Nach Berliner Verbot

Debatte in NRW: Soll man Offiziere aus Schulen verbannen?

Bundeswehr macht Schule: Offiziersbesuche - wie hier  in der Aula des Sophie Scholl Gymnasiums Oberhausen - sind seit dem Berliner Bundeswehr-Verbot vom Wochenende wieder in der politischen Diskussion.

Bundeswehr macht Schule: Offiziersbesuche - wie hier in der Aula des Sophie Scholl Gymnasiums Oberhausen - sind seit dem Berliner Bundeswehr-Verbot vom Wochenende wieder in der politischen Diskussion.

Foto: ÖZCAN, Hayrettin

Düsseldorf   Ministerin Gebauer verteidigt militärische Schulvorträge. Die Lehrergewerkschaft GEW fordert dagegen ein Ende der Bundeswehr-Kooperation.

Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) hat den Besuch von Bundeswehr-Offizieren in nordrhein-westfälischen Schulen verteidigt. „Die Bundeswehr ist für die Sicherheit Deutschlands unerlässlich. Es gibt für die Landesregierung keine Veranlassung, die derzeit geltenden Regelungen zu ändern“, sagte Gebauer unserer Redaktion.

In der Bildungspolitik ist eine neue Debatte über die Präsenz des Militärs im Klassenzimmer entbrannt. Die Berliner SPD hatte am Wochenende auf ihrem Landesparteitag beschlossen, die Bundeswehr künftig aus den Schulen der Hauptstadt zu verbannen. Die Entscheidung sorgte für bundesweites Aufsehen und ist auch parteiintern umstritten.

NRW schloss als erstes Bundeswehr-Kooperation

NRW war das erste Bundesland, das 2008 eine Kooperationsvereinbarung mit dem Wehrbereichskommando II der Bundeswehr geschlossen hatte. Eigens geschulte Jugendoffiziere dürfen seither auf Einladung von Lehrern Schulvorträge über sicherheitspolitische Themen halten, jedoch keine Rekrutenwerbung betreiben. Die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), Dorothea Schäfer, forderte die Landesregierung am Dienstag auf, die Kooperationsvereinbarung mit der Bundeswehr zu kündigen. „Es gibt keinen Grund, Offiziere in Schulen auftreten zu lassen. Die Vermittlung von sicherheitspolitischen Themen der Bundesrepublik ist Aufgabe unserer dafür ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrer“, sagte Schäfer unserer Redaktion.

In Nordrhein-Westfalen absolvieren die Jugendoffiziere der Bundeswehr pro Jahr knapp 800 Veranstaltungen mit Schülern, Studenten und Studienreferendaren. Sie sehen ihren Auftrag in der politischen Bildung in militärischen Grundsatzfragen, nicht jedoch in der Nachwuchswerbung. GEW-Chefin Schäfer kritisierte dennoch einen „automatischen Werbeeffekt“, wenn ein Offizier vor einer Klasse Aufgabenspektrum und Karrieremöglichkeiten bei der Bundeswehr erläutere.

Seit 2012 sind auch Friedensaktivisten willkommen

Die Kooperationsvereinbarung zwischen dem Land NRW und dem Wehrbereichskommando II musste bereits 2012 nachgebessert werden. Zu rot-grünen Regierungszeiten wurde festgelegt, dass Lehrer auch gleichberechtigt zu den Offizieren Vertreter von Friedensinitiativen einladen können. „Schüler erhalten somit die Möglichkeit, sich aus verschiedenen Positionen mit Fragen der Friedenssicherung auseinanderzusetzen. Auf diese Weise werden sie in ihrer Urteilskompetenz gestärkt“, meint Schulministerin Gebauer und will an der Regelung festhalten.

Zu einem Eklat war es 2013 gekommen, weil drei Schulen mit dem „Aachener Friedenspreis“ ausgezeichnet werden sollten, die ausdrücklich die Zusammenarbeit mit Jugendoffizieren ablehnten. Die Rektorin einer dieser Schulen schlug den Preis aus und erklärte den vorherigen Anti-Bundeswehr-Beschluss ihrer Schulkonferenz für nichtig.

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