Bildung

Gewerkschaft will Lehrer mit Zulage an Problemschulen locken

Dorothea Schäfer sitzt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW vor.

Dorothea Schäfer sitzt der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in NRW vor.

Foto: Sebastian Konopka

Essen.   Strammer Forderungskatalog zum GEW-Gewerkschaftstag: mehr Geld für Grundschullehrer, mehr Anreize für Quereinsteiger, mehr Hilfen für Brennpunkte

Noch ist NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) vollauf mit der Rückkehr zur längeren Schulzeit am Gymnasium beschäftigt, da wird sie schon mit weiteren Forderungen konfrontiert: mehr Geld für die Grundschullehrer, Erleichterungen für die Einstellung von „Seiteneinsteigern“ sowie eine bessere Ausstattung für Brennpunktschulen. Das sind die Kernpunkte der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), die sie beim Gewerkschaftstag am heutigen Samstag in Duisburg formulieren und verabschieden wird.

„Bildung statt Spaltung“ lautet der programmatische Titel der Veranstaltung mit rund 400 Delegierten. Sie wollen Wege aufzeigen, wie der oft beklagte Zusammenhang zwischen Herkunft und Bildung aufgebrochen werden kann.

Gewerkschaftschefin: Bis zu 2000 weitere Stellen nötig

„Schulen, die es schwer haben, müssen stärker unterstützt werden“, sagt Dorothea Schäfer, Vorsitzende der GEW in NRW. „Da fehlt es an einer gezielten Steuerung des Landes.“ Schulen in sozialen Brennpunkten suchten händeringend Lehrer, die sich aber oft lieber an gut ausgestatteten Schulen in bürgerlichen Vierteln bewerben. Schäfer fordert die Einführung eines „schulbezogenen Sozialindexes“, über den Schulen mit schwieriger Ausgangslage mit mehr Lehrern, besserer Ausstattung sowie Sozialarbeitern unterstützt werden.

Konkret fordert die GEW eine Reduzierung der Klassengrößen, die Einrichtung eines gebundenen Ganztags, finanzielle Zulagen für Lehrer und mehr Fachkräfte. Mindestens 2000 zusätzliche Stellen an Grund-, Haupt- und Gesamtschulen seien nötig, errechnete die GEW.

Gleich lange Ausbildung, unterschiedliches Gehalt

Um den Lehrermangel – vor allem an Grundschulen – zu bekämpfen, müssten die Bedingungen für „Seiteneinsteiger“ erleichtert werden, so GEW-Vorsitzende Schäfer. Das Vorhaben der Landesregierung, Gymnasiallehrer (Sekundarstufe II) vorübergehend für einen Einsatz an Grundschulen zu begeistern, sei weitgehend gescheitert. „2400 Lehrer wurden angeschrieben, nur 24 haben sich bereit erklärt, befristet an einer Grundschule zu unterrichten“, sagt Schäfer. „Sie ziehen eine besser bezahlte Stelle an einem Gymnasium vor.“

Auch hier seien finanzielle Anreize nötig sowie eine Ausweitung des Fächerspektrums. Seiteneinsteiger, Lehrkräfte ohne entsprechendes Lehramtsstudium oder Referendariat, dürfen an Grundschulen Kunst, Musik, Sport und Englisch unterrichten.

Druck macht die GEW auch bei der Bezahlung der Grundschullehrer. Schäfer: „Es gibt keine sachlichen Gründe, Lehrkräfte an Grundschulen und Sekundarstufe I schlechter zu bezahlen. Die Hochschulausbildung ist für Lehrer aller Schulformen gleich lang.“ Laut GEW liegt der Gehaltsunterschied bei rund 600 Euro im Monat. Eine Angleichung würde das Land im letzten Schritt pro Jahr rund 587 Millionen Euro kosten.

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