Bergisch Gladbach & Lügde

Kindesmissbrauch: Behörden sehen bisher keinen Zusammenhang

Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald. Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden.

Wohnwagen auf dem Campingplatz Eichwald. Auf dem Campingplatz in Lügde im Kreis Lippe waren Kinder für Pornodrehs missbraucht worden.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Düsseldorf.  Hängen die Missbrauchsfälle von Bergisch Gladbach und Lügde zusammen? Ermittler prüfen den Verdacht. Justizbehörden sehen keinen Zusammenhang.

Die NRW-Polizei geht im Zuge der Ermittlungen im Fall des Kindermissbrauchs-Netzwerks von Bergisch Gladbach offenbar einem ungeheuren Verdacht nach.

Wie Sicherheitskreise am Dienstagabend der Deutschen Presse-Agentur (dpa) bestätigten, prüfen die Behörden bereits seit längerem Verbindungen zwischen Verwandten des mutmaßlichen Täters von Bergisch Gladbach und dem Campingplatz in Lügde.

Staatsanwaltschaft und Justizministerium: kein rechtlich bedeutsamer Zusammenhang

Die Kölner Staatsanwaltschaft und das NRW-Justizministerium haben aber nach eigenen Angaben keine Hinweise auf einen strafrechtlich bedeutsamen Zusammenhang zwischen den Missbrauchsfällen von Bergisch Gladbach und Lügde gefunden. „Wir haben keinerlei Erkenntnisse darüber gewonnen, dass Täter aus unserem Tatkomplex Bergisch Gladbach auch an den in Lügde begangenen Taten beteiligt gewesen sein könnten“, sagte Oberstaatsanwalt Ulf Willuhn am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. Später wiederholte Justizminister Peter Biesenbach (CDU) am Rande des Rechtsausschusses diese Einschätzung.

Missbrauchsprozess: Lange Haftstrafen im Fall Lügde
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Sicherheitskreise hatten der dpa am Dienstagabend bestätigt, dass die Ermittler auf eine mögliche Querverbindung zum Fall in Lügde gestoßen seien. Demnach prüften die Behörden bereits seit längerem Verbindungen zwischen Verwandten des mutmaßlichen Täters von Bergisch Gladbach und dem Campingplatz in Lügde. „Dabei haben sich aber keine Hinweise auf strafrechtlich relevante Sachverhalte ergeben“, sagte Willuhn.

Campingplatz in Lügde als Verbindung der Missbrauchsfälle?

Wie zuvor RTL und WDR am Dienstagabend berichteten, soll es eine Verbindung zu dem jahrelangen Missbrauch auf dem Campingplatz im ostwestfälischen Lügde geben. Demnach soll der heute 84-jährige Opa eines Tatverdächtigen von Bergisch Gladbach selbst bereits wegen Kindesmissbrauchs verurteilt worden sein und zeitweise einen Wohnwagen auf dem Campingplatz „Eichwald“ genutzt haben.

Auch ein Cousin des Beschuldigten aus Bergisch Gladbach habe zwischen 2005 und 2009 in Lügde einen Campingwagen genutzt, berichtete der WDR. Diesen Wagen habe er dann offenbar einem der Haupttäter von Lügde, Andreas V., verkauft.

Ermittler kämpfen sich durch Unmengen von Daten mit Kinderpornografie

Die Missbrauchsserie von Lügde im Kreis Lippe war Ende Januar 2019 bekannt geworden. Auf einem Campingplatz in der ostwestfälischen Stadt war es zu tausendfachem Kindesmissbrauch gekommen. Die meisten der betroffenen Kinder waren zur Tatzeit zwischen drei und 14 Jahre alt. Andreas V. und sein Mittäter Mario S. wurden im September 2019 zu 13 und zwölf Jahren Haft verurteilt. Zudem ordnete das Gericht bei beiden eine anschließende Sicherungsverwahrung an.

Im Fall Bergisch Gladbach nahmen die Ermittlungen nach dem Fund großer Datenmengen im Oktober 2019 ihren Ausgang. Sie drehen sich um ein kriminelles Netzwerk, das sich über ganz Deutschland erstrecken soll. Die Ermittlungsgruppe „Berg“ sucht in Chats und in Unmengen bei Verdächtigen beschlagnahmten Dateien nach Belegen für Kinderpornografie und sexuellen Missbrauch. Mehrere Verdächtige sitzen in Untersuchungshaft. (tobi/dpa)

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