Klimaschutz

„Fridays for Future“-Kämpfer zu Politik: Fühlen uns verraten

Seit Monaten demonstrieren junge Bürgerinnen und Burger Freitags für mehr Klimaschutz.

Seit Monaten demonstrieren junge Bürgerinnen und Burger Freitags für mehr Klimaschutz.

Foto: Marcel Kusch / dpa

Berlin  Nach einem halben Jahr von Protesten treffen in Berlin Klimaaktivisten auf Bundestagsabgeordnete. Der Ton ist höflich, aber hart.

Seit rund sechs Monaten demonstrieren vor allem Schülerinnen, Schüler und Studierende mittlerweile an vielen Freitagen als „Fridays for Future“-Bewegung für den Kampf gegen den Klimawandel. Die Resonanz ist riesig, die Aufmerksamkeit ihnen sicher – und doch ist bislang „nix passiert“, wie die Bewegung kürzlich selbst bilanzierte.

Die Erfüllung der Forderungen durch die Politik lässt auf sich warten. Am Montag trafen sich fünf Aktivisten und Aktivistinnen der Bewegung in Berlin mit je einem Vertreter der Bundestagsfraktionen. „Wir können an einem bestimmten Punkt nicht mehr weiter“, sagte Svenja Kannt, die für die Schüler- und Studierendenbewegung mit am Tisch saß. „Deswegen sitzen wir hier und versuchen mit Ihnen ins Gespräch zu kommen.“

„Fridays for Future“ und die Politik, das ist ein zwiespältiges Verhältnis. Einerseits haben die Streikenden viel Zuspruch erhalten, bis hoch zur Kanzlerin. Andererseits, sagte Sebastian Grieme, einer ihrer Vertreter, den sechs Abgeordneten, fühle man sich „verraten – weil Ihre Parteien, trotz andauernder Beteuerung, wie wichtig Ihnen ,Paris’ ist, einfach nicht umsteuern.“

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter will Stahlarbeiter „mitnehmen“

Die Diskussion im Berliner Naturkundemuseum war dementsprechend zwar höflich, aber auch hart: Die Aktivistinnen und Aktivisten machten klar, dass die Beschränkung der Erderwärmung auf 1,5 Grad für sie nicht verhandelbar ist. „Das ist unsere Lebensversicherung.“ Fast alle Abgeordneten stimmten zu – und verwiesen auf die Schwierigkeiten in der Umsetzung.

Ob 100 Prozent erneuerbare Energien oder Ausstieg aus dem Verbrennungsmotor: „Es ist entscheidend, dass wir jetzt ganz ganz schnell anfangen“, sagte Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter. Aber: „Am Ende kommt es drauf an, Klimaschutz nicht nur zu fordern, sondern auch umzusetzen.“ Deswegen müssten auch der „Stahlarbeiter“ und „die Arbeiter in den Autofabriken“ mitgenommen werden. Gesellschaftlicher Konsens sei wichtig, sagte auch Klaus Mindrup (SPD). Mindrup, seit langem als Klimapolitiker aktiv, räumte allerdings auch ein: „Es gibt keine schlüssige Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung.“

Rückblick:

Die Linke lobt die Bewegung – und wird abgewatscht

Lorenz Gösta Beutin (Linke) lobte sowohl die „Fridays for Future“-Bewegung als auch die Aktivisten von

besetzt hatten. Ohne den Druck der Straße, so Gösta Beutin, werde sich nichts verändern. „Wir brauchen massenhaften zivilen Ungehorsam.“ Zudem müsse die Politik für Klimaschutz bereit sein, sich auch mit Konzernen anzulegen. „Fridays for Future“-Aktivistin Lucie Weber erinnerte daran, dass auch Parteien, die im Bund in der Opposition sind, auf Landes- und kommunaler Ebene Verantwortung tragen.

Vertreter von CSU und FDP betonten, dass die angestrebte deutsche Vorreiterrolle nur funktioniere, wenn es auch attraktiv sei für andere Länder, den deutschen Weg mitzugehen. Es sei außerdem „schon ein bisschen zu leicht, zu glauben, die Politik müsse nur schnipp machen und alle Probleme wären gelöst“, sagte der CSU-Politiker. Letzten Endes werde Klimaschutz nur funktionieren, wenn jeder einzelne sich angesprochen fühlte. Lenz kritisierte auch, dass die Sprecher von

als Stellvertreter ihrer gesamten Generation auftreten würden: „Ihr seid nicht die alleinigen Vertreter der Jugend.“

Rückblick:

Und die AfD? Man leugne den Klimawandel nicht, erklärte Karsten Hilse, der für die Partei am Tisch saß. Doch meldete er Zweifel an, ob das – wie es in der Wissenschaft weitestgehend Konsens ist – wirklich eine Folge höherer CO2-Dimensionen sei.

Klimaaktivistin Lucia Parbel zog zum Ende Veranstaltung Bilanz: „Wir werden noch lange streiken müssen.“

Leserkommentare (70) Kommentar schreiben