungeimpft“. Das Motiv kursierte auf Facebook und wurde gelikt und geteilt. Der rechtsextreme Veranstalter einer sogenannten Hygiene-Demo, Sven Liebich, trat kürzlich mit einem Bild von Anne Frank auf seinem T-Shirt während einer Demonstration auf. Darunter die Worte: „Anne Frank wäre bei uns. Weg mit den Ausgangssperren.“

Auch Schauspielerin Katja Riemann zieht Mengele-Vergleich

Auf Unverständnis traf auch der Vergleich von Schauspielerin Katja Riemann in der ARD-Sendung „Maischberger. Die Woche“ am Montagabend. Riemann, die sich für die Situation von Flüchtlingen einsetzt, berichtete über die Zustände in dem griechischen Flüchtlingslager Moria. Die Verteilung der Flüchtlinge beschreibt die Schauspielerin mit dem Satz: „Wir arbeiten mit (...) den Ärzten ohne Grenzen – um zu entscheiden: Wer muss ganz dringend raus?“ Zum Verfahren erklärt sie dann: „Das ist ja auch eine schwierige Sache zu entscheiden, wer darf gehen und wer nicht, weißt du, wie so ein reverse (auf Deutsch: umgekehrter) Mengele irgendwie.“

Die Organisation Ärzte ohne Grenzen reagierte: „Ärzte ohne Grenzen ist nicht zuständig für die Auswahl von Menschen, die aus dem Geflüchtetenlager Moria herausgebracht werden.“ Entscheidungen dieser Art würden ausschließlich die griechischen Behörden und die politischen Verantwortlichen der EU-Mitgliedstaaten treffen.

Leserkommentare (1) Kommentar schreiben