Berlin.

Integration als Daueraufgabe

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Berlin. Sie leben in Kleinfamilien, pachten Schrebergärten und träumen auf Deutsch: Etliche Zuwanderer in Deutschland übernehmen Lebensstile und Sitten der Einheimischen. Berliner Forscher haben in einer Studie gezeigt, dass Menschen mit Migrationshintergrund in ihrer gesamten Lebensführung den Deutschen immer ähnlicher werden: Sie heiraten seltener, trennen sich öfter und haben weniger Kinder als die Generationen vor ihnen. In Deutschland hat inzwischen jeder Fünfte einen Migrationshintergrund.
Ist die Integration also gelungen?
Noch lange nicht, sagen die Forscher des Berlin-Instituts für Bevölkerung und Entwicklung. Sie haben die Lage der Migranten in Deutschland mithilfe statistischer Daten des Mikrozensus untersucht. Das wichtigste Ergebnis: Insgesamt hat sich die Lage in den vergangenen Jahren verbessert – auch deshalb, weil auch die Migranten von der guten wirtschaftlichen Lage und dem Rückgang der Arbeitslosigkeit profitieren konnten. Doch die Unterschiede zwischen den einzelnen Herkunftsgruppen sind nach wie vor groß.


Abschied von der Großfamilie: Ändert sich das Familienbild der Zuwanderer?
Zuwanderer aus der Türkei, aus Ex-Jugoslawien und dem Nahen Osten bekommen nach wie vor mehr Kinder als Einheimische. Im Jahr 2012 hatten Frauen dieser Herkunftsländer durchschnittlich zwischen 1,6 und 1,8 Kinder. Frauen aus Südeuropa dagegen haben sich bei der Kinderzahl mittlerweile der deutschen Entwicklung angepasst: In Familien mit italienischen, griechischen oder spanischen Wurzeln werden heute genauso wenige Kinder geboren wie bei ihren deutschstämmigen Nachbarn.


Wo gibt es noch Unterschiede in den Lebenswelten?
Beim Wohneigentum, zum Beispiel: Jeder zweite Einheimische lebt in der eigenen Wohnung oder besitzt ein Haus, bei den Migranten ist es nur jeder Dritte. Laut Statistischem Bundesamt haben Einheimische auch insgesamt mehr Platz zum Leben: Während Bürger ohne Migrationshintergrund pro Kopf auf durchschnittlich 46,8 Quadratmetern wohnen, haben Migranten pro Person nur 33,4 Quadratmeter zur Verfügung. Kleiner als erwartet dagegen ist der Unterschied bei der Frauenerwerbstätigkeit: Sieben von zehn deutschstämmigen Frauen zwischen 15 und 64 Jahren sind berufstätig - bei den Migrantinnen sind es immerhin sechs von zehn.


Wo gibt es die geringsten Integrationsprobleme?
Gut ausgebildete Zuwanderer aus EU-Ländern wie Frankreich oder Polen, aber auch junge Griechen oder Spanier, die aus ihren krisengeschüttelten Ländern nach Deutschland kommen, gehören oft zur europäischen Bildungselite. Doch selbst hier gibt es hohe Hürden auf dem deutschen Arbeitsmarkt: Auch bei guter Qualifikation hätten es Zuwanderer in Deutschland schwer, entsprechende Jobs zu finden. „Es hapert an nach wie vor an der Anerkennung von Abschlüssen“, so Institutsleiter Rainer Klingholz. Im vergangenen Jahr kamen 440 000 Zuwanderer – Deutschland liegt auf Platz zwei der größten Einwanderungsländer.


Welche Gruppe macht am meisten Sorgen?
Nach den Aussiedlern sind Zuwanderer aus der Türkei die größte Migrantengruppe in Deutschland – und nach wie vor die Gruppe mit den stärksten Integrationsproblemen. Hauptgrund sei das niedrige Bildungsniveau: Jeder fünfte aus der Türkei zugewanderte Mann und jede dritte Frau hat keinen Schulabschluss. Anders als bei den Kindern asiatischer Zuwanderer gelingt es den türkischstämmigen Kindern im deutschen Schulsystem vergleichsweise selten, die Bildungsdefizite ihrer Eltern aufzuholen. Türkische Mädchen allerdings gehören im Bildungsbereich zu den Gewinnerinnen der Integration: Der Anteil der deutschtürkischen Frauen mit Hochschulreife hat sich laut Studie von einer Generation auf die nächste verdoppelt und liegt damit über dem der Männer.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben