SPD-Vorsitz

Klara Geywitz – mit dieser Frau geht Olaf Scholz ins Rennen

Die Brandenburger SPD-Abgeordnete Klara Geywitz (SPD) will zusammen mit Olaf Scholz an die SPD-Spitze.

Die Brandenburger SPD-Abgeordnete Klara Geywitz (SPD) will zusammen mit Olaf Scholz an die SPD-Spitze.

Foto: Britta Pedersen / dpa

Berlin.  Sie kennen sich schon lange: Finanzminister Olaf Scholz will zusammen mit der Ostdeutschen Karla Geywitz „die SPD wieder stark machen“.

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Die Suche von Olaf Scholz hat ein Ende. Die Brandenburger Landtagsabgeordnete Klara Geywitz will gemeinsam mit dem Vizekanzler die SPD in einer Doppelspitze anführen. Als Tandem mit unterschiedlichen Lebenswegen und Ost-West-Perspektiven „wollen wir die SPD wieder stark machen“, erklärten beide am Dienstag in einem Bewerbungsschreiben an die Partei.

In der SPD war mit Spannung erwartet worden, welche Frau es sich zutraut, neben dem Finanzminister mit dem ausgeprägten Ego anzutreten. Die 43-jährige Geywitz kennt Scholz und dessen Frau Britta Ernst, die in Potsdam Bildungsministerin ist, schon lange. Sie weiß also, worauf sie sich einlässt.

Scholz, der GroKo-Architekt

Ob Geywitz die mäßige Beliebtheit des GroKo-Architekten Scholz in der Partei ausgleichen kann, wird sich in den nächsten Wochen zeigen. Bei den Koalitionsverhandlungen 2018 saß sie wie Scholz für die SPD im Verhandlungsteam. Die Innenexpertin und studierte Politologin war bis 2017 Generalsekretärin der Brandenburger SPD.

Als Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) seinerzeit die umstrittene Kreisgebietsreform abblies, trat Geywitz aus Protest zurück. Woidke trug ihr das nicht nach. Er kündigte an, dass der Landesverband für die nötige formelle Unterstützung für Scholz und Geywitz sorgen werde. „Klara Geywitz ist für die ostdeutsche Sozialdemokratie eine hervorragende Wahl“, sagte Woidke.

Scholz spricht von Verantwortungsgefühl

Scholz habe sich als Finanzminister beim Kohleausstieg für die Lausitz starkgemacht. „Damit sind sympathische und inhaltlich starke Schwergewichte in den Wettbewerb um eines der schönsten Ehrenämter eingetreten, die die deutsche Politik zu vergeben hat“, sagte Woidke.

Vergnügungssteuerpflichtig ist der SPD-Vorsitz derzeit nicht. Bei der Wahl am 1. September in Brandenburg muss Woidke zittern, ob er im Amt bleiben kann. In Sachsen droht der SPD die Einstelligkeit.

Scholz hatte seine Kandidatur in der Vorwoche angeboten, nachdem er zuvor stets betont hatte, die Aufgaben des Finanzministers seien mit der aufwendigen Arbeit des SPD-Chefs nicht vereinbar. Seinen Sinneswandel begründete der 61-Jährige mit seinem Verantwortungsgefühl für die Partei. „Ich bin bereit anzutreten, wenn ihr das wollt“, hatte er gesagt.

Kommentar: SPD-Vorsitz: Olaf Scholz ist alles andere als ein Rockstar

„Ich habe für mich jetzt den Eindruck gehabt, es wäre nicht verantwortlich, bei der Bedeutung, die die SPD für die Zukunft unseres Landes hat, wenn ich jetzt nicht sagen würde, ich will das machen“, sagte er. Es tue der SPD nicht gut, wenn das Bild entstehe, es traue sich niemand.

Viele Schwergewichte sagten ab

Zuvor hatten viele Schwergewichte aus den Reihen der Minister oder Ministerpräsidenten Kandidaturen ausgeschlossen, darunter die populäre Familienministerin Franziska Giffey, deren Doktorarbeit von der Freien Universität Berlin auf Plagiate geprüft wird.

Härteste Rivalen für Scholz/Geywitz dürften Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping sein. Viel Zuspruch aus der SPD erhalten der Außenpolitiker Michael Roth und die NRW-Abgeordnete Christina Kampmann.

Nach eigenen Angaben haben außerdem der Gesundheitsexperte Karl Lauterbach und die Umweltpolitikerin Nina Scheer die nötige formale Unterstützung aus der SPD für eine Kandidatur zusammen.

Stichwahl, wenn kein Pärchen auf Anhieb 50 Prozent erreicht

Bis 1. September können sich weitere Bewerber melden. Generalsekretär Lars Klingbeil tritt nicht an. „Ich selbst habe mich entschieden, dass ich nicht zu denen gehören werde, die auf der Bühne stehen und sich um den Parteivorsitz bewerben“, sagte der 41-Jährige in einem Video. Er brenne für die SPD und übernehme sehr gerne Verantwortung. Aber er habe keine Partnerin gefunden, mit der es zu 100 Prozent gepasst habe.

Youtube Klingbeil keine Kandidatur

Am 4. September findet die erste von 23 Regionalkonferenzen, auf denen sich die Bewerber präsentieren, in Saarbrücken statt. Ende Oktober stimmen die knapp 430.000 SPD-Mitglieder über die Nachfolge von Andrea Nahles ab.

Erreicht kein Pärchen auf Anhieb 50 Prozent plus eine Stimme, findet eine Stichwahl der beiden erstplatzierten Teams statt. Auf einem Dezember-Parteitag will die SPD außerdem entscheiden, ob sie die Koalition bis 2021 fortsetzt.

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