USA

Donald Trump will offenbar Virologen Fauci demontieren

Trump trägt erstmals Mund-Nasen-Schutz in der Öffentlichkeit

US-Präsident Donald Trump hat sich erstmals seit Beginn der Corona-Pandemie mit einer Gesichtsmaske in der Öffentlichkeit gezeigt. Bei einem Termin im Walter-Reed-Militärkrankenhaus nahe Washington trug Trump einen dunklen Mund-Nasen-Schutz mit dem Siegel des Präsidenten. Die Zahl der Corona-Neuinfektionen in den USA erreichte derweil einen neuen Höchststand.

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Washington.  US-Präsident Donald Trump versucht laut Berichten, den Coronavirus-Experten Anthony Fauci zu demontieren – mit fragwürdigen Methoden.

  • Donald Trump plant offenbar Anthony Fauci zu zerlegen
  • Aufgeführt werden demnach Äußerungen des Immunologen insbesondere zu Beginn der Pandemie
  • US-Medien schrieben, das Vorgehen das Weißen Hauses gegen Fauci erinnere an Bemühungen, Informationen über politische Gegner zu sammeln

Anthony Fauci sei ein „netter Mann“, der viele Fehler gemacht habe. So kritisierte US-Präsident Donald Trump vergangene Woche den Direktor des Nationalen Instituts für Infektionskrankheiten (NIAID) und seinen eigenen Regierungsberater im Interview mit dem Sender Fox News.

Laut Medienberichten hat die Trump-Regierung eine Liste mit Beispielen erstellt, in denen Fauci mit Blick auf das Coronavirus falsch gelegen haben soll. Das berichten unter anderem die „Washington Post“ und der Nachrichtensender CNN.

Donald Trump will Fauci zerlegen

Aufgeführt werden demnach Äußerungen des Immunologen insbesondere zu Beginn der Pandemie. Dort sprach sich Fauci unter anderem gegen das Tragen von Schutzmasken aus, bezeichnete das Risiko für die USA durch das Virus als begrenzt und stellte infrage, ob Menschen ohne Krankheitssymptome andere Menschen anstecken können.

„Mehrere Offizielle des Weißen Hauses sind besorgt über die Anzahl der Male, in denen Dr. Fauci bei Dingen falsch lag“, heißt es laut US-Medien in der Erklärung, in denen Faucis frühere Äußerungen aufgelistet werden. Lesen Sie hier: Donald Trump soll offenbar Verkauf von Puerto Rico vorgeschlagen habe.

Kritik an Corona-Experte Fauci: Trump greift zu fragwürdigen Methoden

Die „New York Times“ verwies allerdings auf Beispiele, in denen Äußerungen des bekanntesten Vertreters des Corona-Krisenstabs von Präsident Donald Trump nur unvollständig wiedergegeben wurden. So hatte Fauci Ende Februar in einem Fernsehinterview zwar gesagt, derzeit müssten die Menschen ihren Alltag nicht umstellen. Zugleich warnte er aber, das Risiko für die USA sei derzeit gering, „aber das könnte sich ändern“. Es gebe sogar die Gefahr eines „großen Ausbruchs“.

Disney World in Florida hat wieder geöffnet - trotz Corona-Krise
Disney World in Florida hat wieder geöffnet - trotz Corona-Krise

Zu Beginn der Pandemie hatten zudem Gesundheitsexperten und Behörden in zahlreichen Ländern vor einer Schutzmasken-Empfehlung zurückgeschreckt – unter anderem aus Sorge, bei einem Ansturm auf Masken könnte es einen Mangel für Ärzte und Krankenpfleger geben.

Fauci zeichnete düsteres Bild der Corona-Lage in den USA

US-Medien schrieben, das Vorgehen das Weißen Hauses gegen Fauci erinnere an Bemühungen, Informationen über politische Gegner zu sammeln und öffentlich zu machen, um ihnen zu schaden. Der Vorgang macht die wachsenden Spannungen zwischen Trump und Fauci deutlich: Während der Präsident im Wahljahr 2020 auf eine möglichst rasche Rückkehr zur Normalität pocht, hat sein prominenter Berater zuletzt wiederholt vor einer vorschnellen Lockerung der Corona-Beschränkungen gewarnt.

Fauci hat dabei mehrfach ein düsteres Bild der Lage in den USA gezeichnet – offenbar zum Missfallen des Präsidenten. Das Weiße Haus bemühte sich am Montag aber, Berichten über Unstimmigkeiten der beiden entgegenzutreten.

„Dr. Fauci und der Präsident haben immer ein sehr gutes Arbeitsverhältnis gehabt“, sagte Trump-Sprecherin Kayleigh McEnany. Auf die Frage, ob der Präsident Faucis Ratschläge noch schätze, antwortete McEnany mit „sicherlich“. Sie betonte zugleich, der Virenexperte sei lediglich „eines von vielen“ Mitgliedern der Coronavirus-Taskforce.

USA: Infektionszahlen steigen drastisch

In den USA sind die Infektionszahlen in den vergangenen Wochen dramatisch in die Höhe geschnellt. Derzeit werden täglich mehr als 60.000 Neuinfektionen registriert. Seit Beginn der Krise wurden bereits mehr als 3,3 Millionen Infektionen und mehr als 135.000 Todesfälle bestätigt – die mit Abstand höchsten Zahlen weltweit.

Präsident Trump wird für sein Krisenmanagement seit Monaten scharf kritisiert. Sein Umgang mit der Pandemie ist mit ein Grund dafür, warum er in Umfragen für die Präsidentschaftswahl vom 3. November hinter seinem Herausforderer Joe Biden liegt.

(afp/bef)

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