Corona in NRW

Längere Ferien: Schulministerin will Ausfall kompensieren

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Schon hunderttausende Schüler in Quarantäne

Schon hunderttausende Schüler in Quarantäne

Die Zahl der mit dem Coronavirus infizierten Schülerinnen und Schüler in Deutschland ist laut der einem Zeitungsbericht deutlich gestiegen.

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Düsseldorf.  Das Land NRW hat beschlossen, die Weihnachtsferien wegen der Pandemie zu verlängern. Dafür könnten die Karnevals-Ferientage gestrichen werden.

  • Das Land NRW hat die Weihnachtsferien in diesem Jahr offiziell verlängert: Die Schüler verabschieden sich während der Corona-Pandemie damit zwei Tage früher in die Ferien als ursprünglich geplant.
  • Dadurch soll den Familien trotz Corona ein möglichst unbeschwertes Weihnachtsfest ermöglicht werden. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet zeigte sich bereits am Dienstagabend offen für eine „Vorquarantäne“.
  • Auf Antrag von SPD und Grünen wird es eine Aktuelle Stunde im Plenum geben, bei der sich die Landesregierung erklären soll.

In NRW endet der Präsenzunterricht vor Weihnachten früher als bisher geplant. Letzter Schultag vor den Ferien ist demnach der 18. und nicht der 22. Dezember. „Die Landesregierung wird den Vorschlag für eine Vorquarantäne umsetzen“, erklärte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Mittwochabend.

Sie will nun die organisatorischen Fragen klären: „Es ist wichtig, jetzt zu besprechen, wie der Ausfall fachlich kompensiert werden kann - besonders für diejenigen, die im kommenden Jahr ihre Abschlüsse machen“, sagte NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Donnerstag im WDR. Auch müsse darüber gesprochen werden, „wie wir eine Notbetreuung für Kinder und Jugendliche an diesen beiden Tagen sicherstellen können für Eltern aus systemrelevanten Berufen; für Kinder, die eben nicht zuhause an diesen beiden Tagen versorgt werden können“.

Landesregierung soll sich in Aktueller Stunde im Landtag erklären

Die überraschende Ankündigung zu früheren Weihnachtsferien in NRW hat am Freitag ein Nachspiel im Landtag: Auf Antrag von SPD und Grünen wird es eine Aktuelle Stunde im Plenum geben, bei der sich die Landesregierung erklären soll.

„Die für Eltern, Lehrerinnen und Lehrer, Schülerinnen und Schüler und auch das Parlament überraschende Entscheidung“ habe „weitere drängende Fragen“ aufgeworfen, so die Fraktionen von SPD und Grünen. Zudem sei die Entscheidung der Landesregierung über den früheren Ferienstart am Mittwoch bei der Plenarsitzung noch nicht als definitiv getroffen verkündet worden - das tat Gebauer beim WDR.

Eltern und Lehrer reagieren gemischt auf frühere Weihnachtsferien

Der Beschluss stieß bei Lehrern und Eltern auf ein geteiltes Echo. „Das ist eine interessante Überlegung“, sagte Stefan Behlau, der NRW-Vorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE), dieser Redaktion. Durch die Vorquarantäne soll das Risiko verringert werden, dass infizierte Schüler an den Feiertagen ihre Großeltern anstecken. Niedersachsen verfolgt ähnliche Pläne.

NRW überlegt, als Ausgleich bewegliche Schul-Feiertage an Karneval zu streichen. Auch über eine „Notbetreuung“ in den Tagen vor Weihnachten wird intensiv nachgedacht. Die Schulministerin kündigte an, zeitnah darüber mit Lehrer-, Schüler- und Elternverbänden zu sprechen.

Der VBE sieht in der Vorquarantäne eine Chance, Kontakte vor Weihnachten zu reduzieren und den Schulen „ein wenig Ruhe und Luft zu verschaffen“. „Die beiden Ferientage vor Weihnachten verschaffen einige Tage Zeit, um die Infektionsgefahr zu reduzieren“, sagte auch Franz-Josef Kahlen aus dem Vorstand der Landeselternschaft der Gymnasien.

"Planungssicherheit für die Feiertage"

Grundsätzlich sei eine langfristige Festlegung gut, „weil sie Planungssicherheit für die Feiertage und für die Reise- und Touristikbranche bringt.“ Die Vorquarantäne müsse allerdings jetzt auch pädagogisch unterfüttert werden.

Nach Ansicht des Präsidenten des Nordrhein-Westfälischen Lehrerverbandes, Andreas Bartsch, ist die Entscheidung verfrüht. „Je nach Infektionslage sollten dann Virologen beurteilen, ob dies sinnvoll ist“, sagte er. Zudem sei nicht sicher, ob sich die Schüler in dieser Zeit in Quarantäne begäben.

Das Vorstandsmitglied der Landeselternschaft der Gymnasien in NRW, Dieter Cohnen hingegen sagte: „Grundsätzlich ist eine solche langfristige Festlegung gut, weil sie Planungssicherheit für die Feiertage und für die Reise- und Touristikbranche bringt.“ Es müsse jedoch geklärt werden, wo die beiden zusätzlichen Ferientage herkommen sollen.

Der bekannte Virologe Christian Drosten hatte das „Prinzip Vorquarantäne“ schon vor Wochen als „gute Idee“ bezeichnet. Sie sollte etwa eine Woche vor dem Familienbesuch bei Opa und Oma beginnen, so der Mediziner.

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Eher skeptisch ist auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW: Mit Blick auf Klassenarbeiten und Tests stelle die Vorquarantäne Schulen vor organisatorische Probleme, hieß es. Das befürchtet auch Anke Staar von der Landeselternkonferenz NRW. Aus GEW-Sicht ist die Vorquarantäne vor allem ein Eingeständnis, dass das Infektionsrisiko an Schulen steige.

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