Bergbau

„Bewerbung von Zechensiedlungen als Welterbe ist sinnlos“

Auch die Dahlhauser Heide in Bochum-Hordel könnte den Status als Weltkulturerbe bekommen. So will es die Fraktion der AfD im NRW-Landtag.

Auch die Dahlhauser Heide in Bochum-Hordel könnte den Status als Weltkulturerbe bekommen. So will es die Fraktion der AfD im NRW-Landtag.

Foto: Hans Blossey

Düsseldorf.   Experten diskutierten über einen AfD-Antrag im NRW-Landtag: Sollen sich die Zechensiedlungen des Ruhrgebiets als UNESCO-Weltkulturerbe bewerben?

Sind die Bergbausiedlungen des Ruhrgebiets würdig, in die Liste der UNESCO-Welterbestätten aufgenommen zu werden? Darüber diskutierten Experten in einer Anhörung des NRW-Landtags. Die Sachverständigen waren sich einig, dass die Zechensiedlungen wie die Margarethenhöhe in Essen oder die Siedlung Schüngelberg in Gelsenkirchen durchaus schützenwert sind. Einen entsprechenden Antrag der AfD-Fraktion auf eine Bewerbung der ehemaligen Arbeitsiedlungen lehnten sie jedoch ab. „Die Hürden, um eine Welterbestätte zu werden, sind extrem hoch“, sagte Christina Stauberg vom Städtetag NRW. „Wir glauben, dass der Antrag einzeln keinen Sinn hat.“

Stattdessen empfahlen die Sachverständigen, die Zechensiedlungen als Teil einer Gesamtbewerbung des Ruhrgebiets als „Industrielle Kulturlandschaft“ ins Rennen zu schicken. „Daran arbeiten wir intensiv“, sagte Norbert Tempel vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). Weiter heißt es vom LWL: „Wir schlagen vor, dieses Projekt weiter zu unterstützen und seinen Erfolg abzuwarten. Ein separates Projekt nur für die Siedlungen zu betreiben, scheint uns nicht zielführend zu sein.“ Eine Anerkennung des Ruhrgebiets als Welterbestätte war zuletzt 2014 gescheitert. Fachleute der Kultusministerkonferenz hatten den Antrag des Landes NRW in der zurückgewiesen.

Forderung nach mehr Personal für Denkmalschutz

Bislang hat im Ruhrgebiet „nur“ die Zeche Zollverein den Welterbe-Status. Petra Becker vom Institut für Denkmalschutz der Stadt Essen sagt: „Dieser Status bedeutet eine Selbstverpflichtung der Beteiligten, etwas zu tun. Letztlich ist es auch ein Label für den Tourismus.“ Darauf sollten sich Kommunen jedoch nicht ausruhen, ergänzt Becker. „Wir brauchen als Kommunen mehr Personal für den Denkmalschutz. Man kann nicht immer nur wollen, aber dafür nichts geben.“

Laut des Landschaftsverbands sind NRW-weit 450 Siedlungen denkmalgeschützt, davon liegen 350 Siedlungen im Ruhrgebiet. Die Arbeitersiedlungen waren am Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden. Zechenbetreiber nutzten die Häuser, um Arbeitern einen Anreiz zu bieten und langfristig an sich zu binden.

>>> Info: Welterbe

Aktuell tragen 1.092 Stätten in 167 Ländern den Titel des Welterbes. In NRW sind es die Zeche Zollverein in Essen, der Aachener Dom, die Schlösser Augustusburg und Falkenlust in Brühl, der Kölner Dom sowie das ehemalige Benediktinerkloster Corvey in Höxter.

Im Dezember hatte die Kultusministerkonferenz entschieden, das Brieftaubenwesen nicht in die bundesweite Liste des Immateriellen Weltkulturerbes der Unesco aufzunehmen. Auch für die Bolzplätze gab es vor einem Jahr einen entsprechenden Antrag.

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