Ländlicher Raum mit Perspektive

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Bad Sassendorf. Heimat - ein Begriff aus der Mottenkiste nimmt Fahrt auf. Nicht erst seit Landliebe und Landlust neu entdeckt werden. Heimat ist nicht öde, nicht rückständig, nicht aus der Zeit. Heimat ist der Ort unserer Wurzeln. Und der liegt nicht selten im sogenannten ländlichen Raum.

Ein Drittel der Menschen in Nordrhein-Westfalen leben hier. Umweltminister Johannes Remmel aus Siegen ist überzeugt: „Der ländliche Raum bietet viele Lösungen für die Zukunft. Wir müssen sie nur gestalten. Das fängt bei der erneuerbaren Energie an und hört bei der Sekundarschule nicht auf.“

Regionale Produkte gefragt

Remmel rückt die Lebensmittel in den Blickpunkt. Ihn wurmt es, „dass jedes Jahr in Deutschland elf Millionen Tonnen Lebensmittel weggeworfen werden. Das ist ein Tritt in den Hintern der Heimat. Schließlich kommen sie meistens vom Land.“

Landwirtschaft müsse einen höheren Stellenwert bekommen, pflichtet ihm Friedrich Ostendorff aus Bergkamen bei. „Damit meine ich nicht die industrielle Fleischproduktion. Im Landkreis Coesfeld haben wir fünf Millionen Schweine. So viele wie noch nie.“ Tiergerechte und umweltfreundliche Landwirtschaft schreibt er sich auf die grüne Fahne.

Der Bundestagsabgeordnete ist weder ein Freund der Turbo-Mast noch der chemischen Keule auf den Feldern. „Der massive Einsatz führt dazu, dass die Vögel verhungern. Wann haben Sie zuletzt einen Kiebitz gesehen?“

Er fordert mehr Fördermittel der EU für eine umweltverträgliche Landwirtschaft ein. Anton Hofreiter, Vorsitzender von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag unterstreicht das: „Wir müssen die regionale bäuerliche Landwirtschaft stärken. Das passiert nicht automatisch.“ Dies auch vor dem Hintergrund, dass die Akzeptanz regionaler Produkte weiter zunehme. Es könne nicht hingenommen werden, dass Betriebe mit großen Flächen bevorzugt würden: „Das ist Steuergeld. Das lässt sich ändern.“ Hofreiter hält den Heimatbegriff für einen einladenden und offenen Begriff: „Auch Dorf finde ich wahnsinnig schön.“ Da Begrifflichkeiten allein nicht genügen, arbeiten die Grünen intensiv daran, den ländlichen Raum zukunftsfähig zu gestalten. „Es gibt viele bürgernahe Konzepte“, weiß der Bayer. „Sei es bei der Mobilität oder der Kinderbetreuung.“

Mangel an Hausärzten

Gesundheitsministerin Barbara Steffens richtet ihr Augenmerk auf die medizinische Versorgung und pflegerische Betreuung auf dem Land. „Mit den jetzigen Strukturen werden wir den Bedarf vor Ort in Zukunft nicht abdecken können. Wir brauchen nachhaltige Konzepte.“ Heute sei jeder zweite Hausarzt älter als 55 Jahre. „Viele, die ausscheiden, finden keinen Nachfolger.“ Wichtig sei die Betreuung der Senioren zu Hause. Steffens: „Sie wollen nicht in die Stadt.“ Die Lebensqualität im Alter hänge entscheidend davon ab, dass die Menschen in ihrer Umgebung blieben und nicht vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen würden.

Dass der ländliche Raum und seine Entwicklung die Menschen bewegt, davon sind die Grünen überzeugt. „Wenn ich früher eingeladen habe“, sagt Ostendorff, „war ich froh, wenn 10, 15 Leute kamen. Jetzt ist der Saal voll.“ Eines fällt nicht nur den Grünen auf: Die SPD ist beim ländlichen Raum nicht im Bild. Remmel: „Wir streiten uns mit den Konservativen.“

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