Regierungsbildung

Diese SPD-Politiker werden als künftige Minister gehandelt

Die desi­gnierte SPD-Chefin Andrea Nahles und der kommissarische Vorsitzende Olaf Scholz wollen sich bei den Ministerämtern nicht hetzen lassen.

Die desi­gnierte SPD-Chefin Andrea Nahles und der kommissarische Vorsitzende Olaf Scholz wollen sich bei den Ministerämtern nicht hetzen lassen.

Foto: DAVIDS/Sven Darmer

Berlin  Die SPD will ihre Ministerliste erst nach einem Ja ihrer Mitglieder zur GroKo bekannt geben. Aber einige Namen werden schon gehandelt.

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Im Lotto 6 aus 49 liegt die Gewinnchance für sechs Richtige bei 1:15 Millionen – da hat es Andrea Nahles immerhin ein bisschen leichter. Die desi­gnierte SPD-Chefin ist in den eigenen Reihen gerade auf der Suche nach einem glorreichen halben Dutzend – und zwar für das Bundeskabinett.

Sollte am Sonntagmorgen um kurz nach neun Uhr die

die für Deutschland erlösende Botschaft bringen, dass die SPD den Weg für die dritte

seit 2005 frei macht, beginnt für

die heiße Phase der Kandidatensuche.

SPD will sich mit Ministerliste Zeit lassen

Dabei braucht die 47-Jährige, die auf einem Parteitag Ende April in Wiesbaden als erste Frau in 154 Jahren SPD die Spitze der ältesten Partei übernehmen will, ein glückliches Händchen. Nur mit einem überzeugenden Personalpaket (drei Männer, drei Frauen) kann es Nahles gelingen, das erhebliche Misstrauen an der SPD-Basis gegenüber „denen da oben“ an der Parteispitze zu zerstreuen und so das Fundament für die angestrebte Erneuerung zu legen.

Diese zehn Punkte wollen Union und SPD verwirklichen
Diese zehn Punkte wollen Union und SPD verwirklichen

Nahles und der kommissarische SPD-Vorsitzende Olaf Scholz wollen sich nicht hetzen lassen. Notfalls soll die Liste erst am übernächsten Montag – zwei Tage vor der Kanzlerinnenwahl im Bundestag – verkündet werden. Seit CDU-Chefin Angela Merkel mit der Kür von Annegret Kramp-Karrenbauer zur Thronfolgerin und einer wohlwollend kommentierten Kabinettsliste mit der großen Überraschung Anja Karliczek (Bildung) vorpreschte, ist der Druck auf die SPD gewachsen.

Deren Headhunter suchen jetzt mit Hochdruck eine Frau aus dem Osten. Merkel verzichtete darauf, jemanden aus Ostdeutschland ins Kabinett zu holen. In diese Lücke will die SPD stoßen. Sechs Ministerien kann die Partei bei einem Ja ihrer Mitglieder in der Bundesregierung besetzen: Finanzen, Außen, Arbeit, Familie, Justiz und Umwelt. Eine Übersicht, wer was werden könnte.

Die Gesetzten

Olaf Scholz dürfte am Freitagabend seinen letzten großen Auftritt als Hamburger Bürgermeister gehabt haben. Zum ältesten Festmahl der Welt, dem Mat­thiae-Mahl, empfing Scholz im Rathaus als Ehrengäste EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und Ex-Außenminister Joschka Fischer. Scholz soll in Berlin als Bundesfinanzminister und Vizekanzler das vertrauenswürdige SPD-Gesicht in der Regierung werden. Ein Ministerticket sicher haben dürfte auch Heiko Maas.

Nahles: Habe keinen Plan B
Nahles: Habe keinen Plan B

Er könnte Justizminister bleiben oder als Außenminister und Nachfolger von Sigmar Gabriel den nächsten Karriereschritt machen. Über den stets adrett gekleideten Triathleten aus dem Saarland heißt es in der SPD, die Position des Chefdiplomaten sei durchaus „maasgeschneidert“ für ihn. An Selbstbewusstsein mangelt es Katarina Barley ebenfalls nicht („Ich bin die Universalwaffe der SPD“). Sie hat eine steile Karriere gemacht.

Erst seit 2013 im Bundestag, war sie kurz SPD-Generalsekretärin, dann ein paar Monate Familienministerin. Mit der Tochter eines Briten (ihr Name spricht sich wie Harley) hätte Deutschland erstmals eine Außenministerin – wahrscheinlicher ist, dass Barley Familienministerin bleibt. Oder die Top-Juristin (arbeitete am Bundesverfassungsgericht) wird Justizministerin, als charismatische Gegenspielerin des neuen Innen- und Heimatministers Horst Seehofer.

Die Geheimtipps

Frau, Osten, politische Erfahrung: Wer das in der SPD mitbringt, kann auf ein Ticket ins Kabinett hoffen. Die Zahl der Talente ist überschaubar. Folgende Namen fallen bei Insidern immer wieder: Franziska Giffey hat sich als Bezirksbürgermeisterin von Berlin-Neukölln profiliert.

Die Nachfolgerin des knorrigen Talkshow-Königs Heinz Buschkowsky stammt außerdem aus Brandenburg. Der dortige Ministerpräsident Dietmar ­Woidke schätzt sie. Aber für Giffey würde der Sprung, etwa als Familienministerin, in die Bundespolitik wohl zu früh kommen. Statt sie jetzt zu „verheizen“, könnte die SPD sie behutsam als potenzielle Regierende Bürgermeisterin der Hauptstadt aufbauen.

Brandenburg hält für Nahles eine Alternative bereit: Klara Geywitz. Sie war Generalsekretärin der Landes-SPD, holt ihr Landtagsmandat immer direkt und sitzt seit Dezember im Bundesvorstand. Auch in Sachsen gibt es zwei, die als ministrabel gelten. Die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping ist unermüdlich unterwegs, um vor allem den Wessis die Seelenlage der Ossis sowie die AfD-Erfolge im Osten zu erklären.

Widerstand gegen die GroKo

Keine Frau, aber als Familienminister prädestiniert wäre Martin Dulig. Der sächsische Vize-Ministerpräsident und Wirtschaftsminister ist verheirateter Vater von sechs Kindern. Doch Dulig will wohl in Dresden („Mein Platz ist in Sachsen“) bleiben. Als Spitzenkandidat soll er bei der nächsten Landtagswahl 2019 die SPD nach vorn bringen. Die bekam dort bei der Bundestagswahl nur 10,5 Prozent.

Ganz so schlimm ist die Lage der SPD in Nordrhein-Westfalen nicht. Der Verlust der sozialdemokratischen „Herzkammer“ an die CDU im vergangenen Jahr läutete den Untergang von Martin Schulz und die historische Pleite bei der Bundestagswahl ein. An Rhein und Ruhr ist der Widerstand gegen die GroKo am heftigsten. Trotzdem dringt der Verband mit 115.000 Mitgliedern auf einen Posten in Berlin.

Kandidatin gefällig? Svenja Schulze. Sie war Wissenschaftsministerin, schaffte Studiengebühren ab, ist jetzt Managerin der verunsicherten Landespartei. Schulze ist seit gemeinsamen Juso-Tagen gut vertraut mit Nahles und könnte in Berlin das Umwelt- oder Familienministerium übernehmen.

Die Außenseiter

Eva Högl, die Vize-Chefin der Bundestagsfraktion, rechnet sich Chancen auf das Arbeits- oder Justizministerium aus. Ihr Berliner Landesverband hat jedoch kaum Gewicht. Ganz anders Niedersachsen. Ministerpräsident Stephan Weil pocht auf einen Sitz für einen seiner Leute. Im Schaufenster für Nahles hat er Ex-Fraktionschef Thomas Oppermann (Wanderkumpel von Weil), der einen kompetenten Außenminister abgeben würde, aber zur „alten Garde“ gehört. Besser stehen die Chancen des Anführers des linken Parteiflügels, Matthias Miersch, als Bundesumweltminister für Niedersachsen ins Kabinett einzuziehen.

In die Röhre guckt er, wenn Nordrhein-Westfalen diesen Posten in bewährten Händen von Barbara Hendricks lässt. Als möglicher Arbeitsminister könnte Hubertus Heil aus Peine endlich seinen Traum von einem großen Amt erfüllen. Als Reservekandidaten für das Auswärtige Amt denkbar: Staatsminister Michael Roth aus Hessen und der außenpolitische Sprecher Rolf Mützenich aus Köln.

Der Solist

Letzte Ausfahrt Goslar? Gegen das nahende Ende seiner Karriere kämpft Sigmar Gabriel mit Haut und Haaren. Er bekam den deutsch-türkischen Journalisten Deniz Yücel in der Türkei frei, legt sich mit Trump bei den Stahlzöllen an. Nahles aber sagt, ihre Minister müssten teamfähig sein. Ein Kriterium, das Ex-Parteichef Gabriel nur an guten Tagen erfüllt.

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