Rechtsextremismus

Kabarettistin Idil Baydar erhält Morddrohung vor Gedenkrede

Idil Baydar als Gast in der Talkshow von Sandra Maischberger im August. Die Kabarettistin – bekannt als Jilet Ayşe – wurde schon mehrfach aus rechtsextremen Kreisen mit dem Tod bedroht.

Idil Baydar als Gast in der Talkshow von Sandra Maischberger im August. Die Kabarettistin – bekannt als Jilet Ayşe – wurde schon mehrfach aus rechtsextremen Kreisen mit dem Tod bedroht.

Foto: Klaus W. Schmidtvia www.imago-images.de / imago images / Klaus W. Schmidt

Idil Baydar soll auf einer Gedenkveranstaltung für die rechtsextremen Anschläge von Mölln reden. Nun wird die Kabarettistin bedroht.

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Frankfurt a. M./Berlin Idil Baydar (bekannt als „Jilet Ayşe“) ist nach eigenen Angaben erneut zum Ziel von Drohungen aus rechtsextremen Kreisen geworden. Die Schauspielerin und Kabarettistin, die bereits im Frühjahr Morddrohungen erhalten und öffentlich gemacht hatte, sollte nun offenbar erneut eingeschüchtert werden, weil sie als Rednerin auf einer Gedenkveranstaltung für die rechtsextremen Anschläge von Mölln auftreten sollte.

In der schleswig-holsteinischen Kleinstadt starben am 23. November 1992 bei einem von Neonazis verübten Brandanschlag drei Menschen, darunter zwei Kinder.

Öffentlich gemacht wurden die jüngsten Drohungen von der Bildungsstätte Anne Frank aus Frankfurt am Main. Sie berät die Veranstalter der für den 17. November geplanten Gedenkveranstaltung im Umgang mit den Drohungen. Laut einer Mitteilung der Bildungsstätte stammen die Drohungen „klar aus dem Bereich des Rechtsextremismus“, und laut Baydar hätten die Drohungen „einen direkten Bezug zu ihrem geplanten Auftritt“.

Idil Baydar warnt vor Rechtsextremisten

Baydar, die unter anderem in ihrer Rolle als „Jilet Ayşe“ immer wieder die Themen Rassismus, Migration und Diskriminierung aufgreift, will sich nicht einschüchtern lassen. „Für mich ist klar, dass ich die Möllner Rede halten werde. Jetzt erst recht! Wir sind es den Opfern von rechtem Terror schuldig, jetzt nicht klein beizugeben“, wird sie in einer Mitteilung der Bildungsstätte Anne Frank zitiert.

Gleichzeitig jedoch warnt sie davor, die Verfasser solcher Drohungen zu unterschätzen: „Die rechtsextreme Szene ist starkbewaffnet und von den geistigen Brandstiftern gestärkt. Wer immer noch von Einzeltätern spricht, handelt komplett fahrlässig.“

Bereits im März dieses Jahres hatte Baydar per SMS mehrere Drohungen und Beschimpfungen erhalten und sie daraufhin mit einem langen Text auf Facebook veröffentlicht. Sie sei damals weniger schockiert oder überrascht gewesen schrieb Baydar. Vielmehr äußerte sie in dem Beitrag ihre Enttäuschung darüber, dass sie sich von Behörden und Gesetzen nicht ausreichend geschützt fühlen könne.

Auch jetzt scheint ihr Sicherheitsgefühl angeschlagen zu sein, wie aus der Mittelung der Bildungsstätte hervorgeht. „Ich habe kein Vertrauen mehr in die Behörden und glaube auch nicht an eine tatsächliche Aufklärung der Geschehnisse.“

Morddrohungen aus dem rechten Milieu hatten zuletzt immer wieder für Entsetzen gesorgt. Unter anderem erhielten die Grünen-Politiker Cem Özdemir und Claudia Roth entsprechende Schreiben. Zuvor war der thüringische CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring gleich mehrfach mit dem Tod bedroht worden.

• Kommentar: Drohungen wie die gegen Cem Özdemir gehen uns alle an

(br)

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