Neue Studie

Brexit trifft NRW-Wirtschaft weniger hart als befürchtet

Blick in die Zukunft ohne Briten in der EU: Für die NRW-Wirtschaft kommt es laut einer Studie nicht ganz so dicke wie zunächst befürchtet.

Blick in die Zukunft ohne Briten in der EU: Für die NRW-Wirtschaft kommt es laut einer Studie nicht ganz so dicke wie zunächst befürchtet.

Foto: THIERRY ROGE

Düsseldorf   Neue Erhebung des Instituts der deutschen Wirtschaft sieht auch Chancen. Schon 100 britische Firmen fanden neuen Standort an Rhein und Ruhr.

Der Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union (EU) könnte die nordrhein-westfälische Wirtschaft weniger hart treffen als befürchtet. Das geht aus einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des NRW-Wirtschaftsministeriums hervor.

Demnach werden zwar von den befragten Managern die negativen Folgewirkungen des Brexits höher eingeschätzt als die positiven. Zugleich gehen jedoch 37 Prozent der Unternehmen davon aus, dass ihre derzeitige britische Konkurrenz bei einem harten Brexit ohne Austrittsabkommen mit der EU geschwächt werden dürfte. Die internationale Wettbewerbsposition der Wirtschaft des Vereinigten Königreichs insgesamt werde leiden, glauben die NRW-Unternehmer.

Mehr als zwei Drittel der Firmen hat vorgesorgt

IW-Chef Michael Hüther geht davon aus, dass sich die Wirtschaft an Rhein und Ruhr bereits gut auf den Brexit eingestellt habe. „Der Brexit für sich löst keine Rezession aus, weil es keinen Überraschungseffekt mehr geben wird“, sagte Hüther. Mehr als zwei Drittel der befragten NRW-Unternehmen gaben an, längst Maßnahmen für jedes Brexit-Szenario getroffen zu haben. Großbritannien ist in den vergangenen Jahren bereits in der Rangliste der wichtigsten NRW-Wirtschaftspartner vom vierten auf den achten Platz abgerutscht.

Bei allem Bedauern über den Abschied der Briten aus der EU sei NRW „entschlossen, die wirtschaftlichen Chancen zu nutzen“, sagte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP). Seit dem Brexit-Referendum hätten sich fast 100 britische Unternehmen mit rund 2200 Mitarbeitern in NRW angesiedelt, so Pinkwart. 16 Firmen fanden dabei einen neuen Standort im Ruhrgebiet. „Sie suchen nicht nur einen Nothafen, sondern wollen von hier aus ihr Europageschäft betreiben“, sagte Pinkwart. Vor allem die im Vergleich höhere Arbeitsproduktivität und die geringeren Lohnstückkosten machen NRW laut IW-Gutachten zu einem attraktiven Ersatzstandort.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben