Sicherheit

Die Polizei in NRW testet ab Oktober Elektroschocker

Die NRW-Polizei könnte bald Taser-Waffen einsetzen, um Verdächtige zu stoppen (Symbolbild).

Die NRW-Polizei könnte bald Taser-Waffen einsetzen, um Verdächtige zu stoppen (Symbolbild).

Foto: dpa

Düsseldorf.  Drei Monate sollen Polizisten die nicht unumstrittenen "Taser" im Einsatzalltag testen. Die britische Polizei setzt das Testmodell bereits ein.

Die NRW-Polizei startet am Ende Oktober mit der Erprobung von umstrittenen Elektroschockgeräten („Taser“) für den Einsatzalltag. Das hat Innenminister Herbert Reul (CDU) auf Anfrage der Grünen-Landtagsfraktion bekannt gegeben, die unserer Redaktion vorab vorlag. Das Landesamt für Aus- und Fortbildung (LAFP) der Polizei in Selm werde die Geräte zunächst drei Monate lang testen. Für die Anschaffung seien Kosten von 32.000 Euro veranschlagt.

CDU und FDP hatten sich auf einen Pilotversuch im Koalitionsvertrag verständigt. Die sogenannten Distanzelektroimpulsgeräte gehen mit der Reform des Polizeigesetzes, das nach der Sommerpause im Landtag beschlossen werden soll, neben Schusswaffen und Schlagstöcken in den Waffenkatalog der NRW-Polizei über. Damit wäre eine rechtliche Grundlage geschaffen, „Taser“ auch flächendeckend einzuführen.

Taser sind wegen möglicherweise erheblichen Verletzungsfolgen umstritten

Die Geräte, die etwa Gewalttäter mit Elektroschlägen handlungsunfähig machen können, sind wegen der möglicherweise erheblichen Verletzungsfolgen umstritten. Grünen-Innenexpertin Verena Schäffer kritisierte, dass die Landesregierung weder zu gesundheitlichen Gefahren noch zu möglichen Einsatzsituationen Auskunft erteile: „Dabei belegen Vorerfahrungen und Studien in anderen Ländern, dass gesundheitliche Risiken existieren und nicht einfach ignoriert werden dürfen.“ Amnesty International verweist darauf, dass es in den USA, wo die Polizei seit Jahren mit Elektroschockgeräten arbeite, bereits mehrere Hundert Todesfälle zu beklagen gewesen seien.

Innenminister Reul weiß dagegen bei dem Pilotversuch die Praktiker der Polizei hinter sich. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) sieht sich durch positive Beispiele aus Berlin ermutigt, auch in NRW im Umgang mit gewalttätigen oder psychisch kranken Angreifern in Extremsituationen neue Wege zu gehen. NRW testet ein von der britischen Polizei genutztes „Taser“-Modell, das aus einer Distanz von mehreren Metern benutzt werden kann.

Grüne stehen Aufrüstung sehr kritisch gegenüber

Aus dem Gerät werden zwei kleine Pfeile an Drähten abgeschossen, die einen Stromkreislauf erzeugen und so die Muskulatur des Gegenübers kurzzeitig lahmlegen. Der Schusswaffengebrauch sei wesentlich gefährlicher, da selbst geübte Schützen unter Stress nicht ohne Weiteres zielgenau Arm oder Bein treffen könnten, heißt es. Völlig unklar ist noch, wann und im welchem Rahmen die Elektroschockpistolen in NRW eingesetzt werden sollen und wo sie am Körper getragen werden sollen.

Grünen-Politikerin Schäffer sieht einen immensen Fortbildungsbedarf, falls die Elektroschockgeräte im Streifendienst eingesetzt werden sollten: „Wir Grüne wollen keine immer stärkere Aufrüstung der Polizei mit fragwürdigen Waffen, sie soll bürgernah und ansprechbar sein.“

Leserkommentare (5) Kommentar schreiben