Zeitumstellung

Ansturm auf Umfrage: Bürger dürfen über Sommerzeit abstimmen

Darum ergibt die Zeitumstellung keinen Sinn

Uhrumstellung: Eine Stunde früher aufstehen, bloss weil der Sommer kommt – macht das überhaupt Sinn? Die wichtigsten Fakten.

Uhrumstellung: Eine Stunde früher aufstehen, bloss weil der Sommer kommt – macht das überhaupt Sinn? Die wichtigsten Fakten.

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Brüssel  500 Millionen Bürger dürfen über die Zeitumstellung abstimmen - allerdings sind die Server zusammengebrochen. Hier geht es zum Online-Fragebogen.

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Die EU-Kommission hat bekanntegegeben, wie viele Bürger an der Online-Umfrage zur Abschaffung der Zeitumstellung teilgenommen haben: 4,6 Millionen Bürger haben bis zur Nacht von Donnerstag auf Freitag abgestimmt.

Das Ergebnis der Umfrage werde in den kommenden Wochen veröffentlicht, hieß es. Die EU-Kommission wird in einen Bericht aber nicht nur die Ergebnisse, sondern auch wissenschaftliche Studien auswerten.

Die Befragung hatte am 4. Juli begonnen. Allein in den ersten drei Tagen wurden einem Sprecher zufolge mehr als 500.000 Online-Fragebögen ausgefüllt. Nach der Hälfte der Zeit waren mehr als eine Million Antworten eingegangen.

Bei der Umfrage konnten Bürger auch angeben, ob sie im Fall einer Abschaffung die Winter- oder die Sommerzeit als Standardzeit bevorzugen. Zum Online-Fragebogen geht es hier.

Nutzen der Sommerzeit ist umstritten

Das Europaparlament hatte die EU-Kommission im Februar aufgefordert, die entsprechende Richtlinie unter die Lupe zu nehmen. Sollte die Behörde zu dem Schluss kommen, dass die Nachteile der Zeitumstellung überwiegen, könnte sie den EU-Staaten und dem Parlament einen Vorschlag zur Gesetzesänderung unterbreiten. Das Ergebnis der Bürgerbefragung ist nicht bindend.

Die Uhrenumstellung in heutiger Form wurde in Deutschland 1980 eingeführt – mit dem Ziel, Energie zu sparen. Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück.

Der Nutzen der Sommerzeit ist umstritten. Laut Umweltbundesamt knipsen die Deutschen wegen der Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends seltener das Licht an – im Frühjahr und Herbst wird jedoch morgens mehr geheizt. Außerdem sehen Mediziner Gesundheitsrisiken. Schlafforscher warnen, empfindsame Menschen könnten Probleme mit dem zeitlichen Hin und Her haben – samt Schlafstörungen und Appetitlosigkeit.

Umfragen kamen in der Vergangenheit häufig zu dem Ergebnis, dass sich eine Mehrheit der Deutschen die Abschaffung der Zeitumstellung wünscht. In einer repräsentativen Studie des Forsa-Instituts im Auftrag der Krankenkasse DAK sprachen sich erst im März 73 Prozent der Befragten gegen das Umstellen der Uhren aus.

Mensch und Natur leiden unter der Zeitumstellung

Drei deutsche Politiker kämpfen in Europa seit Jahren für ein Ende der Zeitumstellung: die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU), deren Parteikollegin und Europaabgeordnete Angelika Niebler und der heutige Innenminister Nordrhein-Westfalens, Herbert Reul (CDU).

Für sie hat die Zeitumstellung fast ausschließlich Nachteile. Im Gespräch mit der dpa sagte Herbert Reul über die negativen Folgen im vergangenen Oktober: „Das geht von Schlaf- und Konzentrationsstörungen über depressive Verstimmungen bis hin zu einem erhöhten Herzinfarktrisiko.“ Und: „Es ist schlicht wider die Natur. Durch die Zeitumstellung wird unser Biorhythmus empfindlich gestört.“

Doch nicht nur der Mensch, auch die Natur scheinen unter der Zeitumstellung zu leiden. Der Deutsche Jagdverband warnt etwa vor Wildunfällen , da sich der abendliche Feierabendverkehr in die Dämmerung verlagert, in der mehr Wild unterwegs ist.

Doch trotz engagiertem und teils prominentem Einsatz für das Ende der Zeitumstellung war das Vorhaben bisher oft an Zuständigkeiten gescheitert. Verschiedene EU-Institutionen hatten sich über 30 Jahre untereinander für zuständig erklärt oder die Nationalstaaten um Entscheidungen zur Abschaffung der Sommerzeit gebeten. Das EU-Parlament scheint nun aber federführend bei dem Thema und könnte nach dem Bericht der Kommission eine Entscheidungen herbeiführen. (dpa/ac/bekö)

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