Debatte um Studien-Zeiten

Hochschulen fordern Gebühr für Langzeit-Studenten

Die meisten Studenten sind an einem raschen Abschluss interessiert, doch manche sind auch 20 Semester oder noch länger eingeschrieben.

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Die meisten Studenten sind an einem raschen Abschluss interessiert, doch manche sind auch 20 Semester oder noch länger eingeschrieben. Foto: dpa

Düsseldorf.   In NRW studieren rund 74 000 Menschen im 20. oder einem noch höheren Semester. Die Hochschulen fordern für sie jetzt Extra-Gebühren.

Die NRW-Hochschulen möchten Zehntausende Langzeitstudenten zur Kasse bitten. Der Chef der Landesrektorenkonferenz der Fachhochschulen, Prof. Marcus Baumann, hält eine Zwangsgebühr für sinnvoll, wenn die Regelstudienzeit deutlich überschritten wird. „Wir haben mit den in der Vergangenheit auch in NRW bereits praktizierten Gebühren für Langzeit-Studierende gute Erfahrungen gemacht“, so Baumann in einer Stellungnahme an den Wissenschaftsausschuss des Landtages. Auch die Rektoren der NRW-Unis stehen der Wiedereinführung dieser Gebühr „offen gegenüber“.

Während die Landesregierung die Einführung von Studiengebühren für Nicht-EU-Ausländer vorbereitet, kommen aus den Hochschulen ganz andere Ideen. Laut Marcus Baumann wäre eine Gebühr für Langzeitstudenten viel „sinnvoller“ als eine für Ausländer. Die Hochschulen bezweifeln nämlich, dass Verwaltungsaufwand und Ertrag bei einer Ausländergebühr „in einem vertretbaren Verhältnis stehen“.

Studentenvertreter warnen vor „Diskriminierung“

Bei Geldforderungen an Langzeitstudenten wären wohl höhere Erträge möglich. Laut Statistischem Landesamt waren im Wintersemester 2016/17 rund 74 000 Studenten in NRW im 20. oder in einem noch höheren Hochschulsemester – immerhin jeder zehnte Studierende. Dabei sollte die Umstellung auf Bachelor- und Masterstudiengänge die Studienzeiten eigentlich deutlich verkürzen. Über die Gründe für die lange Studiendauer gibt es wenige Informationen. Vorteile beim Zugang zu einem günstigen Nahverkehrsticket und beim Krankenversicherungstarif dürften aber eine Rolle spielen. „Wir wollen diese ,Ticket-Studenten’ nicht“, so Baumann

Bis zu 500 Euro Gebühren pro Semester für Langzeitstudenten werden in Bremen, Niedersachsen, Saarland, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen erhoben. In NRW hatte im Jahr 2004 die damalige rot-grüne Landesregierung solche Gebühren eingeführt. Schwarz-Gelb bat dann ab 2006 praktisch alle Studenten zur Kasse. Die Regierung Kraft schaffte diese allgemeinen Beiträge dann wieder ab, auch die Forderungen an Langzeitstudenten waren kein Thema mehr.

Studentenvertreter warnen vor Änderungen: „Ob Langzeitstudierende oder Nicht-EU-Ausländer – Gebühren sind in jedem Fall diskriminierend“, sagte Michael Schema vom Bund der Studentenvertretungen in NRW.

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