Interview

FDP-Fraktionschef will Ehrenamt in NRW entlasten

Christof Rasche führt die FDP-Fraktion im Landtag seit knapp drei Wochen an.In der Rolle des Vorsitzenden folgt er auf Christian Lindner. Foto:Lukas Schulze

Christof Rasche führt die FDP-Fraktion im Landtag seit knapp drei Wochen an.In der Rolle des Vorsitzenden folgt er auf Christian Lindner. Foto:Lukas Schulze

Düsseldorf.   Christof Rasche, neuer FDP-Fraktionschef im Landtag, fordert im Interview, Vereinen die Auflagen bei Festen und Steuererklärungen zu erleichtern

Eigentlich säße Christof Rasche jetzt im Bundestag. Der 55-Jährige aus Erwitte war über die FDP-Landesliste abgesichert. Doch er entschied sich, als Landtagsfraktionschef und Nachfolger von Christian Lindner in Düsseldorf zu bleiben. Über seine Rolle in der schwarz-gelben Regierungskoalition und seinen speziellen westfälischen Blick sprach Rasche mit Tobias Blasius.

Herr Rasche, Sie haben früher ambitioniert Handball gespielt. Bringt das die Robustheit, die man als Fraktionschef in einer Koalition mit nur einer Stimme Mehrheit braucht?

Rasche : Wenn Sie schon auf meine Handball-Vergangenheit anspielen: Wichtiger als Robustheit erscheint mir in der Rolle des Fraktionsvorsitzenden eine Mischung aus sportlichen Qualitäten wie Teamfähigkeit, Durchsetzungsvermögen, Führungsverantwortung und Respekt vor dem Gegner zu sein. Gerade weil es in der NRW-Koalition auf jede Stimme ankommt, müssen sich alle Abgeordneten als Teil eines Teams mit demselben Ziel begreifen.

Wie gefährlich ist die Mehrheit von nur einer Stimme für die Regierung Laschet?

Ich sehe da keine Gefahren. Die Landesregierung wird von 100 sehr verlässlichen Abgeordneten von CDU und FDP getragen. Wir diskutieren intern und sind nach außen geschlossen. Der Wille, in Nordrhein-Westfalen nach sieben Jahren rot-grüner Verhinderungspolitik endlich wieder die Bedürfnisse von Wirtschaft, Mensch und Umwelt in eine vernünftige Balance zu bekommen, eint uns alle.

Sie sind der einzige Westfale im Koalitionsausschuss, dem kleinsten und wichtigsten Entscheidungszirkel von Schwarz-Gelb in NRW. Welchen besonderen Blickwinkel bringen Sie da ein?

Mein Lebensmittelpunkt war schon immer Erwitte, fernab von Düsseldorf. Bevor ich 2000 in den Landtag eingezogen bin, habe ich dort bereits 22 Jahre bei der Sparkasse gearbeitet, kenne die Vereins- und Brauchtumskultur und glaube, ein ganz gutes Gespür für die alltäglichen Sorgen der ganz normalen Leute zu haben.

Zum Beispiel?

Wir müssen dringend das Ehrenamt entlasten. Vereine sind keine Wirtschaftsunternehmen, müssen von unserer gewissenhaften Finanzverwaltung leider jedoch häufig so behandelt werden. Ich würde mir deshalb wünschen, dass wir die Umsatzfreigrenzen, ab denen gemeinnützige Vereine umsatzsteuerpflichtig sind, von derzeit 17 500 Euro deutlich heraufsetzen und dadurch das Verfahren vereinfachen. Die allermeisten Amateur- und Brauchtumsvereine stecken ihre Erlöse doch ohnehin wieder in die Jugendarbeit oder den Vereinsbetrieb, weshalb wir den Kassierern diesen Papierkrieg ersparen sollten.

Die steuerliche Behandlung von Vereinen ist Bundesrecht. Wie kann das Land dem Ehrenamt helfen?

Ich sehe die Gefahr, dass wir vielen Ehrenamtlichen mit immer komplexeren Sicherheitsanforderungen und Genehmigungsauflagen die Freude am Ausrichten von Festen, Konzerten und Umzügen nehmen. Finanziell und organisatorisch ist das vielerorts nicht mehr zu stemmen. Die Auflagen müssen wir entschlacken und auf ein realistisches Maß zurückführen. Es ist ja richtig, dass wir nach den Erfahrungen der Loveparade-Katastrophe und vor dem Hintergrund der allgegenwärtigen Anschlagsgefahr Veranstaltungen bestmöglich schützen wollen. Das darf aber nicht dazu führen, dass ehrenamtlich nichts mehr stattfinden kann.

Sie waren lange Verkehrspolitiker. Ist es an der Zeit, die Steuer-Privilegien für den Diesel zu streichen?

Nein. Wir brauchen den Diesel-Motor noch und sollten ihn nicht verteufeln. Wenn wieder mehr Benziner gefahren werden, ist der Umwelt auch nicht geholfen. Gerade in Nordrhein-Westfalen müssen wir uns aber Gedanken darüber machen, wie wir die hohe Stickoxid-Belastung in den Großstädten senken. Ich wäre dafür, auf Landesebene eine Expertenkommission einzurichten, die uns bei der Suche nach schnellen Lösungen hilft. Wir brauchen mehr Elektroantriebe bei den Fahrzeugen, die jeden Tag auf den meistbefahrenen Straßen unterwegs sind – Busse, Taxen, Lieferverkehr. Das geht nur mit einem klugen Konzept und finanzieller Hilfe des Bundes.

>> KURZ VITA: SEIT 2000 MITGLIED DES LANDTAGS

Christof Rasche (55) stammt aus Erwitte im Kreis Soest. Der gelernte Bankkaufmann brachte es als Handballer bis in die dritte Liga, gilt als heimatverbunden und Freund von Schützenfesten. Seit 2000 hat er sich im Landtag einen Namen als Verkehrsexperte gemacht, seit 2012 war er Parlamentarischer Geschäftsführer

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