Rechtsextremismus

Frankfurter Anwältin erhält wieder Drohfax von „NSU 2.0“

Rechtsanwältin Seda Başay-Yildiz erhielt bereits zum vierten Mal ein Drohschreiben. Unterzeichnet waren alle Drohungen mit „NSU 2.0“.

Rechtsanwältin Seda Başay-Yildiz erhielt bereits zum vierten Mal ein Drohschreiben. Unterzeichnet waren alle Drohungen mit „NSU 2.0“.

Foto: Boris Roessler / dpa

Berlin   Bereits zum vierten Mal ist ein Drohschreiben bei der Anwältin Seda Başay-Yildiz eingegangen. Alle waren mit „NSU 2.0“ unterzeichnet.

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Es ist das vierte Drohschreiben binnen eines halben Jahres, das die Frankfurter Anwältin Seda Başay-Yıldız bekommen hat. Die türkischstämmige Anwältin habe das aktuelle Schreiben als Fax erhalten, bestätigte die Frankfurter Staatsanwaltschaft.

Wie die drei Schreiben zuvor, so trug auch das aktuelle Fax die Unterschrift „NSU 2.0“. Zuerst hatte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet.

Wer hinter den Drohungen steckt, ist noch unklar

„Die Ermittlungen sind im Gange“, sagte Nadja Niesen, Sprecherin der Staatsanwaltschaft Frankfurt. Allerdings sei nach wie vor unklar, wer hinter den Faxen stecke.

Seda Basay-Yildiz hatte das erste Schreiben im August 2018 erhalten. Darin wurde sie und auch ihre kleine Tochter bedroht. Wie sich später herausstellte, wurden die Informationen über die Rechtsanwältin – also etwa ihre Adresse und der Name der Tochter – aus dem polizeilichen Informationssystem eines Computers einer Beamtin des 1. Reviers in Frankfurt abgefragt.

Durch die Ermittlungen kam ein weiterer Polizeiskandal zum Vorschein: So konnte eine mutmaßliche rechtsextreme Chatgruppe in der Frankfurter Polizei aufgedeckt werden.

Mehrere Beamte wurden seitdem vom Dienst suspendiert.

Ein Polizeibeamter soll auf Daten zugegriffen haben

Başay-Yıldız hatte als Rechtsanwältin unter anderem Opfer der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) um Beate Zschäpe verteidigt. Zschäpe war im Juli zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden, am Montag wurde sie in ein Chemnitzer Gefängnis verlegt.

Nachdem im Januar ein zweites und drittes Schreiben mit Drohungen und Verunglimpfungen bei Seda Başay-Yıldız eingingen, wurde in Betracht gezogen, dass die Drohungen aus der Polizei selbst stammten.

Alle Drohungen seien über dieselbe verschlüsselte Verbindung geschickt worden, so auch im aktuellen Fall, berichtet die „FAZ“.

In Darmstadt begann am Montag der Prozess gegen einen Polizeibeamten, der Daten aus dem Polizeicomputer an eine Bekannte weitergegeben haben soll. Die Frau soll mit der Neonazi-Vereinigung Aryans in Verbindung stehen. (tki/dpa)

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