Bevölkerung

Immer mehr Singles in NRW: Jeder Fünfte lebt allein

Viele Menschen in NRW leben allein. Vor allem in Großstädten nimmt diese Lebensform zu.

Viele Menschen in NRW leben allein. Vor allem in Großstädten nimmt diese Lebensform zu.

Essen.  3,4 Millionen Menschen in NRW leben allein. Viele tun das sehr bewusst. „Die familiären Bindungen werden lockerer“, sagen Soziologen.

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Immer mehr NRW-Bürger leben allein. Innerhalb von zehn Jahren ist die Zahl der Single-Haushalte um eine halbe Million auf über 3,4 Millionen gestiegen. Wie eine Studie des Landesstatistikdienstes „IT NRW“ zeigt, lebte 2015 fast jeder Fünfte im Land allein. 2005 lag dieser Anteil noch bei 16,4 Prozent.

Die stärksten Zuwächse gab es bei den 35- bis 64-Jährigen, also derjenigen Altersgruppe, die traditionell am wenigsten von Alleinsein betroffen ist. Der Anteil der Alleinlebenden stieg hier in zehn Jahren von 14,8 auf 19 Prozent. Mit einem Anteil von 21,7 Prozent waren Männern dabei besonders betroffen. Der Großteil dieser Männer mittleren Alters zählte zu den „echten Junggesellen“, Männer also, die noch nie verheiratet waren. Unter den alleinlebenden Frauen dieser Altersgruppe waren mehr als ein Drittel geschieden.

Alleinleben ist ein städtisches Phänomen

Auf der Grundlage von Mikrozensus-Befragungen haben die NRW-Statistiker auch soziale Hintergründe des Alleinlebens ausgeleuchtet. Demnach waren Alleinlebende zwischen 35 und 64 Jahren seltener erwerbstätig, öfter auf staatliche Transferleistungen angewiesen und stärker durch Armut bedroht als Männer und Frauen in Mehrpersonen-Haushalten. Rund jeder vierte Alleinlebende mittleren Alters musste zudem mit einem Einkommen unterhalb der Armutsgefährdungsgrenze auskommen. Alleinleben ist zudem ein städtisches Phänomen, wie ein Blick auf die Quoten im Ruhrgebiet zeigt (siehe Tabelle). Im Kreis Borken lag die Quote dagegen nur bei rund zehn Prozent, im Weseler Kreis bei knapp 14 Prozent.

Bevölkerungsforscher beobachten den Trend zur Vereinzelung schon lange. „Seit Jahren nimmt die Zahl der Single-Haushalte kontinuierlich zu“, sagte der Koblenzer Soziologe Steffen Kröhnert der WAZ. Die Ursachen seien vielfältig. Kröhnert: „Familiäre Bindungen werden lockerer, immer mehr Menschen entscheiden sich dagegen, in einer festen Gemeinschaften zu leben.“ Auch die zunehmende Mobilität im Arbeitsleben sei ein Faktor.

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