Doppelspitze

Gesine Schwan will die SPD führen – mit Kevin Kühnert

Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan stünde für den SPD-Parteivorsitz bereit.

Politikwissenschaftlerin Gesine Schwan stünde für den SPD-Parteivorsitz bereit.

Foto: Peter Hartenfelser / imago/Hartenfelser

Berlin  Ein SPD-Duo bestehend aus Gesine Schwan und Kevin Kühnert? Erstere kann sich das gut vorstellen. Was der Juso-Vorsitzende wohl denkt?

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Sie ist 76, er bald 30 – wird aus Gesine Schwan und Kevin Kühnert am Ende ein Dream-Team, das die malade SPD aus der Krise führt? Darauf sollte man keine Wetten abschließen. Schwan, die zweimal gescheiterte Kandidatin für das Bundespräsidentenamt, ist aber die erste prominente Genossin, die nach der Entscheidung der Parteiführung für eine Doppelspitze zumindest in eigener Sache selbstbewusst in die Offensive geht.

Im Interview mit dem Deutschlandfunk betonte die Politikwissenschaftlerin zwar, sie wolle von sich aus nicht kandidieren. Sie stehe aber für den Posten bereit, „wenn die Bitte an mich herangetragen würde und wenn die auch eine erhebliche Unterstützung hätte“.

Über Juso-Chef Kühnert sagte sie, sie habe ihn nicht als Revoluzzer, sondern als fair und nachdenklich-argumentativ erlebt. „Das ist eine sehr wichtige Voraussetzung, wenn man kooperieren wollte.“ Allerdings kann sich Schwan kaum vorstellen, dass Kühnert überhaupt Interesse hat, Teil einer Doppelspitze zu sein. „Der ist 29, und der hat noch viel vor sich.“

Kühnert hat wenig politische Erfahrung

Kühnert, der Posterboy der No-GroKo-Bewegung in der SPD, schweigt seit Wochen über mögliche Ambitionen. Gegen den rhetorisch starken, populären Jungsozialisten aus Berlin gibt es in der SPD-Funktionärsschicht starke Vorbehalte. Kühnert hat – außer seiner Zeit als Juso-Vorsitzender – noch nie ein politisches Amt oder Mandat ausgefüllt. Außerdem hat er keinerlei Erfahrung in der Leitung einer großen Organisation.

Auch Schwan hatte nie ein Regierungsamt. „Es ist vielleicht ein Vorteil, dass ich keine Berufspolitikerin bin und auch nicht war“, sagte sie. Schwan war 2004 von SPD und Grünen für das Amt der Bundespräsidentin vorgeschlagen worden. Sie unterlag bei der Wahl jedoch Horst Köhler. 2009 trat sie noch einmal gegen Köhler an und verlor erneut. Schwan war lange Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder). Später leitete sie die Humboldt-Viadrina School of Governance in Berlin. Derzeit ist sie Vorsitzende der Grundwertekommission der SPD.

SPD will mit Doppelspitze aus der Krise finden
SPD will mit Doppelspitze aus der Krise finden

Außer Schwan hat bislang nur der nordrhein-westfälische SPD-Politiker Thomas Kutschaty Interesse an einer Führungsrolle in der Bundespartei signalisiert. Am Montag hatte der SPD-Vorstand beschlossen, dass nach dem Rücktritt von Andrea Nahles eine Doppelspitze etabliert werden soll. Auch Einzelkandidaturen sind möglich.

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Finanzminister Olaf Scholz (SPD) bekräftigte, dass er nicht zur Verfügung steht. „Auch für zwei Vorsitzende ist es eine sehr anspruchsvolle Aufgabe, die SPD wieder nach vorn zu bringen“, sagte er dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Er sei fest davon überzeugt, dass in dem eingeschlagenen Weg eine großartige Chance für die SPD liege. Die neue Parteispitze soll nach einer Mitgliederbefragung auf einem Parteitag in Berlin Anfang Dezember gewählt werden. Dann fällt auch die Entscheidung über die Fortsetzung der Koalition.

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