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Immer mehr Fahrschüler fallen durch die theoretische Prüfung

125.00 Fahrschüler sind 2016 in NRW durch die theorethische Füherscheinprüfung gefallen.

Foto: Lars Heidrich

125.00 Fahrschüler sind 2016 in NRW durch die theorethische Füherscheinprüfung gefallen. Foto: Lars Heidrich

Essen.  125.000 Fahrschüler haben 2016 in NRW die theoretische Prüfung nicht bestanden. Diese Zahl wächst seit 2014. Ein Experte sagt, woran es liegt.

Führerscheinprüfung? Die Theorie? Die Kreuzchen auf den Bögen zu machen war über viele Jahrzehnte der leichtere Part beim Einstieg ins Autofahrerdasein. Doch das ändert sich gerade gewaltig. 375.000 Fahranfänger haben 2016 in Nordrhein-Westfalen die theoretische Prüfung abgelegt. Rund 125.000 sind dabei erst einmal durchgefallen. Das sind 32,9 Prozent – deutlich mehr als noch 2013. Fast jeder Dritte schafft es heute nicht auf Anhieb. Wie kommt das?

Das Kraftfahrtbundesamt bestätigt den Durchfall-Trend. „Während der Anteil nicht bestandener praktischer Prüfungen in den vergangenen Jahren stets bei etwa 26 Prozent lag, nahm der Anteil der nicht bestandenen theoretischen Prüfungen in den letzten Jahren zu“, sagt die Flensburger Behörde.

Die Prüfungen sind schwieriger geworden

Was auch die NRW-Zahlen ganz deutlich zeigen: Zwischen 2007 und 2013 schwankte hier die Misserfolgs-Quote zwischen 26 und 28 Prozent. Seither geht es steil nach oben. 2014 waren es 30,3, 2015 dann schon 31,3 Prozent.

Friedel Thiele ist Vorsitzender des Fahrlehrer-Verbandes Westfalen mit Sitz in Recklinghausen. Seine Ursachenforschung fällt deutlich aus: „Die Prüfungen sind schwieriger geworden“. Den Grund sieht er in den Videosequenzen, die eben seit 2014 in die Theorieprüfung eingespielt werden. „Die Anforderungen steigen damit. Das kann man nicht auswendig lernen“. Es ist auch aus seiner Sicht ein Zugeständnis an eine verstärkte Sicherheits-Prävention.

Fahrausbildung wird in 13 Sprachen angeboten

Mindestens zwei 15 Sekunden lange Filme bekommen die Fahrschüler seither vorgespielt. Es sind Szenen, die im Alltagsverkehr auftauchen. Zum Beispiel auf dem Bürgersteig spielende Kinder, die plötzlich hinter einem vorne rechts parkenden Fahrzeug verschwinden. Der lernende Betrachter, vor dem Bildschirm in die Position des durch die Straße gleitenden Fahrers versetzt, muss die Gefahr erahnen und bremsen: Denn gleich könnten die Kids auf die Fahrbahn rennen. Die zugehörigen Fragen dazu bekommt der Aspirant erst nach Ende des Filmchens gestellt.

Eine zweite Entwicklung treibt die Durchfallquote nach oben, wenn auch nicht so entscheidend wie die neuen Prüfungsmodi. Mit dem steigenden Anteil der Migranten in der bundesdeutschen Gesellschaft kommen auch immer mehr Fahrschüler aus dem Ausland. Als einziges Land in Europa bietet Deutschland die Fahrausbildung sogar in insgesamt 13 Sprachen einschließlich des Deutschen an. Zuletzt ist Hocharabisch dazugekommen. Aber auch hier zeigt sich, dass dies nicht immer alle Defizite ausschalten kann. Junge Migranten fallen trotzdem öfter durch die Theorie-Prüfung. An manchen Orten müssen bis zu 59 Prozent die Tests wiederholen.

Führerschein mit 17 als Erfolgsmodell

Doch auch die Gegenentwicklung gibt es, berichtet Friedel Thiele. Wer schon mit 17 den Führerschein macht und dann – meist durch die Eltern – begleitet fahren darf, strengt sich offenbar mehr an. Deutlich weniger fallen durch, sagt er. Der frühe Führerschein: offenbar schon in der Ausbildung ein Erfolgsmodell.

NRW liegt mit den Durchfallquoten bei der Theorie immer noch unter dem Bundesdurchschnitt, zeigen die Daten des Kraftfahrtbundesamtes. In Berlin und Ostdeutschland werden regelmäßig über 40 Prozent Wiederholer registriert, in Hamburg sind es sogar 40 Prozent bei der praktischen Prüfung. Da ist NRW mit 27,1 Prozent im Mittelfeld, obwohl, berichtet der Verbandsvorsitzende, die Praxis-Durchfallquoten von Region zu Region schwanken. So gilt Dortmund, bei einer ähnlichen hohen Quote wie in Hamburg, als problematisch.

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