Schülerstreiks

Fridays-For-Future-Demos: Bußgeld und Zeugnisvermerk möglich

Unter dem Motto „Fridays for Future“ haben NRWs Schüler in den vergangenen Monaten für eine andere Klimapolitik demonstriert. Am Freitag gibt es Zeugnisse – und möglicherweise die Quittung für ihr Fehlen.

Unter dem Motto „Fridays for Future“ haben NRWs Schüler in den vergangenen Monaten für eine andere Klimapolitik demonstriert. Am Freitag gibt es Zeugnisse – und möglicherweise die Quittung für ihr Fehlen.

Foto: Marcel Kusch / dpa

NRW.  NRW-Schüler könnten die Folgen der Klima-Demos auf dem Zeugnis zu spüren bekommen. Laut Schulgesetz sind im Extremfall auch Bußgelder möglich.

Kurz vor den Sommerferien in NRW machen sich viele Schüler Gedanken, wie sich das Schule schwänzen fürs Klima auf ihre Zeugnisse auswirken wird. Für die aktuelle Woche hat die Kölner Ortsgruppe von Fridays For Future dazu aufgerufen, von Montag bis Freitag zu streiken und auch nachts in der Innenstadt von Köln gegen die aktuelle Klimapolitik zu protestieren. Rund 500 Teilnehmer beteiligten sich laut dpa über den Dienstag verteilt am ersten ganztägigen Streik. Nach den letzten Zeugniskonferenzen am Mittwoch könnten es aber weitaus mehr werden.

Ob sich die Proteste für die Schüler in Form von Sanktionen rächen werden, steht noch nicht genau fest. Im Umgang mit Schulschwänzern stehen in NRW verschiedene Maßnahmen zur Verfügung. Neben Ermahnungen oder Ansprachen des Direktors sind so auch Bußgelder möglich. Im vergangenen Jahr wurden landesweit rund 8000 Bußgeldverfahren für Schulversäumnisse gegen Schüler oder Eltern verhängt.

Fridays For Future – Schulministerium spricht von erzieherischen Maßnahmen

Für die Einleitung solcher Ordnungswidrigkeitsverfahren für die weiterführenden Schulen sind die jeweiligen Bezirksregierungen zuständig. So erklärt beispielsweise die Behörde in Düsseldorf auf Anfrage: „Die Festsetzung der Höhe des Bußgeldes ist eine Ermessensentscheidung.“ Grundsätzlich sei eine Geldstrafe von 40 Euro bis 1000 Euro je Verfahren möglich.

Auf Nachfrage dieser Redaktion spricht sich das NRW-Schulministerium zwar positiv gegenüber dem zivilgesellschaftlichen Engagement von Schülern aus, betont allerdings gleichzeitig: „Die Teilnahme an Schülerstreiks während der Unterrichtszeit darf nicht auf Kosten des Schulbesuchs gehen und ist daher unzulässig.“

Wer die Schulpflicht verletze, den könnten „verschiedene erzieherische Maßnahmen“ erwarten. So kann unentschuldigtes Fehlen auf dem Zeugnis dokumentiert werden.

Schulschwänzen für Fridays For Future kann eine 6 bedeuten

„Einige bekommen wirklich Probleme“, weiß Timon Nikolaou vom Vorstand der „Landesschüler*innenvertretung NRW“. So kenne er Schulen, in denen jede einzelne Unterrichtsstunde benotet werde. „Fehlt man unentschuldigt, bedeutet das automatisch für diese Stunde die Note 6.“

Vor allem in der Oberstufe müssten Schüler also abwägen, ob sie sich das Demonstrieren überhaupt leisten könnten. „Viele sagen, dass die Schülerinnen und Schüler es sich bequem machen“, sagt er. „In Wahrheit machen sie es sich aber sehr viel unbequemer.“

Fridays For Future – Schüler nehmen schlechtere Noten auf Zeugnis in Kauf

Auch Nikolaou selbst hat es sich nicht leicht gemacht. Der 18-Jährige geht in die Oberstufe einer Waldorfschule in Bochum und hat eine Vielzahl unentschuldigter Fehlstunden angesammelt.

Seit dem 18. Januar hat er an fast jeder Fridays-For-Future-Demonstration teilgenommen und so häufig zwei der drei Stunden seines Leistungskurses verpasst. „Darunter hat bei mir das Fach Geschichte besonders gelitten“, sagt er. „Aber ich habe schlechte Klausuren in Kauf genommen, weil es mir wichtiger war, zu demonstrieren.“

Lehrerverbände geben keine Handlungsempfehlung

Wie die einzelnen Schulen mit den Fridays-For-Future-Demonstrationen am besten umgehen sollten, dafür sprechen Lehrerverbände keine Empfehlung aus.

Jochen Smets, Pressesprecher von Lehrer NRW, hält fest: „Unser Credo ist, die Fridays-For-Future-Bewegung als meinungsbildende Möglichkeit nicht abzuwürgen. Es bleibt aber eine individuelle Entscheidung der Schülerinnen und Schüler sowie der Lehrkräfte, wie sie damit umgehen.“

Fridays for Future – Schulleiter in NRW handeln unterschiedlich

Frank Grabowski, Schulleiter an der Gesamtschule Hagen Eilpe, sieht für die Schulen allerdings keinen großen Handlungsspielraum. Persönlich fände er das Engagement war gut, aber: „Dass es ausgerechnet während der Schulzeit stattfindet, ist schwierig.“ Denn als Schulleiter sei er nun mal für die Erfüllung der Schulpflicht verantwortlich.

Er betont jedoch auch: „Mir ist an meiner Schule noch keiner untergekommen, der auf Grund der unentschuldigten Fehlstunden Angst vor den Zeugnissen hat.“

Kreative Lösungen für Fridays-For-Future-Jugendliche

In einer ähnlichen Zwickmühle befindet sich auch Astrid Czubayko-Reiß, Schulleiterin am Grafschafter Gymnasium in Moers: „Ich sympathisiere mit der Bewegung, möchte aber gleichzeitig nicht die Achtung der Schulpflicht verletzen.“ Bei der Sekundarstufe I dulde die Rektorin grundsätzlich kein Schule schwänzen fürs Klima, da sie ihrer Aufsichtspflicht nachkommen müsse.

Für alle anderen Jahrgangsstufen aber habe sie eine kreative Lösung gefunden: „Ich bin gesprächsbereit, wenn es darum geht, dass die Schüler den Stoff nacharbeiten oder die Demo für den Unterricht nachbereiten.“

Die Vorgehensweise habe vor allem deshalb so gut funktioniert, weil die Schüler selbst verantwortungsbewusst damit umgegangen seien. „Sie haben verstanden, dass die Schulpflicht sehr wichtig ist.“ Und so müsse auch an ihrer Schule am Ende des Schuljahres keiner Angst vor den Zeugnissen haben.

Fridays for Future – Landesschülervertretung NRW fordert Streikrecht für Schüler

Damit die Jugendlichen das in Zukunft auch flächendeckend von sich behaupten können, fordert die „Landesschüler*innenvertretung NRW“ von der Politik ein Streikrecht für Schüler. „Wir finden politische Partizipation wichtig, Schülerinnen und Schüler sollten grundsätzlich mitgestalten dürfen“, sagt Timon Nikolaou. Denn, so betont er: „Streiken ist ein Grundrecht, das auch ihnen eingestanden werden sollte.“

Leserkommentare (44) Kommentar schreiben