Probelauf

Polizei-Gewerkschaft will in NRW Elektroschocker testen

Ein sogenannter Taser wird während einer Sitzung des Innenausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses präsentiert.

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Ein sogenannter Taser wird während einer Sitzung des Innenausschusses des Berliner Abgeordnetenhauses präsentiert. Foto: dpa

Düsseldorf.   Die Landesregierung plant einen Test der sogenannten Taser bei der NRW-Polizei. Jetzt hat sich auch die Gewerkschaft GdP dafür ausgesprochen.

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Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat sich für einen Probelauf mit Elektroschockpistolen in Nordrhein-Westfalen ausgesprochen. Man werde einen solchen Versuch bei der NRW-Polizei mittragen. Das hat GdP-Landeschef Arnold Plickert bei einer Tagung der NRW-Polizeipräsidenten in Mettmann angekündigt.

Damit vollzog die Gewerkschaft einen Sinneswandel: Vor einiger Zeit hatte sich ein Landesdelegiertentag noch mehrheitlich gegen die als Taser bekannten Waffen ausgesprochen. "Wir haben unsere Meinung korrigiert. Das liegt auch an der Weiterentwicklung der Elektroschockpistolen", sagt Stephan Hegger, Pressesprecher der Gewerkschaft der Polizei.

Elektroschocker im Selbstversuch

Die Deutsche Polizeigewerkschaft filmt, wie ein Kollege sich mit einem Elektroschocker beschießen lässt.
Elektroschocker im Selbstversuch

Inzwischen gebe es aber eine neue Generation von Elektroschock-Geräten, die sich in Berlin als hoch abschreckend und deeskalierend erwiesen habe, sagte ein Gewerkschaftsprecher zum Sinneswandel Dort hätten Beamte 30 Mal mit dem Einsatz gedroht, die Waffe aber kein einziges Mal auslösen müssen. Die neuen Distanzwaffen markieren den Treffpunkt der Metallhaken auf dem Körper vorab mit Laser-Lichtpunkten.

Auch die Einführung von Bodycams steht im Raum

"Es ist eine Alternative zur Pistole, die sonst noch größere Verletzungen hervorrufen würde", so Hegger. Es sei ein alternatives Distanzmittel zur Entwaffnung und Überwältigung.

In ihrem Koalitionsvertrag hatte die schwarz-gelbe Landesregierung unter anderem einen Test der „Distanz-Elektroimpulsgeräte“ vereinbart. "Bis Ende des Jahres oder Anfang 2018 soll ein Gesetzesentwurf vorliegen und dann soll zeitnah der Test stattfinden", sagt Hegger.

Allerdings müssten noch Fragen geklärt werden, wann und im welchem Rahmen die Elektroschockpistolen eingesetzt werden sollen und wo sie am Körper getragen werden sollen. Konkrete Einsatzgebiete stehen noch nicht fest. "Hier in der Region ist der Einsatz in Angsträumen bzw. so genannten No-Go-Areas wie beispielsweise in Essen, Dortmund und Duisburg möglich."

Es spreche auch nichts gegen die Einführung von Bodycams für die Polizisten. Der derzeit laufende Pilotversuch könne aus Sicht der GdP verkürzt werden, sagte Plickert dem GdP-Sprecher zufolge. Die kleinere der beiden Polizeigewerkschaften, die DPolG, hatte sich bereits seit längerem für solch einen Test ausgesprochen.

Polizeigewerkschaft sieht Video-Überwachung kritisch

Kritischer äußerte sich der Gewerkschafts-Chef zur Ausweitung der Video-Überwachung: Diese mache nur Sinn, wenn in der Nähe der Kameras auch Polizei für ein sofortiges Eingreifen bereitstehe.

Die bayerische Landesregierung hatte am Montag angekündigt, weitere Polizisten in Bayern mit Elektroschockpistolen auszurüsten.

Die Elektroschockpistolen setzen den Getroffenen für mehrere Sekunden außer Gefecht. Sie funktionieren aber nicht immer: etwa wenn die Elektroden die Kleidung des Angreifers nicht durchdringen.

Mit den Elektroschockern kann ein Mensch für kurze Zeit handlungsunfähig gemacht werden - und das aus einer Distanz von mehreren Metern. Aus der Waffe werden dafür zwei kleine Pfeile an Drähten abgeschossen. Sie erzeugen einen Stromkreislauf und die Muskeln werden dadurch kurzzeitig blockiert.

Der Taser-Einsatz ist wegen der gesundheitlichen Risiken umstritten. "Bei gesunden Menschen ist der Stromschlag ungefährlich. Nur bei Menschen unter Alkohol- oder Drogeneinfluss und mit Herzproblemen kann es zu Problemen führen", so Hegger. (dpa)

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