Krieg in Syrien

Kurden: Bei Türkei-Angriff könnten IS-Kämpfer freikommen

Internierte IS-Angehörige im Flüchtlingslager Al Hol.

Internierte IS-Angehörige im Flüchtlingslager Al Hol.

Foto: Maya Alleruzzo / dpa

In Nord-Syrien sind bis zu 11.000 IS-Kämpfer inhaftiert. Greift die Türkei an, könnte ihre Bewachung vielleicht nicht mehr gewährleistet werden.

Die syrischen Kurden warnen angesichts der jüngsten türkischen Drohungen vor einer möglichen Befreiung von rund 11.000 Kämpfern des sogenannten „Islamischen Staates“, die sich kurdischer Gefangenschaft befinden. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte am vergangenen Sonntag eine neue Militäroffensive gegen die von Kurden kontrollierten Gebiete im Norden Syriens angekündigt.

Salih Muslim, der außenpolitische Sprecher der wichtigsten syrischen Kurdenpartei PYD warnte im Gespräch mit der NRZ eindringlich vor einem solchen Schritt. „Wir werden unser Land, unsere Leute, unsere Städte und Dörfer verteidigen“, so Muslim. Möglicherweise würden dann die Kapazitäten zur Bewachung der Gefängnisse und Camps geschwächt.

2000 ausländische IS-Gefangene

In diversen Gefängnissen im Norden Syriens sitzen 11.000 Kämpfer des IS, die im Laufe der vergangenen Monate von den Kurden gefangen genommen wurden. Etwa 2000 von ihnen stammen nicht aus Syrien oder dem Irak, rund drei Dutzend kommen aus Deutschland. Etwa 70.000 Angehörige von IS-Kämpfern sind zudem im völlig überfüllten Flüchtlingscamp Al Hol interniert.

Bislang haben die Kurden die Herkunftsländer der ausländischen Kämpfer vergebens darum gebeten, ihre Staatsbürger nach Hause zu holen. „Man kann sich vorstellen, was 11.000 Terroristen tun werden, wenn sie freikommen“, warnt Kurdenpolitiker Muslim. „Deswegen ist die aktuelle Situation nicht nur ein Problem für die Selbstverwaltung, sondern eine Bedrohung für die gesamte Welt.“

Muslim: Das eine sehr gefährliche Situation

Muslim äußerte zudem den Verdacht, dass ein Ziel der angekündigten türkischen Offensive die Befreiung der inhaftierten IS-Kämpfer sein könne. Bislang täten die Demokratischen Streitkräfte Syriens (SDF), deren militärisches Rückgrat die Kurden-Milizen YPG und YPJ sind, und die lokale Polizei ihr Bestes, um die Gefangenen zu bewachen. „Aber die Gefängnisse sind meist sehr alte Gebäude in verschiedenen Städten. Wenn die Türkei diese Regionen angreift, ist es möglicherweise auch ihr Ziel, diese Leute zu befreien. Es ist wirklich eine sehr gefährliche Situation.“

Die Einrichtung einer sogenannten „Friedenszone“ entlang der türkisch-syrischen Grenze, auf die sich die Türkei und die USA offenbar verständigt haben, sieht Muslim kritisch. Sollte sie von der Türkei kontrolliert werden, gliche das einer Besatzung, so Muslim. „Jede Besatzung würde eine sichere Zone für Dschihadisten unter türkischer Kontrolle bedeuten. Das ist nicht akzeptabel.“

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