Ärztemangel

Zahl der Hausärzte im Revier steigt – Mangel auf dem Land

Im Revier gibt es mehr Hausärzte, während auf dem Lande der Ärztemangel zunimmt.

Im Revier gibt es mehr Hausärzte, während auf dem Lande der Ärztemangel zunimmt.

Foto: Dennis Straßmeier / WAZ FotoPool

Düsseldorf  Nach dem Ende des "Sonderstatus" interessieren sich viele Hausärzte für die Großstädte im Revier. Das erhöht den Druck auf den ländlichen Raum.

Während sich der Hausärztemangel auf dem Land weiter verschärft, zieht das Ruhrgebiet diese Mediziner an. Seit dem Ende des „Sonderstatus“, der dem Revier eine geringere Hausarztdichte vorschrieb, konnten in der Region 62 von zunächst 100 neu freigegebenen Hausarztsitzen besetzt werden. Laut den Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigungen, die dieser Redaktion vorliegen, profitieren besonders Duisburg und Oberhausen. In Duisburg wurden alle zwölf zusätzlichen Hausarztsitze besetzt, in Oberhausen 7 von 7,5. Im westfälischen Teil des Reviers kamen bisher 30 Sitze dazu, 20 davon in Dortmund in Hamm. In Essen wird es ab Sommer 2020 zusätzliche Hausärzte geben.

Die Nachfrage unter Medizinern nach einem Hausarztsitz im Ruhrgebiet ist groß, und NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) ist mit der Entwicklung zufrieden. „Die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigungen zeigen: Die angestrebte Versorgungsverbesserung für die Menschen im Ruhrgebiet im Rahmen der Aufhebung des Sonderstatus wirkt. Sie bestätigen aber auch: Die Sorge vor einem Sogeffekt bei der hausärztlichen Versorgung in die großen Ruhrgebietsstädte zu Lasten des ländlichen Umlands war nicht unbegründet“, sagte Laumann dieser Redaktion.

Wenig Interesse der Ärzte an den Rändern des Ruhrgebiets

Tatsächlich zieht es laut Kassenärztlicher Vereinigung Nordrhein die zusätzlichen Ärzte vor allem in die Großstädte im Revier. In den ländlichen Randgebieten des Ruhrgebiets seien aber „nach wie vor hausärztliche Zulassungen unbesetzt“. Die Landesregierung erinnerte an ihr Aktionsprogramm gegen den Hausärztemangel. Sie rücke damit gezielt die ländlichen Regionen in den Fokus.

Auch die Versorgung mit Psychotherapeuten verbessert sich im Revier, allerdings längst nicht in dem Maß, wie es erforderlich wäre. 80 neue Therapeuten-Zulassungen sind im Ruhrgebiet entstanden, und um die tobt ein harter Wettbewerb. Allein im nordrheinischen Teil des Ruhrgebiets stehen 50 neuen Psychotherapeuten-Zulassungen rund 280 Anträge gegenüber. Auch in Westfalen streiten sich Therapeuten um die Zulassungen. Es gebe wegen der „hohen Nachfrage“ zahlreiche Widersprüche gegen die Entscheidungen des Zulassungsausschusses, so die Kassenärztliche Vereinigung Westfalen-Lippe.

Immer noch viel zu lange Wartezeit bei Psychotherapeuten

Die immer noch sehr hohen Wartezeiten bei den Psychotherapeuten - besonders im Ruhrgebiet – bereiten Gesundheitsminister Laumann Sorgen. Die wenigen Neuzulassungen könnten den Bedarf nur schwer ausgleichen. Untersuchungen zeigen: Im Revier müssen Patienten etwa einen Monat länger auf einen Termin beim Psychotherapeuten warten als im Bundesdurchschnitt: 16 statt 12 Wochen. „Ich setze darauf, dass bei der aktuellen Reform der Bedarfsplanung der Bedarf an psychotherapeutischen Behandlern noch einmal grundsätzlich überprüft wird“, sagte Laumann.

600 zusätzliche Hausarzt-Sitze bis zum Jahr 2028

Dass das Revier bis 2028 insgesamt 600 zusätzliche Hausarztsitze bekommt, liegt daran, dass der Sondergebiets-Status dieser Region Ende 2017 durch den Gemeinsamen Bundesausschuss aufgehoben wurde. In zehn Jahren wird das Zahlen-Verhältnis von Einwohnern je Hausarzt schrittweise an den Bundesschnitt herangeführt: von 2134 Einwohner auf 1671 Einwohner je Hausarzt. Im Moment liegt diese Zahl im Ruhrgebiet bei 2000. Die nächste Anpasssung ist für 2020 geplant. Allerdings steht die Hausärzte-Bedarfsplanung für ganz Deutschland auf dem Prüfstand. ​

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