Frauentag

Wie Ministerinnen Sexismus erleben – und was sie tun wollen

| Lesedauer: 4 Minuten
Am 8. März ist Internationaler Frauentag

Am 8. März ist Internationaler Frauentag

Am 8. März werden Frauen international gefeiert. In Berlin ist er seit 2019 ein gesetzlicher Feiertag. Ein weiteres Bundesland zieht 2023 nach.

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Berlin.  Sexismus gibt es bis in die Regierungsebenen. Wie drei Ministerinnen damit umgehen – und was sie für Gleichberechtigung tun wollen.

Acht der 16 amtierenden Bundesministerinnen und Bundesminister sind Frauen. Diese Gleichberechtigung ist in der Politik noch immer keine Selbstverständlichkeit. Gerade einmal drei der 16 Bundesländer werden von Frauen regiert, im Deutschen Bundestag sitzen zu zwei Dritteln Männer.

Unsere Redaktion hat anlässlich des Internationalen Frauentages drei Ministerinnen der Ampel-Koalition nach ihren Erfahrungen und ihren Plänen gefragt, was sich ändern muss.

Anne Spiegel (Grüne), Familien- und Frauenministerin:

Sexismus sei ein alltägliches Phänomen, das viele Frauen betreffe, sagt Bundesfamilienministerin Anne Spiegel – auch sie selbst: „Ich bin seit über 20 Jahren in der Politik und habe dort leider auch Sexismus erfahren.“

Sexismus sei ein Ausdruck von ungleichen Machtstrukturen zwischen den Geschlechtern. „Und er ist auch deshalb so gefährlich, weil Sexismus ein Nährboden für Gewalt gegen Frauen ist. Wenn wir es schaffen, Sexismus in unserer Gesellschaft zu bekämpfen, dann bekämpfen wir auch Gewalt gegen Frauen und Mädchen.“ Das sei ihre Motivation, Gleichstellung voranzubringen.

„Am Internationalen Frauentag feiern wir, was für die Geschlechtergerechtigkeit schon alles erreicht wurde“, sagte die Grünen-Politikerin. „Und wir richten unseren Blick nach vorn und sehen, dass es noch jede Menge zu tun gibt.“ Das schaffe weder die Frauenministerin noch Frauen alleine. „Nur gemeinsam können wir einen Unterschied erreichen. Dafür brauchen wir die gesamte Gesellschaft und jeder kann einen Teil dazu beitragen. Wir dürfen im Kampf für Gleichberechtigung nicht nachlassen.“

Um ungleiche Machtverhältnisse zu ändern, brauche es vielfältige Ansätze, erklärte die Grünen-Politikerin. Ihr Ministerium entwickele deshalb unter anderem das Entgelttransparenzgesetz weiter, stärke die Erwerbstätigkeit von Frauen und fördere die partnerschaftliche Verteilung von Sorgearbeit zwischen Frauen und Männern. „Dafür verbessern wir beispielsweise das Elterngeld und den Kündigungsschutz nach Elternzeit, treiben den Ausbau der Ganztagsbetreuung voran und setzen uns entschieden für mehr Frauen in Führungspositionen ein.“

Mit der Zustimmung Deutschlands zur europäischen Führungspositionen-Richtlinie sei zudem ein echter Durchbruch gelungen. Außerdem kämpfe sie für mehr Prävention von Gewalt gegen Frauen und Mädchen und Hilfe für Betroffene.

Bettina Stark-Watzinger (FDP), Bildungsministerin:

An den deutschen Universitäten ist man von Gleichberechtigung noch weit entfernt. Zwar erwerben mehr Frauen als Männer einen Hochschulabschluss, gerade einmal ein Viertel der Professuren in Deutschland ist mit Frauen besetzt. Das sei „nicht länger tragbar“, schimpft Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger.

Bis zum Ende des Jahrzehnts müsse der Rückstand deshalb kräftig aufgeholt werden. Sie werde dazu das Professorinnen-Programm von Bund und Ländern weiter stärken, sagte die FDP-Politikerin „Hierzu werden wir Verhandlungen mit den Ländern aufnehmen“, kündigte Bettina Stark-Watzinger an. Gleichzeitig müsse man die Sichtbarkeit und Repräsentanz von Frauen in Wissenschaft, Forschung und Innovation weiter erhöhen. Dazu seien mehr weibliche Rollenvorbilder, insbesondere im MINT-Bereich, nötig.

Klara Geywitz (SPD), Bauministerin:

Sie leitet eine Männerdomäne: Klara Geywitz führt das Bauministerium. „Gerade in technischen Berufen müssen Frauen häufiger Fakten zitieren als Männer. Männern wird qua Geschlecht mehr Sachkunde unterstellt. Ein Trugschluss“, sagt die SPD-Politikerin. Selbst heute werde sie schonmal „als Klärchen oder mein Mädel“ bezeichnet. „Nett gemeint, ist aber voll daneben.“

Politisch gebe es viel, das getan werden müsse: „Bezahlbare Wohnungen unter anderem für Alleinerziehende, Städte ohne Angsträume, die verdeckte Obdachlosigkeit gerade bei Frauen sichtbar machen und gegenwirken“, zählt Geywitz auf. Auch brauche es mehr Frauen beim Bau und im Handwerk. „Mit Frauen geht es besser“, sagt Geywitz.

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