Urteil

Zu klein für die Polizei: Bewerberin scheitert vor Gericht

Die Mindestgröße für Polizisten in Nordrhein-Westfalen ist laut Gerichtsurteil zulässig.

Foto: Christian Charisius

Die Mindestgröße für Polizisten in Nordrhein-Westfalen ist laut Gerichtsurteil zulässig. Foto: Christian Charisius

Düsseldorf.  Ein Gericht hat die neue Einheits-Mindestgröße für Polizisten in NRW für zulässig erklärt. Eine zu kleine Bewerberin hatte zuvor geklagt.

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Eine Welt bricht für die 1,60 Meter kleine Bewerberin nicht zusammen. Immerhin hat die 24-jährige Kampfsportlerin bereits die Einstellungstests bei der Bundespolizei sowie bei der Länderpolizei in Hessen und Niedersachsen bestanden. Aus Heimatliebe hätte die Duisburgerin ihre Ausbildung dennoch gerne bei der NRW-Polizei begonnen. Doch daraus wird nichts.

Sie sei nun einmal zu klein und damit ungeeignet, befindet das Verwaltungsgericht am Dienstag in Düsseldorf. Die neue Einheits-Mindestgröße von 1,63 Meter für Polizisten in Nordrhein-Westfalen sei zulässig, weil sachgerecht und nachvollziehbar. Die Berufung lässt das Gericht nicht zu (Az. 2 K 766/18).

Die Landesregierung hatte die Einheitsgröße vor einigen Monaten per Erlass festgelegt, weil die bisherigen unterschiedlichen Mindestgrößen für Männer (1,68) und Frauen (1,63) vom Oberverwaltungsgericht in Münster als rechtswidrig gekippt worden waren. Die 24-Jährige sei extrem sportlich, laufe Marathon und könne die fehlenden drei Zentimeter durch ihre Fitness spielend kompensieren, argumentierte ihr Anwalt Thomas Pünder.

Fitness und Muskelkraft der Bewerberin zählen nicht

Doch das sieht das Gericht anders: "Es gibt Sachen, die durch Muskelkraft nicht auszugleichen sind", sagt Richter Andreas Müller und wirbt um Verständnis: "Wir sehen natürlich, dass sie fit sind. Es ist eine Härte, aber irgendwo muss man auch mal einen Cut machen." Das Land habe nachvollziehbar dargelegt, dass eine Mindestgröße auch zum eigenen Schutz der Polizisten sachgerecht sei: Größere Polizisten könnten bei Verkehrskontrollen besser in Autos blicken und eher Gefahren erkennen. Sie liefen auch nicht Gefahr zu stolpern, weil der eigene Schlagstock in die Kniekehlen ragt.

Außerdem könne sich die aktuelle Fitness in 40 Berufsjahren verändern. Die komplette Ausrüstung eines Polizisten sei immerhin 22 Kilogramm schwer. Wenn dann noch eine 20-Kilo-Ramme zu tragen sei, sollten die Beamten nicht allzu zierlich sein."Körperliche Präsenz und Robustheit sind ganz wichtig", betont Victor Ocansey vom Landesamt der Polizei für Ausbildung. Die Mindestgröße von 1,63 Meter resultiere nicht "aus einem Bauchgefühl", sondern aus der Summe der Untersuchungen. Etwa bei der Festnahme von Menschen, die Widerstand leisten, zählten nicht nur Muskelkraft, sondern auch Hebelkräfte, die größenabhängig seien.

Kleine Polizisten könnten ein Risiko für sich und ihre Kollegen darstellen

Es gehe auch um die Fürsorge für die angehenden Polizeibeamten, hatte der Vertreter des Landes argumentiert. Zu kleine Polizisten könnten ein Risiko für sich und ihre Kollegen darstellen. Mit 1,63 Metern bleibe man immerhin rund fünf Zentimeter unter der Durchschnittgröße von Frauen im Bewerberinnenalter.

Im Gegensatz zu der Frage, wie groß Tätowierungen auf Polizistenhaut sein dürfen, liege kein Eingriff in die persönlichen Freiheitsrechte vor: "Die Körpergröße ist, wie sie ist", sagt Müller. Deswegen sei in diesem Fall kein Gesetz notwendig und ein Erlass ausreichend.

Dass in anderen Bundesländern und bei der Bundespolizei andere Vorgaben existieren, sei dabei egal: "Das können die Bundesländer halten, wie sie wollen. Wir sind ein föderaler Staat", so der Richter.Der Trost: Für die Duisburgerin steht der Polizeiberuf immer noch offen, da sie ja beispielsweise als Bundespolizistin die Aufnahme geschafft hat. So könnte sie bald trotz der Entscheidung doch Seite an Seite mit ihren etwas größeren NRW-Kollegen ausrücken - bei gemeinsamen Einsätzen von Bundes- und Landespolizei.(dpa)

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