Gesundheit

Jedes zweite Krankenhaus laut Bertelsmann-Studie überflüssig

Weniger, dafür bessere Krankenhäuser: Dafür plädieren die Autoren einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Weniger, dafür bessere Krankenhäuser: Dafür plädieren die Autoren einer Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung.

Foto: imago stock / imago/biky

Essen.  Laut einer Studie der Bertelsmann-Stiftung ist jedes zweite Krankenhaus in Deutschland überflüssig. Die Krankenhausgesellschaft NRW widerspricht.

Die Krankenhausgesellschaft NRW (KGNW) warnt davor, in der Debatte um die zukünftige Gesundheitsversorgung die Schließung von Krankenhäusern zu sehr in den Fokus zu stellen. Hintergrund ist die jüngst veröffentlichte Bertelsmann-Studie, laut der jedes zweite Krankenhaus in Deutschland überflüssig ist.

Die Autoren der Studie argumentieren, dass nur Kliniken mit größeren Fachabteilungen und mehr Patienten genügend Erfahrung für eine sichere Behandlung hätten. Insgesamt würde die Versorgung durch weniger, dafür breiter aufgestellte Krankenhäuser verbessert. Von den derzeit knapp 1400 Krankenhäusern bundesweit sollten ihrer Ansicht nach weniger als 600 größere und bessere Kliniken erhalten bleiben.

Zahl der Krankenhäuser in NRW sank in zehn Jahren um 88 auf 344

Widerspruch kommt vonseiten der Krankenhäuser: „Die Zeit der kalten Strukturbereinigung müssen wir hinter uns lassen“, sagte KGNW-Präsident Jochen Brink in einem bereits Anfang Juli veröffentlichten Grundsatzpapier. Brink mahnte darin auch an, Häuser nicht kurzfristig zu schließen, die zukünftig wieder gebraucht würden. Vielmehr sei eine nachhaltige Krankenhausplanung notwendig, die sich an den Bedürfnissen der Menschen vor Ort ausrichte.

Darüber hinaus wurden in NRW bereits zahlreiche Krankenhäuser geschlossen, wie Zahlen des Landesamts für Statistik belegen: Demnach sank die Zahl der Krankenhäuser in NRW innerhalb von zehn Jahren um 88 auf 344. Verglichen wurden dafür die Zeiträume zwischen 2007 und 2017. Zeitgleich stieg die Zahl der Beschäftigten an.

Deutsche Krankenhausgesellschaft nennt Vorschläge Zerstörung sozialer Infrastruktur

Der Dachverband, die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG), nannte die in der Studie gemachten Vorschläge am Montag „Zerstörung von sozialer Infrastruktur in einem geradezu abenteuerlichen Ausmaß“. Es sei unbelegt, dass Großkrankenhäuser eine bessere medizinische Versorgung böten. Darüber hinaus brauche ein großer Teil der Krankenhäuser keine Spezialisierung, wie sie die Autoren der Studie fordern: Vielmehr würde dort medizinische Grundversorgung geboten, wie Geburten, altersbedingte sowie neurologische Krankheitsbilder.

In einem Punkt gibt die DKG der Studie aber Recht: So sollten deutlich mehr bislang stationär erbrachte Leistungen ambulant erbracht werden. Entsprechend müsse die Politik auch Krankenhäuser für die Erbringung ambulanter Leistungen zulassen, fordert die DKG. Die niedergelassenen Praxen allein könnten diese Leistungen nicht auffangen.

Gesundheitsminister Laumann schließt Zentralisierungen nicht aus

Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann verwies vor dem Hintergrund der Studie auf das Gutachten, das zurzeit im Auftrag seines Ministeriums erarbeitet wird. Darin soll die aktuelle Versorgungsstruktur in Nordrhein-Westfalen erfasst werden. Diese Zahlen sind schließlich Grundlage eines neuen Krankenhausplans, der bis zum Jahresende entwickelt werden soll.

„Ziel ist eine gut erreichbare und qualitativ hochwertige Versorgung der Bürgerinnen und Bürger“, so Laumann. Speziell im ländlichen Raum sei es wichtig, Strukturen zu stärken. Gleichzeitig schloss der Minister weitere Zentralisierungen nicht aus: „Es geht um Qualitätsverbesserungen und um eine sinnvolle und zukunftssichere Aufstellung der Krankenhauslandschaft. Um dieses Ziel zu erreichen, werden sicherlich auch Zentralisierungen und Spezialisierungen eine Rolle spielen.“ Mit dem Gutachten beauftragt ist Professor Reinhard Busse von der TU Berlin – er war auch an der jetzt vorgelegten Bertelsmann-Studie beteiligt.

Gegen die geplante NRW-Klinikreform auf Basis des Gutachtens laufen Krankenhausdirektoren und -verbände seit einigen Wochen Sturm: 250 Standorte könnten in NRW von einer Schließung betroffen sein.

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